Wie kleine Düsenjets auf Nahrungssuche

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Klein und schnell: Bei der Exkursion erleben die Teilnehmer die kleinen Tierchen hautnah.
Klein und schnell: Bei der Exkursion erleben die Teilnehmer die kleinen Tierchen hautnah. (Foto: Ruth Eberhardt)
Ruth Eberhardt

Wer Fledermäuse melden oder sich beraten lassen möchte, kann Rudolf Zahner per E-Mail, fledermaus-lindau@gmx.de, erreichen. Die nächste Möglichkeit zu einer Fledermausführung unter seiner Leitung gibt es am Montag, 13. August, 20 Uhr, am Waldsee in Lindenberg.

Wenn das Licht der Dämmerung spärlicher wird, erwachen die „lautlosen Jäger der Nacht“. Pfeilschnell jagen Fledermäuse zwischen Baumwipfeln, Gebäuden oder über dem Wasser des Bodensees – immer auf der Suche nach Insekten, die sie mit Ultraschall orten und im Flug vertilgen. Und manchmal kommt es vor, dass eine Gruppe von Menschen staunend nach oben guckt und hofft, einen Blick auf die nachtaktiven Tierchen zu erhaschen. So hat jetzt der Bund Naturschutz wieder zu einer Fledermausführung mit dem Biologen Rudolf Zahner im Aeschacher Lotzbeckpark eingeladen.

Die Kinder, die an dieser Exkursion teilnehmen, können den Erwachsenen schon viel über die kleinen Tiere erzählen. So berichten Christian (acht Jahre), Richard (zehn Jahre) und Ryan (zehn Jahre), dass es sich um fliegende Säugetiere handelt, die wie „kleine Düsenjets“ durch die Luft sausen und mit einem speziellen Schall herausfinden, wo sich ein Hindernis befindet. Rudolf Zahner, der sich als Fledermausbeauftragter des Landkreises Lindau um den Schutz dieser Tiere kümmert, freut sich über dieses Basiswissen. Er reichert es im Laufe des Abends mit vielen Informationen an. Demnach sind im Landkreis Lindau zehn Fledermausarten bekannt, aber wahrscheinlich leben hier noch mehr Arten. Weltweit gibt es über 1000 Fledermausarten, davon 25 in Deutschland. Manche Arten leben in Höhlen oder auf ungestörten Dachböden, manche in Ritzen von Gebäuden, andere in Baumhöhlen. „Wir wissen von manchen Quartieren, dass sie seit über 500 Jahren von Fledermäusen bewohnt werden“, erzählt Zahner. Fledermäuse können ziemlich alt werden – der Rekord liegt bei 43 Jahren. Ihr Herz schlägt im Sommer etwa 500 Mal pro Minute, im Winter pocht es nur ein bis zwei Mal pro Minute.

„Diese Tiere sind so faszinierend und so einzigartig“, sagt Doris Hotz aus Wasserburg voller Begeisterung. Sie kümmert sich um verletzte Fledermäuse und hat einen ihrer Schützlinge mitgebracht. Es ist ein besonderes Erlebnis, eine lebende Fledermaus aus unmittelbarer Nähe betrachten zu können – auch wenn sie eine leidvolle Geschichte hat: Diese Zweifarbfledermaus hatte sich in einer Taubenabwehr verfangen. Mit geübtem Griff hält Rudolf Zahner das nur 13 Gramm schwere – und damit etwas untergewichtige – Tierchen in seinen Händen und zeigt die Spannweite der Flughaut. Das steigert die Bewunderung, die diesen kleinen Geschöpfen zuteil wird, noch mehr.

Fledermäuse geben auch viele Rätsel auf. Zum Beispiel dieses: „Wir wissen von 90 Prozent des Bestandes nicht, wo sie sich im Winter aufhalten“, berichtet Zahner. Fachleute wie er würden gerne noch viel mehr über ihre Lebensweise herausfinden. Das Problem: „Die Tiere sind nicht so einfach zu beobachten“, sagt er. Fest steht für ihn freilich, dass es sich um echte Nützlinge handelt: Die meisten Arten fressen Insekten. Ein einziges Tier vertilgt bis zu 3000 Mücken in einer Nacht. Es gibt aber auch nektarleckende und früchtefressende Vegetarier vor allen in tropischen Regionen sowie drei blutsaugende Arten in Südamerika.

Der Fledermausdetektor identifiziert sie alle

An diesem Abend können die Teilnehmer der Exkursion am Ufer des Bodensees vier Arten bei ihrer nächtlichen Nahrungssuche erleben: den Großen Abendsegler, die Mücken-, Zwerg- und Wasserfledermaus. Wie sie identifiziert werden? Mit einem Fledermausdetektor. Das kleine Gerät übersetzt den Ultraschall, den die Fledermäuse aussenden, in lautes Knattern. An dessen Rhythmus kann der Experte erkennen, welche Art da gerade vorbeihuscht.

Mit der verborgenen Lebensweise geht aber auch eine Gefährdung einher. Von manchen einst weit verbreiteten Arten gebe es nur noch Restbestände. Dabei können jeder etwas zum Schutz der Tiere beitragen. Wichtig seien naturnahe Gärten und Wiesen mit blühenden Pflanzen: Sie sorgen dafür, dass es Insekten gibt – und damit Nahrung für Fledermäuse. Sinnvoll seien auch Fledermauskästen, wobei es keine Garantie gebe, dass sie angenommen werden. Tote Tiere sollten nicht angefasst, aber gemeldet werden. „Denn über diesen Weg können wir auch herausfinden, welche Arten wir haben“, erklärt Zahner. Wer ein verletztes Tier findet, sollte es ebenfalls melden und sich den genauen Fundort merken, um das Rückführen in die Natur nach der Heilung zu erleichtern.

Wer Fledermäuse melden oder sich beraten lassen möchte, kann Rudolf Zahner per E-Mail, fledermaus-lindau@gmx.de, erreichen. Die nächste Möglichkeit zu einer Fledermausführung unter seiner Leitung gibt es am Montag, 13. August, 20 Uhr, am Waldsee in Lindenberg.

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