Wenn die Lindauer Insel zur Halbinsel wird

Lesedauer: 4 Min

 Vor vier Jahren hat ein Bagger zuletzt vor dem Kanuclub Schlamm aus dem Kleinen See gebaggert. Demnächst wird eine ähnliche Ak
Vor vier Jahren hat ein Bagger zuletzt vor dem Kanuclub Schlamm aus dem Kleinen See gebaggert. Demnächst wird eine ähnliche Aktion wieder nötig sein. (Foto: Archiv: cf)
Redaktionsleiter

Die Verantwortlichen der Stadt machen sich Sorgen, wie sie es schaffen, dass Lindau eine Insel bleibt. Denn im Kleinen See sammelt sich immer mehr Schlamm an. Ein großes Ausbaggern wie vor 50 Jahren wäre wohl wahnsinnig teuer.

Dass die Verwaltung neue Regeln für das Mähen im Kleinen See erreichen will, nahmen die Stadträte im Finanzausschuss am Dienstag wohlwollend zur Kenntnis. Wichtiger war ihnen aber, was die Verwaltung gar nicht angesprochen hat: die Schlammmengen im Kleinen See. Nicht nur vor dem Kanuclub ist so viel Schlamm angeschwemmt, dass Wassersport kaum mehr möglich ist.


Die Insel ist das Herzstück von Lindau am Bodensee.
Die Insel ist das Herzstück von Lindau am Bodensee. (Foto: Tobias Albrecht)

Ob sich die Verwaltung Gedanken gemacht habe und mit vorgesetzten Behörden über Gegenmaßnahmen nachdenke, wollte Roland Freiberg (BU) wissen. OB Gerhard Ecker wies darauf hin, dass der Kleine See zwischen Bahndamm und Seebrücke seit dem Bau des Bahndamms vor mehr als 150 Jahren als Binnengewässer gilt, für das nicht der Freistaat, sondern die Stadt selbst verantwortlich ist. Lindau müsste also auch die Kosten tragen.

Und weil diese aller Voraussicht nach wahnsinnig hoch sein werden, traut sich die Stadtverwaltung an das Thema offensichtlich nicht heran. Liegenschaftsverwalter Wolfgang Natterer sieht angesichts der hohen Kosten „derzeit noch keinen Handlungsbedarf“. Kämmerer Felix Eisenbach geht davon aus, dass ein Ausbaggern „exobitant teuer“ würde. Er sagte aber zu, er werde das prüfen und ausrechnen lassen: „Aber die Zahl wird sicher abschreckend.“

Die Verwaltung hat mit dem Landratsamt aber bereits ein Ausbaggern des Bereichs direkt vor dem Kanuclub besprochen, wo der Durchlass im Bahndamm gar nicht nutzbar ist. Ein Bagger hatte dort zuletzt vor vier Jahren Schlamm aus dem Kleinen See geholt. Eisenbach geht davon aus, dass die Kosten überschaubar bleiben und dass sich die Vereine daran beteiligen.

Die Räte wollen möglichst im Zuge der anstehenden Sanierung des Bahndamms eine Lösung finden, damit der Schlamm erst gar nicht mehr durch den Durchlass in den Kleinen See gelangt. Uli Kaiser (BL) bat eine Sperre auf der Seite des Aeschacher Bades zu prüfen, die auf dem Seegrund die Strömungsverhältnisse ändert. Günther Brombeiß (FB) will entsprechende Gespräche mit den Planer der Bahn, damit die beim Bahndamm auf keinen Fall etwas verbaut. Thomas Hummler (CSU) fordert, Fachleute sollten sich mit dem Thema befassen, denn da seien Laien überfordert. Auf jeden Fall müsse sich die Stadt darauf einstellen, dass sie irgendwann sehr viel Geld aufbringen müsse, damit Lindau nicht doch zur Halbinsel wird.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen