Wissenschaftler schunkeln beim bayerischen Abend

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Das Alphorn ist nur eine Kuriosität des bayerischen Abends.
Das Alphorn ist nur eine Kuriosität des bayerischen Abends. (Foto: Christian Flemming)

Freilich, wäre auch noch der Himmel über Lindau blau-weiß gewesen, wäre der bayerische Abend der Nobelpreisträgertagung vollkommen gewesen. Trotzdem war es ein geselliges Zusammentreffen der internationalen Wissenschaftselite mit zünftiger Blasmusik, bayerischen Bier, Brezeln und typischen Spezialitäten, jede Menge Dirndln, Lederhosen und vielen anderen landestypischen Trachten.

Die Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt sind an diesem Abend dazu aufgefordert, in ihrer landesüblichen Tracht zu erscheinen. Zwei junge Männer aus Korea tragen unter ihren seidig-schimmernden blauen Tuniken Pluderhosen. In knall-pink. Ein Hingucker. Ebenso wie das blau-weiße Kleid der Schweizer Physikstudentin und Goldmedaillengewinnerin im Damenabfahrtslauf von Sotschi. „Nein, das ist keine Tracht. Das ist ein nur ein ganz normales Kleid“, winkt Dominique Gisin lachend ab. Doch bevor es dann so richtig offiziell wird, muss sie trotzdem für ein Fotoshooting mit den beiden Koreanern posieren.

Kultusminister Ludwig Spaenle, der natürlich mit Lederhose und Janker im Stadttheater erscheint, preist auf Englisch, aber mit unverkennbar bayerischem Akzent, Bayern als besten Wissenschaftsstandort Deutschlands, ja, sogar der ganzen Welt an. Darauf steigt auch Nobelpreisträger Hartmut Michel in seiner launigen Vorstellung des Freistaats und dessen Vorzügen als Wissenschaftsstandort ein. Der ebenfalls mit Lederhose gewandete Laureat beantwortet augenzwinkernd die wohl meist gestellte Frage der Tagung insgesamt: Den Nobelpreis verliehen bekomme man nämlich, wenn man es so mache wie er selbst oder einst Conrad Röntgen: Indem man zuerst an der Universität Würzburg promoviere und dann zu weiteren Forschungen nach München gehe.

Im Zelt auf dem Stiftsplatz, in dem im Laufe des weiteren Abends durchaus Oktoberfeststimmung aufkommen sollte, bekamen die Wissenschaftler einen tieferen Einblick in die bayerische Lebensart. Nicht umsonst hatte Spaenle neben einem „authentic bavarian buffet“ auch echtes bayerisches Bier und damit „a good mood“, eine gute Stimmung, versprochen.

Wenngleich die Wissenschaftler nicht über die Maßen der Aufforderung der „Samerberger Tanzlmusi“ „Oins, zwoi, droi, gsuffa“ nachkamen, anstecken von der guten Laune verbreitenden bayerischen Musik ließen sie sich allemal.

Ukrainer schnappt sich Akkordeon

Tanzbeine werden geschwungen, Weizengläser zum Prosit erhoben und ein bisschen geschunkelt. Nachwuchswissenschaftler Dmytro R. Oliinychenko schnappt sich sogar das Akkordeon der „Samerberger Tanzlmusi“ und begleitet gekonnt die beiden Trompeten und die riesige Tuba. „Das ist eine sehr schöne, aber einfache Musik, in die man leicht rein kommt“, erklärt der Wissenschaftler aus der Ukraine. Er trägt zwar weder Lederhose noch sonstige Tracht, dafür ist sein Beitrag zum bayerischen Abend nicht weniger Aufsehend erregend.

Derweil hat Bettina Gräfin Bernadotte zum offiziellen Fotoshooting aufgerufen. Um die Gräfin in ihrer schwedischen Landestracht drängen sich die unterschiedlichen Nationalitäten wie eine Nachwuchswissenschaftlerin aus Myanmar oder jene aus Pakistan, Afrika, China oder aus arabischen Ländern. Als Fotomotiv besonders begehrt ist jeder, der Dirndl oder Lederhosen trägt.

Mittendrin tummelt sich auch Robert Cameron. Sein rot-schwarz-karierter Schottenrock zeigt gleich, aus welchem Land er kommt. „Damit komme ich leichter ins Gespräch“, verrät er und zieht aus seinem schottischen Ledertäschchen die Visitenkarten der Nobelpreisträger William Daniel Philipps und Steven Chu.

Sein nächster Kandidat ist Dan Shechtman. Doch der israelische Nobelpreisträger ist vorerst noch damit beschäftigt mit seinem Handy ein Video von den Alphörnern zu machen. In Lederhosen und kariertem Hemd, versteht sich. Auf die Frage, woher er dieses echt bayerische Outfit habe, verrät er schmunzelnd: „Beziehungen“. Und als er gefragt wird, wie er sich denn darin fühle, sagt er: „Nackt“.

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