„Wir sind einfach immer weiter marschiert“

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Bürgermeister Karl Schober gratuliert Willibald und Lisbeth Schneider zur diamantenen Hochzeit.
Bürgermeister Karl Schober gratuliert Willibald und Lisbeth Schneider zur diamantenen Hochzeit. (Foto: isabel kubeth de placido)
Isabel Kubeth de Placido

60 Jahre lang sind Willibald und Lisbeth Schneider schon verheiratet. In ihrer Ehe haben die beiden waschechten und leidenschaftlichen Lindauer zwar einige Höhen, aber auch so manche Tiefen erlebt. Und trotzdem sind sie einfach immer weiter marschiert. Ganz wichtig war und ist ihnen dabei bis heute die Familie – und natürlich die Freunde. Kein Wunder also, dass es bei den Jubilaren an ihrem diamantenen Hochzeitstag nicht nur feierlich, sondern auch ganz schön gesellig zugeht.

„Wir haben schon gedacht, es kommt keiner mehr“, begrüßt Willibald Schneider lachend die LZ-Mitarbeiterin und bittet sie in die gemütliche Wohnküche. Dort geht es bei Kaffee und Kuchen schon recht lustig zu. Um den großen Tisch herum sitzen der Sohn von Willibald und Lisbeth Schneider, Michael, mit seiner Frau Birgit und den beiden erwachsenen Kinder Mirko und Sabrina, dessen Schwiegermutter Ruth und Lisbeths Schwester Lolo mit ihrem Mann Heinz. Schnell sind die Tasse mit Kaffee und der Teller mit Kuchen gefüllt. „Den müssen Sie unbedingt probieren, das ist eine Spezialität von meiner Schwester“, sagt Lisbeth Schneider und soll damit völlig recht behalten. Und als dann Bürgermeister Karl Schober extra von der Ski-Piste im Bregenzerwald in die Krummgasse zum Gratulieren kommt, gibt es ein großes Hallo. „Ich hab’ seit Jahren niemandem mehr am Nachmittag gratuliert“, sagt er. Aber Beziehungen muss man eben haben. Und gute haben die Schneiders zuhauf.

Sie war 16 und er 21

Und außerdem, so erklärt Lisbeths Schwester Lolo, wäre es gar nicht anders gegangen. Denn als Überraschung für die Jubilare gab es am Vormittag ein kleines, privates Konzert in der Peterskirche. Dort, wo Willibald Schneider seit Jahren der Hüter des Schlüssels ist, sang das Ensemble des Eintracht Liederhorts zu Ehren der Eheleute. Schließlich sind 60 Jahre Ehe schon etwas Besonderes. „Wir haben uns am Kinderfest kennengelernt. Wir haben uns gesehen und waren plüm, plüm, plüm, weg“, erinnert sich Lisbeth und erzählt, dass ihr Willibald damals 21 Jahre alt gewesen sei, und sie 16 Jahre alt. Doch trotz der Liebe auf den ersten Blick musste Willibald um seine Lisbeth kämpfen. Denn als Friseurin mit einem guten Abschluss stand ihr eigentlich eine wunderbare Karriere mit vielen Reisen bevor, aber als verheiratete Frau und Mutter war dies zur damaligen Zeit undenkbar. Willibald hatte Glück und auch sonst sollten die beiden Glück haben. Denn eigentlich hätte Willibald eine Arbeitsstelle in München gehabt und war dort bereits auf Wohnungssuche gegangen, als im Elternhaus von Lisbeth eine kleine Wohnung für das frischgebackene Ehepaar frei wurde.

„Wir sind nicht weit gekommen“, sagt Lisbeth und meint das natürlich nur geografisch: „Mein Mann ist vom oberen Schrannenplatz in die Krummgasse gekommen und ich bin gleich geblieben.“

Angefangen haben die beiden mit nichts. Der Sohn kam auf die Welt, später die Tochter. Damals war Willibald in der Spielvereinigung Lindau engagiert, und die Eheleute pflegten ein Haus der offenen Tür. „Wir waren Café Schneider. Es waren immer viele Leute da.“ Danach kam die Lindauer Narrenzunft, wo die beiden über 50 Jahre lang aktiv waren. Während Willibald 30 Jahre lang Geschäftsführer des Kinderfestausschuss Altstadt war, engagierte sich Lisbeth in der CSU, 22 Jahre lang bei Hilfe für Frauen in Not und seit zwölf Jahren im Förderverein Alter Friedhof. Von 1990 bis 2002 war sie im Stadtrat. „Wir lieben Lindau“, fasst Lisbeth ihrer beider Engagement für das Gemeinwohl zusammen und betont, dass sie mit Lindau nicht nur „das Städtle“, sondern „auch das ganze Außenrum“ meint. „Wir haben den größten Respekt davor, was sich in Lindau tut. Wir sind mit allem d´accord“, betont sie, verhehlt jedoch nicht: „Wo wir ein bißle Angst haben, ist, ob Lindau das alles verkraftet. Ob die Jungen die ganzen Schulden abtragen können.“ Denn, und auch das betont sie, „die Jugend liegt uns sehr am Herzen.“ Wie auch die Insel. Und so kommen zwei Themen zusammen, zu denen die ganze Runde etwas zu sagen hat. Dass die Insel für die Jungen unattraktiv wird, schon allein, weil es schwierig mit den Parkplätzen ist. „Auch mit den neuen Anwohnerparkplätzen?“, will Karl Schober wissen. Dass es zu wenige bezahlbare Wohnungen gibt, worauf der Bürgermeister von der Stadtentwicklung der Hinteren Insel und vom Sobon-Modell in Reutin erzählt. Und trotz Diskussionen wird immer viel gelacht. „Das wichtigste in einer Familie bei allen Differenzen und Meinungsverschiedenheiten ist, dass man sich am Ende wieder gut versteht“, sagt Lisbeth und bringt damit genau das auf dem Punkt, warum die Ehe mit ihrem Willibald 60 Jahre gehalten hat. „Und dass man zur rechten Zeit immer nachgibt und sich irgendwann einigt“, ergänzt sie. „Man muss kompromissbereit sein, weiß Willibald. „Wir hatten viele Höhen und Tiefen, aber wir sind einfach immer weiter marschiert“, sagt Lisbeth und Willibald fasst zusammen: „Zufriedenheit ist auch wichtig. Wir haben festgestellt, dass wir mit allem zufrieden sind.“

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