„Wir haben uns immer wieder zusammengerauft“

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„Wir haben uns immer wieder zusammengerauft“
„Wir haben uns immer wieder zusammengerauft“ (Foto: isa)
Isabel de Placido

Manchmal, während jener 60 Jahre, in denen Doris und Eugen Maier schon verheiratet sind, war es auch unharmonisch. Doch immer wieder hat es das Ehepaar geschafft zueinander zu finden. Als Lohn für das Nichtaufgeben haben die beiden jetzt ihre diamantene Hochzeit gefeiert.

„Wie in jeder Ehe gab es auch bei uns Höhen und Tiefen. Und manchmal war es Spitz auf Knopf“, gibt Eugen Maier offen zu und erzählt: „Aber wir haben uns immer wieder zusammengerauft und es ist immer wieder gegangen.“ Und das immerhin schon 60 Jahre lang. Der agile 81-Jährige hat sich an diesem Jubiläumstag in Schale geworfen und empfängt Oberbürgermeister Gerhard Ecker in Anzug und Krawatte. Auch seine Frau Doris und seine Tochter Birgit Meßmer sind schick angezogen. Zum Anstoßen gibt es ein Gläschen Sekt und leckere Häppchen. Und die Geschichte ihres langen gemeinsamen Lebens erzählt der redegewandte Lindauer gerne.

Kennengelernt haben sich Doris und Eugen Maier im Sommer 1959 beim Tanz. Doris war aus ihrer Heimatstadt Osnabrück an den schönen Bodensee gereist, um in Lindau zwei Wochen Urlaub zu machen. Damals war es noch so, dass verschiedene Reisegesellschaften jeden Abend im Terrassensaal im Bahnhofsgebäude zur Unterhaltung der Gäste Tanzabende veranstalteten. Ab 22 Uhr durften auch die Einheimischen hinzustoßen. Diese Gelegenheit nahm auch Eugen Maier wahr. Aber erst einmal eher widerwillig. Denn es war ein Montagabend, an dem ihn sein Freund Hans zu Hause in der Kemptenerstraße aufgesucht und zu dem Tanzvergnügen überredet hatte und Eugen war damals noch Maurerlehrling und musste am nächsten Morgen wieder früh raus. Trotzdem machte er das Beste daraus und tanzte den ganzen Abend lang. Allerdings nicht mit Doris. Mit der tanzte immer wieder sein Freund Hans. Zum Zuge kam Eugen erst, als es ans Nachhausegehen ging. Der Abend war spät, die Nacht war dunkel. Gut, dass Eugen damals eine Vespa besaß. Ganz Gentleman brachte er damit zuerst seine Tanzpartnerin nach Hause und dann Doris. Sie fuhr er in ihr Fremdenzimmer in der Friedrichshafenerstraße. „Beim Verabschieden sind wir uns an der Haustüre näher gekommen und ich dachte mir: Das ist ein nettes Mädchen, die möchte ich näher kennenlernen“, erinnert er sich. Mit dem Näherkennenlernen sollte es aber erst einmal nichts werden. Eine harte Arbeitswoche und ein schon lange geplantes Wanderwochenende verhinderten vorerst ein Wiedersehen. „Ich habe ihr sogar eine Karte aus den Bergen geschrieben. Weil ich ihren Nachnamen nicht wusste und auch die Hausnummer nicht, habe ich sie einfach an „Doris aus Niedersachsen“ adressiert“, lacht Eugen Maier. Als sich die beiden dann endlich wieder trafen verbrachten sie die restliche Zeit bis zu Dori’ Abreise miteinander und Eugen zeigte ihr die schöne Lindauer Umgebung. Auf seiner Vespa fuhren die beiden sogar bis in die Rappenlochschlucht. Und als Eugen dann einige Zeit später von seiner Doris die Nachricht bekam, dass sich ihre Tochter ankündigte, stand Eugen zu seiner Verantwortung. „Aber wir mussten warten, bis sie 21 geworden ist. Das Aufgebot musste noch die Mutter unterschreiben. Als wir geheiratet haben, war sie dann neun Tage 21.“ Nach der Hochzeit reiste Doris allerdings wieder zurück nach Osnabrück, zu ihren Eltern. Denn in Lindau hatte das junge Ehepaar keine Wohnung gefunden. Daran änderte sich auch in den nächsten Monaten nichts, sodass Eugen beschloss, nach Osnabrück zu seiner Doris zu ziehen. Eigentlich sollte dies nur vorübergehend sein. Doch dann bekamen die beiden zur Tochter noch einen Sohn hinzu und aus dem „Vorrübergehend“ wurden 50 Jahre. Erst 2010, und nachdem die beiden heute 81-Jährigen längst in Rente gegangen waren, hatten sie die Gelegenheit sich im Allgäu-Stift eine Wohnung im betreuten Wohnen zu kaufen. Was eine vorausschauende Entscheidung war, wie sich im vergangenen Jahr zeigte. Da hatte Doris nämlich zwei Schlaganfälle und erfuhr aber so viel Hilfe, dass sie heute besser beisammen ist, wie zuvor. „Seitdem läuft es hier gut. Wir haben immer noch Höhen und Tiefen, aber wir haben uns jetzt zusammen gerauft.“

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