„Zukunftsfähigkeit des Bahnverkehrs“

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Bereits 1907 wurde über den „Elektrischen Bahnbetrieb“ im Anzeige-Blatt berichtet.
Bereits 1907 wurde über den „Elektrischen Bahnbetrieb“ im Anzeige-Blatt berichtet. (Foto: Aktionsgemeinschaft)

Die Aktionsgemeinschaft Inselbahnhof Lindau hat sich mit folgender Presseerklärung an die Lindauer Zeitung gewandt:

Die Spatenstiche des Baubeginns zur Elektrifizierung der Eisenbahnstrecken von Lindau nach München-Geltendorf sowie jener von Lindau über Friedrichshafen nach Ulm sind erfolgt, die Bauarbeiten wurden begonnen. Die Aktionsgemeinschaft Inselbahnhof Lindau begrüßt dies.

Vertreter der Politik und des Managements der Deutschen Bahn AG nutzten die Gelegenheit zu wohlklingenden Worten, wie die Bahn würde dadurch „zu einer echten modernen Alternative zum Auto“. Tatsächlich ist eine massive Verlagerung des Individual- und Gütertransportes weg von Umwelt, Mensch und Landschaft massiv schädigenden Autoverkehrs und hin zu den öffentlich gemeinschaftlichen Verkehrsmitteln wie der Eisenbahn dringend nötig.

Doch braucht es dazu auch in der Region Allgäu und Bodensee mehr, als die begonnenen Elektrifizierungsmaßnahmen. Solange die Bahnstrecke von Lindau über Friedrichshafen nach Radolfzell nicht vollständig elektrifiziert und grundsätzlich zweigleisig ausgebaut ist, kann die Eisenbahn auf dieser Strecke ihrer Transportaufgabe nur eingeschränkt nachkommen und wird weiterhin beispielsweise unter verspätetem Gegenverkehr auf der seit rund 110 Jahren eingleisigen Strecke leiden. Sie stellt damit nur eine wenig attraktive Alternative zum massiv klimaschädlichen Autoverkehr dar. Gleiches gilt für die immer noch eingleisige Diesel-Streckenführung von Ulm über Memmingen nach Kempten.

„Ein politischer Schildbürgerstreich“

Außerdem wird die zweigleisige Allgäubahn-Hauptstrecke von Buchloe über Kempten nach Oberstdorf und Hergatz durch die begonnenen Baumaßnahmen ausdrücklich nicht elektrifiziert und Pläne dazu wurden noch nicht einmal entwickelt. Ein politischer Schildbürgerstreich.

Weder die Planungen der neuen Bundesregierung, noch jene der bayerischen beziehungsweise der baden-württembergischen Landesregierungen oder der DB AG lassen hierzu bisher Hoffnungen aufkommen. Im Gegenteil signalisieren diese zusammen mit den Militärtauglichkeitsplanungen der Europäischen Union und jenen des EU-„Nikolauspaketes“, des EU-Struktur- und Investitionsfonds vom 6. Dezember 2017 das Gegenteil einer zukunftsfähigen Verkehrsalternative im Eisenbahnbereich.

Die Aktionsgemeinschaft Inselbahnhof Lindau kann also den euphorischen Wortmeldungen bei den Bahn-Spatenstichen in Memmingen und Weingarten-Niederbiegen leider nichts Überzeugendes abgewinnen und appelliert an die Verantwortlichen in Politik, Gesellschaft und bei der Deutschen Bahn AG, die Zukunftsfähigkeit des Eisenbahnverkehrs unter anderem im gesamten Allgäu sowie am deutschen Bodenseeufer tatsächlich umgehend anzugehen und mit den dafür nötigen Finanzen auszustatten.

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