Wir brauchen die Bahnhofsmission

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Yvonne Roither
Yvonne Roither (Foto: Christian Flemming)

Die Mitarbeiter der Bahnhofsmission fragen sich nicht, ob sie zuständig sind. Sie helfen allen Menschen, die Unterstützung nötig haben. Ob sie nun am Fahrkartenschalter nicht mehr durchblicken, ihren Koffer nicht tragen können, Hunger haben oder aber nur verzweifelt sind, weil sie ihren Fotoapparat im Zug liegen gelassen haben. Sie alle finden am Gleis 1 Hilfe.

So klein die auch ist: Mit einem Kaffee, Schmalzbrot und offenen Ohren tragen sie dazu bei, dass das Leben in und am Bahnhof Lindau menschlicher wird. Doch leider kriegt das kaum jemand mit – bis auf die Menschen, die diese Hilfe dringend brauchen.

Deshalb wird es keinen großen Aufschrei geben, wenn im Herbst die Lindauer Bahnhofsmission schließt. Das heißt aber nicht, dass deren Arbeit nicht dringend gebraucht wird. Mit ihr geht ein Stück Menschlichkeit in Lindau verloren.

Die Frage ist, wie viel das einer Gesellschaft wert ist. Es geht hier nur um eine hauptamtliche Stelle, die finanziert werden muss. Der Rest der Arbeit wird in der Bahnhofsmission ohnehin ehrenamtlich geleistet. Der schwarze Peter liegt hier nicht bei der Diakonie Lindau. Schließlich hat sie jahrelang allein die Aufgabe gestemmt, nachdem die Caritas ausgestiegen ist.

Betrachtet man die Zuschüsse und Spenden, die die Diakonie von nichtkirchlicher Seite bekommt, so ist da noch viel Luft nach oben. Höchste Zeit zu überdenken, ob Stadt, Landkreis oder sonstige Gönner nicht noch mehr zu dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe beitragen können. Vielleicht wäre die Bahnhofsmission dann doch noch zu retten.

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