Will denn keiner mehr Koch werden? Wieso viele ein falsches Bild vom Berufsfeld haben

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Ein Mann in Kochuniform in einer Küche
Seit April arbeitet Marco Mautz als Koch im Gasthaus Ziegler in Oberreitnau und liebt seinen Beruf. (Foto: Denise Tatavitto)
Denise Tatavitto

Arbeiten wenn alle anderen frei haben, viele Überstunden und wenig Lohn: Die Ausbildung zum Koch ist bei den meisten Jugendlichen eher unbeliebt. Der Koch Marco Mautz weiß das alles, aber liebt seinen Beruf trotzdem, da er auch viele Vorteile bietet.

Allein im Landkreis Lindau sind in der Lehrstellenbörse der IHK Schwaben zwölf offene Ausbildungsstellen im Bereich Hotelerie und Gastronomie gemeldet. „Die Dunkelziffer dürfte bei ungefähr zwanzig liegen“, betont Oliver Hackelmann, Leiter des Geschäftsbereichs berufliche Bildung bei der IHK Schwaben.

Auch wenn sich mehr Menschen als in den Vorjahren für einen Beruf in der Branche entscheiden, sind es immer noch zu wenig. Ein Grund für den Mangel an angehenden Fachkräften ist der schlechte Ruf des Berufs. Nun möchte Marco Mautz, seit 22 Jahren Koch, auf die Folgen des Fachkräftemangels aufmerksam machen und erzählt, warum der Beruf seine Leidenschaft ist.

Stirbt der Beruf aus?

Seit April 2019 arbeitet der Stuttgarter Marco Mautz im Gasthof Ziegler in Oberreitnau. Er hat seiner Heimatstadt den Rücken gekehrt, da in Lindau dringend Köche gebraucht werden und weil die Wohnungen hier preiswerter als in Stuttgart sind. Sein Chef habe schon betont, dass wenn Mautz gehe, er die Türen des Gasthofs schließen könne.

Viele haben ein falsches Bild vom Beruf.

Dass Migranten allein die Lücken in der Arbeitswelt nicht stemmen könnten, möchte der Koch loswerden, denn die Lage sei Ernst: Restaurants müssten in Zukunft schließen, wenn es nicht bald mehr Köche gäbe. Mautz ist traurig darüber, dass der Beruf, der ihm so viel Freude bringt, bald aussterbe.

Während sich Ausbildungsbetriebe früher kaum vor Bewerbern retten konnten, sind sie heute schon froh, wenn sie nicht leer ausgehen. Mautz Apell an gegenwärtige Lehrlinge ist, es einfach durchzuziehen, auch wenn es hart ist, denn am Ende lohnt es sich.

Mautz selbst hat auch schon andere Sachen versucht, doch er kam immer wieder zum Kochen zurück, da das einfach seine Leidenschaft ist, egal wie viel Stress es mit sich bringt.

Falsches Bild vom Job

„Viele haben ein falsches Bild vom Beruf“, sagt Mautz, was auch Hackelmann von der IHK Schwaben in einem Gespräch mit der LZ bestätigt. Natürlich gäbe es Nachteile, denn man arbeitet an manchen Tagen 14 Stunden lang, die Beziehung bleibt auf der Strecke und an Wochenenden hat man sowieso nie frei.

Doch dass man sich in diesem Beruf enorm weiterentwickeln kann, sehe kaum einer. Aufgrund des Fachkräftemangels ist der Beruf des Kochs ein Beruf mit sehr guten Zukunftsaussichten. „Man ist in jedem Land gerne gesehen, man hat die Möglichkeit auf Kreuzfahrtschiffen zu arbeiten oder sich sogar selbstständig zu machen“, erklärt Hackelmann.

Außerdem sei der Beruf sehr vielfältig und verlangt ein hohes Maß an Kreativität. Auch Teamarbeit wird in der Küche großgeschrieben. Da man mit Kopf und Händen arbeitet, sieht man am Ende des Tages auch, was man geschafft hat und das Gehalt ist in Wirklichkeit gar nicht so schlecht, wie viele vermuten. All das, und die Leidenschaft zum Kochen, sind für Mautz Gründe seine Arbeit zu lieben und er hätte gerne, dass die Jugend sich wieder aufrafft, und einen handwerklichen Beruf ergreift.

Denn laut IHK bevorzugen die meisten jungen Menschen heutzutage einen Bürojob vor dem Bildschirm mit geregelten Arbeitszeiten. „Vielleicht ist die Jugend einfach zu verwöhnt?“, rätselt Mautz.

Hackelmann von der IHK Schwaben ist jedoch zuversichtlich, dass sich immer mehr Leute für den Beruf entscheiden. „Kochen ist im Trend und ein Beruf, dessen Image sich in letzter Zeit gewandelt hat“, sagt er. Dazu tragen auch Kochshows im Fernsehen und Starköche wie Gordon Ramsay und Jamie Oliver bei.

Auch Mautz begeisterte sich in jungen Jahren für Kochsendungen, und stand an Wochenenden mit seinem Vater am Herd. Einen Anlass zur Freude geben auch die aktuellen Zahlen: In diesem Jahr besetzen Lehrlinge in ganz Schwaben 456 Stellen in Gastronomie und Hotelerie, im vergangenem Jahr waren es noch 407. Um den Beruf für Lehrlinge attraktiver zu machen, würden Hotels, laut Hackelmann, auch viel für ihre Angestellten tun, um die Arbeitszeit auszugleichen.

„Eigentlich muss man nicht viel mitbringen, um Koch zu werden“, sagt Mautz. Wenn man stressresistent, kreativ, körperlich belastbar und ein Teamplayer ist, hat man gute Chancen in diesem Beruf seine Leidenschaft zu entdecken und dann auch etwas zu erreichen.

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