Wasserwacht übt die Rettung aus dem Eis

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Schwäbische Zeitung
Christian Flemming

Nach mehreren eisfreien Wintern hat die Wasserwacht Lindau wieder einmal ihre Hilfsgeräte für eine Rettung aus dem Eis praktisch testen und mit ihnen trainieren können. Denn der Kleine See ist zugefroren, das Eis reicht weit über die Seebrücke hinaus, ebenso bedeckt das Eis Segelhafen, Seehafen und Teile des Römerbades. Seit Samstag ist der Kleine See bevölkert mit Eisstockschützen und Eishockeyspielern, mit Eislaufenden und Spaziergängern, die durch das teilweise sehr durchsichtige Spiegeleis auf den matschigen Grund blicken.

Freigegeben ist der Kleine See als Eislauffläche nicht, die Verantwortung wird keiner übernehmen, auch die Wasserwacht nicht. Eine offizielle Freigabe wird es also nicht geben.

Am Sonntagmorgen versammelten sich 15 Aktive der Wasserrettungsabteilung des Roten Kreuzes in der Nähe der Seebrücke, um Eisrettungsschlitten sowie Eisrettungsmatratze in der Praxis zu testen und die Abläufe einer Rettung von Menschen zu trainieren, die im Eis eingebrochen sind. Dafür schlüpfen zwei Wasserwachtler in Trockenanzüge, die sie im eisigkalten Wasser schützen. Um ins Wasser zu gelangen, müssen die Retter mit Hilfe eines großen Eispickels erst einmal ein Loch schlagen. Dabei erweist sich, dass das Eis sehr unterschiedlicher dick ist, zwischen fünf und höchstens zehn Zentimeter.

Derweil weist Ortsgruppenleiter Tom Freitag seine Frauen und Männer ein. Jeder soll mit dem Schlitten und der Matratze üben können, jeder soll an der Sicherungsleine sowie der Zugleine üben können.

Bei minus acht Grad Lufttemperaturen plumpst der erste im Trockenanzug ins Wasser und will gerettet werden. Ein Retter nach dem andern rutscht mit dem Schlitten oder der Matratze über das Eis zum Loch und zieht den Mann auf das Rettungsgerät.

Um die Matratze hier gefahrlos verwenden zu können, musste vorher das Eis von Flaschenscherben befreit werden, die Unbekannte von der Brücke geworfen hatten. Die Matratze hat den Vorteil, dass sie aufgrund ihres geringen Packmaßes ständig im Einsatzfahrzeug der Wasserwacht bleiben kann, von Nachteil ist sie aber, wenn das Eis uneben oder mit Schnee bedeckt ist, dann rutscht sie einfach nicht. Dann ist ein zweites Fahrzeug nötig, dass den Rettungsschlitten dabei hat. Der ist auch schwimmfähig und kann im wässrigen Fall vom Retter mit Paddel vorwärtsbewegt werden.

Nach gut zwei Stunden sind die Wasserwachtler mit der Übung durch – und durchgefroren. Matthias Müller, technischer Leiter, sein Stellvertreter Marco Liesem sowie Ortsgruppenleiter Thomas Freitag sind zufrieden. Der Ernstfall trifft hoffentlich nicht ein. Aber falls doch, ist die Wasserwacht gerüstet.

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