Wieso Fabian Hambüchen in Dornbirn ganz viel Zeit hat

Lesedauer: 7 Min
Beliebtes Fotomotiv: Fabian Hambüchen inmitten von Fans am Rande der Weltgymnaestrada.
Beliebtes Fotomotiv: Fabian Hambüchen inmitten von Fans am Rande der Weltgymnaestrada. (Foto: jochen dedeleit)
Jochen Dedeleit

Fabian Hambüchen ist ein ganz Großer seines Sports. Er ist Olympiasieger, war Welt- und Europameister im Kunstturnen. Bei der 16. Weltgymnaestrada, nach 2007 der zweiten in Dornbirn, rührt der Reck-Olympiasieger die Werbetrommel für die kommende WM in Stuttgart. Bei einer Autogrammstunde auf dem Dornbirner Messegelände wurde – leider – alles getan, um einen riesigen Ansturm zu verhindern. „Wir haben gerade erst erfahren, dass du hier bist“, kreischen ein paar junge Turnerinnen, als sie endlich den Eingang der Halle 10 gefunden haben. „Den Tisch habt ihr auf meine Körpergröße abgestimmt, oder?“, nimmt es Fabian Hambüchen mit Humor, als er im Karton nach seinen Autogrammkarten kramt. Dieser steht so weit oben, dass er nicht mal einen Blick hineinwerfen kann. Wie in einem Vergnügungspark wurden die Fans an einen fix installierten Fotoapparat gelotst, der Eingang, wenn rund 20 im Foyer standen, sofort wieder geschlossen. Jochen Dedeleit hat mitten im Chaos mit Hambüchen gesprochen.

Herr Hambüchen, Sie sind der Botschafter der Kunstturn-WM in Stuttgart, die vom 4. bis 13. Oktober in der Landeshauptstadt ausgetragen wird. Was versprechen Sie sich von dem Auftritt hier beim größten Breitensportfestival der Welt?

Das ist perfekt hier. Ich bin dazu da, dass im Herbst in Stuttgart noch mehr los ist. Spitzensportler sitzen nicht drei, vier Stunden in der Halle, die schauen das, was sie sehen wollen, im Fernsehen oder Internet an. 2007 in der Schleyerhalle (dort wurde Hambüchen Reck-Weltmeister; Anm. d. Red.), da war die Stimmung unglaublich. Ich wünsche den Jungs und Mädels dort, dass sie dies auch erleben werden. Auch wenn ich nicht mehr aktiv dabei bin.

Wie viel können Sie aktuell tun, um das Kunstturnen noch populärer zu machen, als Sie es in Ihrer aktiven Zeit eh schon gemacht haben?

Jetzt habe ich die Zeit dazu. Ich war und bin bei so vielen Shows dabei, da bin ich medial nochmal anders unterwegs.

Ist der Olympiasieg 2016 in Rio sozusagen der Türöffner dazu?

Das würde ich so nicht sagen, das war die Vollendung. Das war schon immer ein Kindheitstraum von mir, und jetzt bin ich rundum glücklich. Der Türöffner ist meine ganze Karriere, nicht nur der Olympiasieg. Ich habe schon 2008 in Peking Olympia-Bronze gewonnen, das zeigt wohl, wie lange ich auf einem dementsprechenden Niveau geturnt habe. Und in dieser Zeit habe ich das ganze Netzwerk aufgebaut, mit der Hilfe eines guten Managements. Ein Schwabe übrigens (lacht).

Es kommen immer wieder Fans, die den Eingang finden – wenn die Tür kurz offen steht. Der Ansturm hält sich aber in Grenzen, so dass der 31-Jährige auf jeden Wunsch eingeht. „Noch ein Selfie? Geht das so? Ja wie, nicht ganz zufrieden? Dann machen wir noch mal eines.“

Die Kehrseite, wenn jemand derart oft in den Schlagzeilen steht, ist, dass auch weniger angenehme Dinge breitgetreten werden. Wie jetzt die Trennung von ihrer Freundin...

Ich bin nun einmal eine Person des öffentlichen Lebens. Die Frage ist: lässt man das Private außen vor oder nicht? Ich habe mich so entschieden und jetzt ist es nun einmal so. Das lief auch während meiner aktiven Zeit immer parallel ab. Ich kann nicht zu zweit über den roten Teppich laufen und dann sagen, das geht euch nichts an.

Sie sind bei den Fans immer noch sehr gefragt, bleiben Sie auch bei einem größeren Ansturm wie hier so locker?

Ich versuche es. Eine Ausnahmesituation gab es 2017 beim Turnfest in Berlin, das mit 80000 Teilnehmern das größte der Welt ist. Dort habe ich im Stadion, das mit 55000 Leuten besetzt war, vollmundig eine Autogrammstunde angekündigt. Die Folge war, dass ich über drei Stunden geschrieben habe. Der Veranstalter wollte schon abbrechen, aber ich habe gesagt, ich habe es schließlich versprochen. Allerdings musste ich für Durchsagen selbst das Megafon in die Hand nehmen, sonst wäre die Sicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen.

In Dornbirn ist alles anders. Eine Turnergruppe aus der Schweiz kommt und will mit ihrem Idol den gemeinsamen Handstand proben. Für Fabian Hambüchen kein Problem. Auch hier geht er freilich als Sieger hervor.

Was steht nach der WM in Stuttgart an?

Sicher ist nur, dass ich für Eurosport als Experte bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio sein werde. Ich habe ja in Wetzlar ein Haus gebaut, da habe ich noch genug zu tun. Dann geht mein Vater nächstes Jahr in Rente, darum kann es sein, dass ich ins Trainergeschäft einsteige. Wir werden sehen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen