Zauberer stellen die Welt der Lindauer auf den Kopf

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Mehr als nur Klamauk: Thomaselli verzaubert sein Publikum. (Foto: Maja Endrullis)
Schwäbische Zeitung
Maja Endrullis

„Für uns ist das nichts, unsere Kinder sind ja schon groß“, sagte eine Bekannte auf die Frage hin, ob sie nicht Lust habe, sich die beiden Zauberer im Zeughaus anzuschauen. Um eines klarzustellen: An jenem Donnerstagabend war natürlich kein einziges Kind im Zeughaus. Dafür jede Menge Erwachsener, die sich bestens unterhalten fühlten bei der „zackigen Zauberkunst“, die Thomaselli und Magnus André am Donnerstag in Lindau präsentierten.

Staunen garantiert

Vielleicht ist es auch die Dimension des Wortes „zaubern“, die für viele Menschen schwer greifbar ist, schließlich gibt es zwischen einem für manchen eher anstrengenden David Copperfield und einem Kindergeburtstagszauberer noch sehr viel mehr. Und genau hier tummeln sich der Lindauer und der Allgäuer Zauberer. Wortgewandt stiegen sie in die Show ein, begrüßten das zahlreich erschienene Publikum im Lindauer Zeughaus mit Witz und Charme und hatten die ganze Aufmerksamkeit vom ersten Moment an auf ihrer Seite. Und bei allem Klamauk, all dieser äußerst lockeren und kurzweiligen Unterhaltung, blieb das Staunen niemals aus. Denn die beiden können nicht nur unterhalten, sondern beherrschen auch die kuriosesten Zaubertricks. Abwechselnd führten die beiden routinierten Entertainer ihre Programmpunkte vor, die von Anfang bis Ende einschließlich der absolut perfekten Musikauswahl stimmig waren.

Volles Risiko in Lindau

So schlug beispielsweise der aus Waltenhofen stammende Magnus André dem Publikum ein „Experiment“ vor. Nicht ohne vorher zu erläutern, was der Unterschied zwischen einem Experiment und Zauberei ist: „Ein Experiment kann schief gehen. Aber Thomaselli hat gesagt, in Lindau kann ich volles Risiko gehen.“ Als er dann beherzt einen Backstein ins Publikum schleuderte, da zuckte nicht nur die erste, die sogenannte „Mitmachreihe“, zusammen. Aber er kann ja glücklicherweise wirklich zaubern - und so wurde aus dem Backstein ein Stück Schaumstoff, und Magnus André erriet auf höchst erstaunliche Weise die Gedanken der „Freiwilligen“ aus dem Publikum.

Ja, die Freiwilligen. Ihnen erklärte Thomaselli beim entspannten Schlendern durch die Reihen: „Junge Frau, wenn Sie weggucken, werden Sie für mich nicht unsichtbar!“ Aber immer wieder fanden sich dann Leute, die mitspielten, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes gemacht. So Adalbert, der assistierte, um den Zuschauern zu zeigen, „wie Zaubertricks wirklich funktionieren“. Und da jeder bis auf Adalbert sehen konnte, wie Magnus André höchst „unauffällig“ die Zitronen, mit denen Thomaselli „zauberte“, auffing und ein ums andere Mal und mit ihnen verschwand, war Adalbert von der „Zauberei“ beeindruckt, während sich das Publikum vor Lachen bog. Der arme Adalbert hatte auch wirklich keine Chance, etwas von dem intelligent inszenierten Klamauk der beiden Zauberer mitzubekommen und so war neben den Zauberern sicherlich auch der veräppelte und humorvolle Adalbert einer der Stars des Abends. Wie im Flug verging letztlich der höchst vielseitige Abend.

„Es ist anders als die Magier bei ,Das Supertalent’“, raunt eine zufriedene Zuschauerin am Schluss. Ja, das ist es in der Tat. Die beiden Zauberer strengen an, und zwar die Lachmuskeln, ohne in dummen Klamauk abzudriften. Und während das Publikum so entspannt vor sich hinlacht, wird ihm bewusst, dass da ja auch echte, kuriose und richtig gute Zauberei geboten wird. Quasi aber eher so nebenbei. Unaufgeregt, entspannend. Und letztlich mit dem Effekt, dass die Zuschauer am Schluss lachend und rätselnd gleichermaßen heimgehen. Und irgendwie ein Stück zufriedener und entspannter als sie zuvor gekommen waren.

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