Wo die Altstadt zur Stolperfalle wird

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Mit Brillen, die für eine Sehbehinderung sorgen, sind die Spaziergänger in der Altstadt unterwegs.
Mit Brillen, die für eine Sehbehinderung sorgen, sind die Spaziergänger in der Altstadt unterwegs. (Foto: arbeitskreis verkehr)
Lindauer Zeitung

Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche im September hat unter sieben angebotenen Spaziergängen in Lindau auch einen Rundgang zum Thema Barrierefreiheit gegeben, den Ulrike Lorenz-Meyer anbot. Neben Betroffenen und Interessierten haben Claudia Mahmoud und Daniel Obermayr vom Arbeitskreis Verkehr der Lokalen Agenda 21 und Jaime Valdés, Mobilitätsplaner der Stadt Lindau, teilgenommen, wie der Arbeitskreis Verkehr mitteilt. Es gab keine vorgeplante Route, vielmehr konnten die Teilnehmer selbst Stolperfallen und Informationsdefizite benennen. Diese wurden dann gemeinsam abgelaufen.

„Dabei wurden wir Teilnehmer auf längst bekannte ,Stolpersteine’ aufmerksam gemacht, die leider bisher nicht beseitigt wurden, und auch auf Probleme, für die wir einfach nicht genug sensibilisiert sind, um sie zu erkennen“, so Claudia Mahmoud. Frank Zieger vom bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund hatte Brillen mitgebracht, die die unterschiedlichen Sehbehinderungen eindrücklich veranschaulichten.

Gefahrenzonen für Sehbehinderte sind etwa die gelben Markierungen an Absätzen und Stufen, die teilweise abgetreten und verblasst sind und regelmäßiger erneuert werden müssten, schreibt der AK Verkehr. Selbiges gelte für die fehlenden Streifen aus reflektierender gelber Farbe an allen Pollern. Generell seien gelbe Markierungen besser als weiße, heißt es weiter.

Ein gutes Beispiel für Unachtsamkeit oder mangelnde Sensibilisierung seien Sonnenschirme, deren Spitzen in die Fußgängerzone ragen, oder Schilder ohne Umfassung am Boden, etwa am Anfang der Cramergasse, die für blinde Menschen und Personen mit Sehbehinderung mit dem Stock nicht ertastbar sind und eine große Verletzungsgefahr bedeuten. Der Arbeitskreis Verkehr bedauert zudem, dass die vorhandenen, aus kleinen, abgeflachten Steinen gepflasterten Laufwege auf dem Marktplatz von Marktständen zugestellt sind. Vor allem an Markttagen sei so der Weg für Personen mit Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen versperrt. Ebenso seien die Wege im Bereich der Fußgängerzone – wo vorhanden – häufig durch Kundenstopper oder von der Gastronomie verbaut.

Die Behindertentoilette am Bismarckplatz befindet sich – wahrscheinlich zur Freude der Reinigungskräfte, wie der AK Verkehr vermutet – gut versteckt in einer Ecke, ohne jegliches Hinweisschild auf dem Platz oder in der Maximilanstraße. Auch der „barrierefreie“ Zugang vom Neuen Rathaus ins Alte Rathaus entpuppte sich zum einen wegen des hohen Absatzes an der Tür und zum anderen wegen der extrem schwer zu öffnenden Tür als Stolperfalle für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator.

Außerdem habe mancher Teilnehmer des Rundgangs neben dem schlechten Zustand mancher Gehwege der fehlende Zebrastreifen im Bereich vor der Inselhalle bemängelt. Die inzwischen in Lindau auch an anderen Straßen favorisierten Querungshilfen seien für Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und auch Kinder generell kein guter Ersatz, weil sie weniger Schutz bieten, heißt es weiter.

Das Fazit des AK Verkehr: Es gibt eine stattliche Mängelliste, die allerdings ohne allzu großen Aufwand und große Kosten bereinigt werden könnte. Barrierefreiheit ist eines der wichtigen städtischen Ziele, und die Problemstellen wurden bei allen beteiligten Ämtern gemeldet. „Ihre Beseitigung soll konsequent verfolgt und im Rahmen der Kapazitäten der Stadt umgesetzt werden“, fordert der Arbeitskreis.

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