„Zuerst Engpässe im Schienenverkehr beseitigen“

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Die Initiative Bodensee-S-Bahn will im Bundesverkehrswegeplan den Bahnverkehr stärker berücksichtigt wissen.
Die Initiative Bodensee-S-Bahn will im Bundesverkehrswegeplan den Bahnverkehr stärker berücksichtigt wissen. (Foto: Archiv/oh)

Auch die Initiative Bodensee-S-Bahn hat sich mit dem geplanten neuen Bundesverkehrswegeplans beschäftigt. Und ist alles andere als glücklich über den derzeit vorliegenden Entwurf: „Statt wirksame, kostengünstige und umweltverträgliche Vorschläge für den Schienenverkehr zu machen, präsentiert der Bundesverkehrswegeplan 2030 in der Bodenseeregion vor allem autobahnähnliche Fernstraßenprojekte für über 900 Millionen Euro. Durch die geplanten zwei bis vier neuen Fahrspuren würde die Strassen-Kapazität mehr als verdoppelt. Neue Projekte für den Ausbau des Eisenbahnnetzes fehlen jedoch im Entwurf“, heißt es in einer Pressemitteilung der Initiative.

„Durch den schrittweisen zweigleisigen Ausbau (der Bahnstrecken, d.Red.) könnte die Kapazität für den Schienenverkehr bis auf das Zwanzigfache gesteigert werden“, stellt die S-Bahn-Initiative fest. Sie betrachtet das Beseitigen der eingleisigen Engpässe als wichtige Voraussetzung, um in der Bodenseeregion künftig erheblich mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern zu können.

Vor diesem Hintergrund will sie erreichen, dass zusätzliche Schienenprojekte in den kommenden Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werden: So müsse in der Region neben der Allgäubahn München-Memmingen-Lindau und der Südbahn Ulm-Friedrichshafen-Lindau auch die Bodenseegürtelbahn Basel-Friedrichshafen-Lindau durchgehend elektrifiziert werden und die eingleisigen Strecken mit zusätzlichen Ausweichstellen schrittweise auf zwei Gleise ausgebaut werden. Zudem beantragt sie, die Allgäubahn im Abschnitt Buchloe-Hergatz mit zusätzlichen Ausweichstellen schrittweise auf zwei Gleise ausbauen.

Die S-Bahn-Initiative begründet ihre Anträge damit, dass beispielsweise die eingleisige Bahnstrecke Radolfzell-Friedrichshafen heute mit drei Zügen pro Stunde „praktisch voll ausgelastet ist“. Auf einer zweigleisigen Bahnstrecke könnten hingegen bis zu 60 Züge pro Stunde fahren. Dies entspreche der Beförderungsleistung einer sechsspurigen Autobahn. Deshalb könne in der Bodenseeregion die Verkehrskapazität auf der Schiene „erheblich kostengünstiger, schneller und umweltschonender vergrößert werden als auf der Straße“.

Die Bundesregierung sei doch verpflichtet, für einen nachhaltigen und umweltschonenden Verkehr zu sorgen. Doch im Bundesverkehrswegeplanentwurf werde der Ausbau der regionalen Bahnstrecken mit dem wenig stichhaltigen Argument verweigert, dass diese für den Fernverkehr keine Bedeutung hätten. Dabei verweist die S-Bahn-Initiative darauf, dass zum auf diesen Strecken auch gut ausgelastete IRE-Züge über Distanzen von bis zu 300 Kilometern fahren. Zum anderen sei der Bund laut Bundesschienenausbaugesetz auch für die Nahverkehrsstrecken zuständig, die sich im Eigentum der DB befinden.

Klimaschutz erfordere Verkehrsverlagerung

Und noch ein Argument führt die Initiative an: Die Kohlendioxid-Emissionen sollen bis 2020 um vierzig Prozent verringert werden. Nur wenn mehr Verkehr auf Bahn und Bus verlagert werde, könnten die Klimaziele erreicht werden. Um die dicht besiedelte Bodenseeregion attraktiv und lebenswert zu erhalten, hält die Initiative Bodensee-S-Bahn es für wichtig, die legendäre „schwäbische Eisenbahn“ dringend auf den heutigen Stand der Technik zu bringen: „Als effizientes, komfortables, leistungsfähiges, schnelles, umweltschonendes und zuverlässiges Verkehrsmittel für die Zukunft.“

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