Was Nobelpreisträger von einem Ravensburger Physiklehrer lernen können

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Mit „Quantenkoffer“ und einem Interferometer für Einzelphotonen: Andreas Müller.
Mit „Quantenkoffer“ und einem Interferometer für Einzelphotonen: Andreas Müller. (Foto: Tobias Kunze)
Elke Zapf

Dieses Jahr war sie der Physik gewidmet, die 69. Nobelpreisträgertagung in Lindau. Unter den geladenen Gästen war auch der Ravensburger Lehrer Andreas Müller. Am Spohn-Gymnasium unterrichtet er Physik, Astronomie und Mathematik – und ist dabei so engagiert, dass er für das Programm „Teaching Spirit“ im Rahmen der Nobelpreisträger-Tagung vorgeschlagen wurde.

Der Austausch zwischen Wissenschaftlern unterschiedlicher Generationen, Kulturen und Disziplinen steht im Mittelpunkt der Lindauer Nobelpreisträgertagung. Heuer nahmen 39 Nobelpreisträger, 580 junge Nachwuchswissenschaftler aus 89 Ländern – und 18 Lehrer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teil. Die Lehrer haben ein eigenes zweieinhalbtägiges Programm unter dem Motto „Teaching Spirit“ und treffen dabei immer wieder mit Nobelpreisträgern zusammen.

Mein persönliches Highlight war das Mittagessen mit den Physik-Nobelpreisträgern

Andreas Müller

„Mein persönliches Highlight war das Mittagessen mit den Physik-Nobelpreisträgern“, erzählt der Ravensburger Gymnasiallehrer Andreas Müller. „Wir waren 18 Lehrer und sieben Nobelpreisträger, da ergeben sich viele außergewöhnliche Gespräche.“ Er selbst saß am Tisch mit den Nobelpreisträgern Johannes Georg Bednorz und Klaus-Olaf von Klitzing. Bednorz erhielt 1987 dem Nobelpreis für Physik für seine bahnbrechende Entdeckung der Supraleitung in keramischen Materialien, von Klitzing bekam den Physik-Nobelpreis im Jahr 1985 für seine Entdeckung des quantisierten Hall-Effekts im Grenobler Hochfeld-Magnetlabor. „Beide waren sehr interessiert daran, was wir an der Schule machen, wofür sich meine Schülerinnen und Schüler engagieren – wo unsere Sorgen und Probleme liegen“, erzählt Müller. „Und die Nobelpreisträger selbst haben von ihrer Forschungsarbeit, aber auch von ihrer eigenen Studienzeit bei einem so berühmten Professor wie Wolfgang Pauli berichtet, das war schon sehr bewegend.“

Reden der Wissenschaftler sollen in den Unterricht integriert werden

Am Nachmittag folgte ein didaktisches Programm der Ludwigs-Maximilian-Universität München mit einer Einführung in die Mediathek der Lindauer Nobelpreisträgertagungen. „So können wir in Zukunft auch Reden der Wissenschaftler auch in unseren Unterricht integrieren“, freut sich Müller.

Beeindruckt zeigt er sich auch von einem speziellen Programmpunkt am Freitag. „Um 8 Uhr sind wir von Lindau mit dem Schiff zur Insel Mainau gefahren. An Bord waren bereits die Nachwuchswissenschaftler und Lehrer – und in Bad Schachen stiegen die Nobelpreisträger zu. Diesen Anblick werde ich so schnell nicht vergessen“, sagt Müller: „Ein ganzer Steg voller Nobelpreisträger – das sieht man bestimmt nur einmal im Leben.“

Auf dem Schiff präsentierten Hochschulen und Forschungszentren aus dem Südwesten aktuelle Arbeiten und Ergebnisse im Bereich der Physik, und auf der Blumeninsel im Bodensee diskutierten die Wissenschaftler über die Frage, wie Forschung die Welt zum Besseren verändern kann. „Da spürt man einen ganz besonderen Geist“, so Müller. „Denn im Bereich der Wissenschaft funktioniert die Zusammenarbeit der Nationen perfekt. Ganz egal ob die Experten aus den USA, aus Russland, China oder Deutschland kommen: alle leisten Hervorragendes und tauschen sich faktenbasiert über ihre Ergebnisse aus. Natürlich auch über den Klimawandel, aber darüber besteht in der wissenschaftlichen Community sowieso Einigkeit.“

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