Wie der Fußabdruck nachhaltiger wird

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Erich Jörg, Karin Ulich und Jürgen Rockstroh (von links) haben die Veranstaltung im Lindaupark möglich gemacht. (Foto: Rosalie Dirmeier)
Schwäbische Zeitung
Rosalie Dirmeier

Im Foyer des Lindauparks hängen viele Plakate. Man kann sich eine Ausstellung anschauen. Auch ein Stationslauf ist vorbereitet. Es ist die eindrucksvolle Ausstellung von „Brot für die Welt“ zum Thema „Ökologischer Fußabdruck“. Erich Jörg, Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, und Karin Ulich, Vorsitzende von Tier & Mensch, haben sie für vier Wochen nach Lindau geholt.

„Wenn jeder so lebt wie wir, dann bräuchten wir 2,5 Erden“, sagt Ulich. Beim ökologischen Fußabdruck geht es um die Fläche, die jeder Mensch für seinen Lebensstil braucht. Man geht bei der Berechnung von vier großen Bereichen aus: Ernährung, Wohnen, Mobilität und Konsum. Die Summe unseres Flächenverbrauchs darf die verfügbare Fläche der Erde nicht überschreiten. Bei der jetzigen Weltbevölkerung kann jeder Mensch im Durchschnitt eine Fläche von rund 1,8 globale Hektar (gha) erreichen. Doch derzeit liegt der durchschnittliche Verbrauch bei 2,7 gha. In Deutschland sogar 5,1 gha. Mit anderen Worten: Wir leben über unsere natürlichen Verhältnisse.

Brot für die Welt verschickt die Ausstellung in ganz Deutschland, doch bis jetzt gab es nur ganz wenige Menschen mit einem nachhaltigen Fußabdruck. „Sobald ein Mensch genügend Geld hat, lebt er einen üppigen Lebensstil. Das ist eigentlich gar nicht zu vermeiden. Von dem her fällt mir auch kein Land ein, das uns Vorbild sein könnte“, sagt Karin Ulich.

Bei den Stationen kann sich jeder Besucher selbst ausrechnen, wie viel gha er pro Jahr braucht. In der ersten Station geht es um die Ernährung. Sie macht 35 Prozent unseres globalen Hektars aus und ist somit der größte Teil. „In diesem Punkt kann man auch am meisten einsparen. Zum Beispiel, indem man mehr Biolebensmittel kauft, weniger Fleisch, Wurst, Fisch und Milchprodukte isst, weniger Lebensmittel wegwirft und mehr saisonale Nahrungsmittel kauft“, sagt Ulich. Die zweite Station beschäftigt sich mit der Mobilität, die rund 22 Prozent des Ergebnisses ausmacht.

"Bei der dritten Station geht es um Konsum und die Themen Müll, Kleidung, technische Geräte und Papierverbrauch. Die letzte Station ist das Wohnen. Man wird gefragt, auf welcher Fläche man wohnt und wie stark man heizt. Das macht ein Viertel des Ergebnisses aus. Für die beiden letzten Stationen gilt, dass man Dinge möglichst lang behält und mehr auf Qualität, als auf Quantität achtet. Außerdem sollte man auf eine gute Wärmedämmung achten, zu einem Öko-Stromversorger wechseln und statt auf Stand-by zu schalten, Geräte ganz ausmachen.

Ingeborg Kunstmann hilft bei der Veranstaltung mit und hat die Stationen auch schon durchlaufen. Sie liegt mit 4,3 gha unter dem Durchschnitt von Deutschland. Da sie alleinstehend ist, fällt ihr Ergebnis so aus: „Aber ich achte sehr darauf, nachhaltig zu leben. Hier habe ich wieder neue Anregungen bekommen. Ich helfe hier mit, um die Besucher darauf aufmerksam zu machen, sich zu hinterfragen. Auch Maria Lettmaier hat bei den Stationen mitgemacht. „Ich bin besser als der Durchschnitt. Weil ich schon seit Jahren darauf achte, nachhaltig zu leben, zum Beispiel durch meinen eigenen Garten hat mich das Ergebnis auch nicht überrascht. Und auch meine Kinder habe ich so erzogen“, erzählt sie. Ihr Schwachpunkt sei die Mobilität. Da sie auf dem Land wohnt, sei es schwierig, auf das Auto zu verzichten. Aber sie versuche immer, eine Fahrgemeinschaft zu bilden.

„Ich bin froh darüber, dass wir im Lindaupark mit offenen Armen empfangen wurden“, sagt Isolde Miller vom Bund Naturschutz: „Gerade weil hier im Einkaufszentrum viele Leute aufzufinden sind und weil sich nebenan der Kaufmarkt befindet. Ich finde die Von-Hier-Produkte sehr gut, weil sie aus der Region kommen und biologisch angebaut sind.“ Sie hoffe, dass sie vielen Leuten mit der Aktion Anregungen geben kann, sagt Miller: „Irgendwo ist immer ein Rad, an dem man noch runterdrehen kann“

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