Werner Specht berührt und begeistert

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Vielseitig und voller Tiefgang, das sind die Band Westwind und Liedermacher Werner Specht (von links): Moritz Rädler (Bass, Trom
Vielseitig und voller Tiefgang, das sind die Band Westwind und Liedermacher Werner Specht (von links): Moritz Rädler (Bass, Trompete, Gitarre), Dieter Peinecke (E-Gitarre, Slide, Stimme), Andieh Merk (Percussion, Flöte), Werner Specht (Gitarren, Akkordzither, Mundharmonika, Stimme), Peter Zürn (Gitarre, Hackbrett, Akkordeon, Maultrommel). (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Kerzen umrahmen romantisch die Bühne im Zeughaus – und diese ist beinahe zu klein für die rund zwanzig Instrumente der fünf vielseitigen Musiker: Werner Specht, Westallgäuer Liedermacher, Heimatpoet und Maler, und seine Band Westwind haben ihrem erwartungsfrohen Publikum im gut besetzten Zeughaus Lieder, Geschichten und Gedichte präsentiert, die berühren und tief unter die Haut gehen.

Der Lindenberger Werner Specht gilt vielen als der wichtigste Allgäuer Liedermacher. Er besitzt die Gabe, das Alltägliche, die kleinen Dinge und die großen Gefühle, in wundervolle Worte zu packen, diese mit schöner Musik zu verzieren und sie so in pure Poesie zu verwandeln. Wenn er lacht, geht buchstäblich die Sonne auf. Mit seinen 77 Jahren schaut er immer noch so bubenhaft freudig in die Welt, wie ein Kind, das eben von den Eltern gelobt wurde. Und diese Kombination ist einfach nur gut.

„Huiweh“, heißt das erste Lied des Abends und es ist ein Geschenk an das Lindauer Publikum. „Wir haben es erst heute aufgenommen. Das Lied hat noch niemand gehört“, sagt Dieter Peineke. Der Musiker ist seit fünf Jahren Teil von Westwind. „Abschied“ heißt das zweite Lied – aber das ist nicht ernst gemeint, denn der kommt erst 150 Minuten später. Und diese Zeit ist gefüllt mit heiteren und durchaus nachdenklichen Liedern. Mit amüsanten Geschichten – selbstverständlich in weichrollendem und authentischem Westallgäuer Dialekt und Werner Spechts Einsicht: „I mecht jedn Dag so leabe, wie wenn’s die letschte Schtund wär.“

Die fünf Musiker sind dabei unglaublich vielseitig. Jeder einzelne spielt unterschiedliche Instrumente, die sie auch fleißig tauschen. So wechselt Peter Zürn zwischen Hackbrett, Akkordeon, Maultrommel und Gitarre hin und her. Andieh Merk bedient seine vielfältige Percussion und geht zwischendurch an die Flöte. Moritz Rädler zupft mal den Kontrabass, mal den E-Bass oder spielt Trompete. Peinecke hat mal die Slide auf dem Schoß oder die Ukulele oder eine Gitarre in der Hand.

Instrumentals wechseln sich mit gesungenen Liedern ab. Die Texte von „A kluina Augeblick“, „Millione Gschichta“, „D' Zit“, „As git jo no Engl“, „I ka di it vrgeasse“, „Blatt im Wind“, „Souvenirs“ und „Soll i, od soll i it“ reihen sich wie kostbare Perlen aneinander. Sie sind inhaltlich so ausdrucksstark, dass die Zuhörer kaum mitkommen, mit dem Lauschen und Verstehen und dem Aufsaugen des musikalischen Rhythmus’.

Zu den Liedern hat Specht stets noch Gedanken oder Hintergründe zu erzählen. Eine poetisch dichte Atmosphäre entsteht, die dann noch getoppt wird, als Specht behutsam seine Akkordzither aus der Instrumententasche kramt, sie zärtlich in den Arm nimmt und sich beim Spielen gedankenverloren an sie kuschelt.

Immer wieder verständigen sich die Musiker mit Blicken und machen so das Programm und die Länge der Lieder live auf der Bühne aus. Die Geschichten, die Specht zwischendurch erzählt, sind heiter, nachdenklich, feinsinnig oder zum Lachen komisch. Wie die von seinem Sohn, dem er, Specht, nur ein unsichtbares Piercing erlaubt hat. Das dann in der Zunge landet, und der Westallgäuer Bub das „sch“ nicht mehr sagen kann. In der Metzgerei habe er dann nur noch Landjäger bestellt, weil sich „hundert Gramm gesnittene Sinkenwurst“ einfach zu doof anhörte. Oder die Sache mit „Romeo und Julia“, die nicht zusammenkommen, weil sie das Brot bei Aldi, und er es beim Bäcker einkauft.

Am Ende stehen sich Musiker und Publikum beim Schlussapplaus gegenüber und bedanken sich gegenseitig für diesen wundervollen Abend auf Spechts „Liederstraße“ des Lebens.

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