Wenn Kürbisse den Weg weisen: Bei Essen und Tschässen in Nonnenhorn heißt es staunen, genießen und tanzen

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Frau mit Kind auf dem Arm schaut sich Kürbisse an
Die kleine Anna und ihre Mutter Steffi Angele bewundern die Kürbis-Kunstwerke, die auf einem Leiterwagen leuchten. (Foto: Susi Donner)
Susi Donner

Was zeichnet einen Star aus? Er schaut toll aus. Bekommt viel Aufmerksamkeit und Bewunderung. Wird tausende Male fotografiert. In diesem Fall sind die über Tausend Nonnenhorner Kürbisse definitiv Stars. Denn sie wurden sicher hunderttausendmal fotografiert und begeistert bestaunt und bewundert. Sie haben zudem das Essen und Tschässen-Festival mit ihrem Leuchten und ihren kreativen Gesichtern standesgemäß eröffnet und den Gästen die ganze Nacht hindurch den Weg geleuchtet.

Es dämmert langsam. In Nonnenhorn sind einige Helfer unterwegs, die weit über tausendmal das Feuerzeug betätigen. Es ist eine enorme Aufgabe, alle Kürbisse schnell zum Leuchten zu bringen. Denn von allen Seiten strömen schon die Besucher ins Dorf, die sich auf das orangerote Spektakel dieser besonderen Nacht freuen: Die große Schau der Kürbisse beginnt.

Auf dem Laufsteg flanieren die Besucher, denn die Kürbisse sind eher immobil, wenn auch manche von ihnen Beine haben. So ziemlich jeder Kürbis wird von allen Seiten fotografiert. Kinder, Jugendliche, Erwachsene jeden Alters zücken verzückt ihre Smartphones und verschicken die Bilder postwendend an ihre Freunde. Selbst die jüngsten Besucher sind von den Kürbiswesen begeistert. Die dreijährige Anna bewundert auf dem Arm von Mama Steffi Angele aus Lindau die vielen Kürbisse auf dem großen Holzleiterwagen vor dem Gasthof zur Kapelle. Die große Eule hat es ihr besonders angetan. „Wir sind jedes Jahr zwischen den Kürbissen unterwegs“, erzählt Steffi Angele und lobt die Nonnenhorner, die ihren Gästen eine so schöne Veranstaltung schenken.

An der kleinen Kapelle neben dem Gasthof liegt ein riesiger Muskat-Kürbis. „Mama, der Kürbis hat ein Kind gefressen“, staunen Sophie, Laura und Lukas aus Bregenz erschrocken, weil bestrumpfthoste Beine aus dem Kürbismaul ragen. Sie schauen von der anderen Seite in den Kürbis. „Da liegt nur eine Strumpfhose. Sonst nichts“, sagen sie beruhigt und lachen. Es sind schon allerhand Besonderheiten unter den Kürbissen. Mal ganz davon zu schweigen, dass sich auch Donald Trump nach Nonnenhorn geschlichen hat. „Selbst wenn da nicht USA 1 stehen würde, hätte ich ihn an seiner Frisur erkannt“, lacht Sebastian Metzger. Der Biberacher ist mit seiner ganzen Familie in der Kürbisnacht unterwegs: „So etwas Schönes habe ich selten erlebt.“

Es ist jetzt stockdunkel. Das warm leuchtende Licht der Kürbisse schaut romantisch aus. Überall stehen und liegen sie. Vor allem vor den Gasthäusern, in denen längst köstlich gespeist wird. Pünktlich um 20 Uhr beginnen die Bands zu spielen und durch offene Türen schweben Boogie-, Dixie- und Jazzklänge in den Abend. Die Stimmung ist sofort hervorragend.

Im Adler spielen Los Boozan Dukes. Die Musiker aus Barcelona sind genial – zum Anschauen und zum Zuhören. Vor allem aber fährt ihr mitreißender Rhythmus in die Beine. Keiner kann da ruhig sitzen. Dann entern Renate und Alex die Tanzfläche. Zeigen Rock ’n’ Roll vom Allerfeinsten. Die beiden tanzen im Rock ’n’ Roll Club Friedrichshafen und wer ihnen zuschaut, wird von der großen Sehnsucht befallen, ebenso tanzen zu können. So leicht. So federnd, schwingend, lebensfroh.

Im Ristorante La Gondola ist die Stimmung nicht weniger ausgelassen. Hier präsentiert das Boogie Projekt gut gelaunt und mit Händen und Füßen Boogie-Woogie-Blues. 45 Minuten spielen die Bands. Zuverlässig. Das macht es möglich, in den Pausen, die überall gleich sind, die Lokale zu wechseln. Denn wer das tut, findet achtmal heißen Jazz, Rhythm’n Blues, Soul, leidenschaftlichen Boogie Woogie, verträumte Balladen und New Orleans Jazz. Hört Tuba und Saxofon. Mundharmonika und Trompete. Schlagzeug, Waschbrett, Kontrabass und Querflöte. Also achtmal Musik zum Abtanzen, Mitsingen, Träumen und enorm viel Spaß haben, die hier im Einzelnen gar nicht beschrieben werden kann.

Doch so viel sei gesagt: Die Nacht der Nächte war ein weiteres Mal eine tolle und lohnende Veranstaltung der Nonnenhorner Vereine.

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