Winterbedingt steigt die Arbeitslosenquote im Kreis Lindau

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Die Arbeitslosenquote im Kreis Lindau ist im Januar auf 3,3 Prozent gestiegen.
Die Arbeitslosenquote im Kreis Lindau ist im Januar auf 3,3 Prozent gestiegen. (Foto: Archiv)
Evi Eck-Gedler

Die Euphorie des Jahreswechsels ist etwas verflogen. Denn während des Januars ist die Arbeitslosenquote im Landkreis Lindau von 2,9 auf 3,3 Prozent gestiegen. 1425 Menschen sind zum Monatsende ohne feste Stelle. Doch Monika Felder-Bauer, die stellvertretende Leiterin der Lindauer Arbeitsagentur, kann den Zahlen der aktuellen Monatsbilanz dennoch Positives abgewinnen: „Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist besser als vor einem Jahr.“

Vor zwölf Monaten war die Quote bei knapp 30 Erwerbslosen mehr um einen Zehntelprozentpunkt schlechter ausgefallen. Die verhältnismäßig guten Zahlen zum Jahresbeginn dürften dem insgesamt sanften Winter geschuldet sein: Bauhaupt- und -nebengewerbe hatten im Dezember noch viel Arbeit erledigen können, bevor Kälte und Schnee kamen. Ähnlich sah es in Gartenbau und Landschaftspflege aus.

Mit dem Wintereinbruch auch am See kamen dann jedoch erste Kündigungen in diesen Bereichen. „Zudem haben noch einige Hotels und Gaststätten nach den Weihnachtsfeiertagen Personal entlassen“, fügt Felder-Bauer erklärend hinzu. Die Arbeitsmarktfachfrau ist jedoch überzeugt: Diese 3,3 Prozent sollten dann einer der höchsten Werte des Jahres sein. „Denn erfahrungsgemäß sinkt die Arbeitslosenzahl ab Februar.“ Wobei es natürlich eine Rolle spiele, ob der Winter mit Schnee und Kälte noch einmal zurückkomme in den Kreis Lindau, oder sich die derzeit milden Temperaturen bis auf Weiteres halten. Immerhin ist die Zahl der gemeldeten freien Stellen Ende Januar auf 881 angestiegen, auch wenn manche davon über von den Firmen beauftragten Personaldienstleistern doppelt in den Listen stehen.

Prozentual erneut leicht gestiegen ist der Anteil der älteren Kräfte: Jeder vierte der 1425 Arbeitslosen ist älter als 55 Jahre. Nur 136 sind jünger als 25 Jahre. Der Anteil der Schwerbehinderten beträgt seit drei Monaten immer um die 85 Menschen.

Langsam steigt die Zahl der Arbeit suchenden Flüchtlinge

Was auf die Arbeitslosenzahlen insgesamt, also einschließlich jener Landkreisbewohner, die Grundsicherung für Erwerbsfähige vom Jobcenter beziehen, inzwischen auswirke, sind nach Aussage von Monika Felder-Bauer die Flüchtlinge, die „so langsam auf den Arbeitsmarkt zustreben“. Wer seinen Asylantrag gestellt und sich alltagstaugliche Deutschkenntnisse angeeignet hat, kann eine Arbeitserlaubnis beantragen. Zwar muss die zunächst von der Ausländerbehörde und der Arbeitsagentur geprüft werden. Aber insbesondere für Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Eritrea, Iran und Irak mit sogenannten „gute Bleibeaussichten“ müssen sich die Arbeitsvermittler dann auf Stellensuche begeben.

„Die Sprache ist dabei das A und O“, sagt die stellvertretende Agenturleiterin: Wer nicht genug Deutsch könne, um beispielsweise Sicherheitsvorschriften zu verstehen, der habe kaum Chancen auf Arbeit.

So ist Deutsch auch ein Schwerpunkt des neuen Agenturangebots „Perspektiven für Flüchtlinge“, das im Frühjahr auch im Kreis Lindau starten soll: Nach Felder-Bauers Aussage ist je ein Kurs mit 30 Teilnehmern in Lindau und Lindenberg geplant. Welcher Bildungsträger dabei wo zum Zug kommt, entscheide Nürnberg. „Es geht in diesem Kurs aber auch darum, soziale und berufliche Kompetenzen zu fördern“, schildert die Arbeitsmarktfachfrau. So sollen die Flüchtlinge ein gezieltes Bewerbungstraining erhalten und Betriebspraktika absolvieren.

Gerade in letztere setzt Monika Felder-Bauer große Hoffnungen: „Im Berufsleben werden doch viele Stellen über persönliche Kontakte besetzt.“

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