Wer sich kein Pausenbrot leisten kann, der geht auch nicht zur Schule

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Markus Zwosta und seine Frau Verena kümmern sich um die Kinder im Slum.
Markus Zwosta und seine Frau Verena kümmern sich um die Kinder im Slum. (Foto: DANIEL WARTENWEILER)

Dass die Kinder aus dem Slum der philippinischen Hauptstadt Manila regelmäßig zur Schule gehen, ist nicht selbstverständlich. Doch seit einiger Zeit haben sie zwei Menschen, die ihnen dabei helfen: Die Lindauerin Verena Zwosta und ihr Mann Markus leben seit zwei Jahren selbst im Slum von Manila. In einem ihrer Projekte vermitteln sie den Kindern aus ihrer Nachbarschaft Paten.

Manche Kinder im Slum besuchen die Schule überhaupt nicht, andere nur unregelmäßig. „Es gibt Eltern, die bekommen es einfach nicht auf die Reihe, ihre Kinder morgens zu waschen und für die Schule fertig zu machen. Weil sie Alkoholprobleme haben oder spielsüchtig sind“, erzählt Markus Zwosta. Das seien aber die Einzelfälle. Bei anderen Familien scheitert der Schulbesuch am Geld.

Wer krank ist, verdient kein Geld

Denn viele der Slum-Bewohner arbeiten als Tagelöhner, ein regelmäßiges Einkommen haben sie nicht. Wenn sie krank sind oder wenn, wie vor einigen Monaten, das ganze Slum wegen Corona unter Quarantäne steht, dann bekommen sie keinen Lohn. Zwar ist die Schule an sich auf den Philippinen kostenlos, allerdings müssen die Familien die Schuluniform und einige Unterrichtsmaterialien selbst bezahlen. Auch der Transport der Kinder zur Schule kostet Geld, ebenso, wie das Pausenbrot. Und wer seinen Kindern kein Vesper mit in die Schule geben kann, der lässt sie lieber ganz zu Hause.

 Verena Zwosta mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft.
Verena Zwosta mit einem Mädchen aus der Nachbarschaft. (Foto: oh)

Das liegt an der Schamkultur der Philippinos, wie Markus Zwosta erklärt. „Oft sind es ganz belanglose Gründe, warum ein Kind selten zur Schule geht“, sagt er. „Aber wenn die Eltern kein Geld haben, um ihrem Kind einen Pausensnack zu bezahlen, dann schicken sie ihr Kind lieber nicht in die Schule. „Dann muss es sich auch nicht dafür schämen, dass es keinen Pausensnack dabei hat.“

Vor zwei Jahren ins Slum gezogen

Die 35-jährige Verena und der 34-jährige Markus Zwosta leben selbst im Slum von Manila. Sie haben sich bei der Hilfsorganisation „Servants Asia“ kennengelernt, für die beide arbeiten. Zum Prinzip von „Servants Asia“ gehört es, dass die Mitarbeiter selbst unter den Menschen leben, für die sie sich einsetzen. Vor zwei Jahren ist das junge Ehepaar deswegen im Slum von Manila in eine 13 Quadratmeter kleine Wohnung gezogen. In ihrem blau gestrichenen Zimmer gibt es ein Bett, ein Mini-Bad und einer kleinen Küchenzeile. Im Vergleich zu ihren Nachbarn haben es die beiden damit noch sehr gut. „Die leben mit einer ganzen Großfamilie in kleinen Holzverschlägen“, erzählt Verena Zwosta.

 Markus und Verena Zwosta.
Markus und Verena Zwosta. (Foto: Zwosta)

Bald nach ihrem Umzug war klar: Die beiden wollen sich um die Kinder im Slum kümmern. Neben einem Pflegekinderprojekt, bei dem sie vernachlässigte Mädchen und Buben an Nachbarsfamilien vermitteln und diese dann finanziell unterstützen (die LZ berichtete), bauen sie gerade ein Projekt auf, bei dem Spender Paten eines bestimmten Kindes werden können. „Die Paten können das Kind dabei unterstützen, dass es eine Schuluniform, Schulmaterialien und regelmäßig ein Pausenbrot bekommt“, sagt Markus Zwosta. Wer möchte, kann mit seinem Patenkind eine Brieffreundschaft aufbauen. Weil die Post im Slum nicht immer gut funktioniert, werden Verena und Markus Zwosta Briefe übersetzen und weiterleiten.

In ihrer Nachbarschaft gibt es bereits fünf Kinder, denen das Ehepaar Paten vermittelt hat. Das sind noch nicht viele. Das liegt zum einen daran, dass Verena und Markus Zwosta das Projekt starteten, kurz bevor sie nach Deutschland zurück mussten, weil Markus schwer am Coronavirus erkrankt war. Zurzeit warten sie auf ihr Visum, damit sie wieder zurück auf die Philippinen reisen können.

Zum anderen ist es dem Ehepaar aber auch wichtig, jede einzelne Patenschaft gut zu betreuen. „Die Familien bekommen das Geld nach Bedarf, damit es nicht für andere Dinge ausgegeben wird“, sagt Markus Zwosta. Seine Frau und er sind mit jeder einzelnen Familie in Kontakt, sie versuchen zu helfen, wo sie können. „Viele Kinder brauchen Betreuung bei den Schulaufgaben“, sagt Markus Zwosta. Denn die Schulklassen in Manila seien groß, viele Kinder fallen dort durchs Raster. Nachhilfelehrer im Slum zu finden, sei schwierig gewesen. Das machen die beiden nun selbst.

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