Was Menschen zu Laser, Spritze oder Operation bewegt

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 Jens Altmann
Schönheitschirurg Dr. Jens Altmann ist überzeugt, dass speziell Ältere OP-Patienten reflektiert und aus einem inneren Wunsch heraus handeln. (Foto: Kristina Staab)
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Die beliebteste Schönheitsoperation ist in Deutschland nicht mehr die Brustvergrößerung, sondern die Lidstraffung. Das belegt eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Statista.

Neu ist die Operation nicht, Tagesschausprecherin Dagmar Berghoff hat sie etwa schon vor mehr als 30 Jahren machen lassen, erzählt sie in einer Talk-Show. Heute ist die Präsentation in der Öffentlichkeit nur einer von vielen Gründen dafür, das berichtet der Facharzt für plastische Chirurgie Dr. Jens Altmann.

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Wie viele Menschen sich für ihre Schönheit operieren lassen, weiß er nicht. Doch er kennt die Patienten und ihre Beweggründe. Sein Kittel weht etwas hinter ihm her, wenn er durch die gläserne Eingangshalle der Bodenseeklinik in Lindau geht. Der nächste OP-Termin wartet schon. Rund zehn Eingriffe am Tag sind für ihn keine Seltenheit.

Die kommen immer mehr, schon länger gibt es in diesem Bereich einen Boom.

Schönheitschirurg Jens Altmann über Eingriffe ohne OP

Dazu gehören nicht nur Operationen. Altmann rät oft zu minimalinvasiven Eingriffen - also Behandlungen, bei denen nicht operiert werden muss. „Die kommen immer mehr, schon länger gibt es in diesem Bereich einen Boom“, sagt er.

Spezielle Ultraschallgeräte sollen die Haut anregen sich zu regenerieren. Laser entfernen Pigmentflecken. Botulinumtoxin bekannt als Botox, glättet die Falten, indem es die Nerven lähmt. Hyaluronsäure-Spritzen binden Wasser unter der Haut und Polstern so für ein halbes Jahr die Stirn des Patienten auf.

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Diese Eingriffe nehmen nach Angaben der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) weiter zu. Laut VDÄPC-Umfrage haben die Verbandsmitglieder mehr als 44.000 minimalinvasive Behandlungen bei Patienten gemacht.

Damit ist die Zahl minimalinvasiver Eingriffe im Vergleich zu 2017 um 15 Prozent angestiegen. Die dem Verband gemeldeten Schönheitsoperationen sind um neun Prozent auf rund 77.500 gewachsen.

Der Anteil der Alterschirurgie nimmt zu. Schönheitschirurg Jens Altmann

Altmann beschreibt seinen typischen älteren Patienten so: Ein reflektierter Mensch, sportlich aktiv, sich bewusst ernährend, lebenshungrig und sich jünger fühlend als er ist.

„Der Anteil der Alterschirurgie nimmt zu“, sagt er aus Erfahrung. Besonders wichtig sei der Zielgruppe ein natürliches Aussehen. Kleine Runzeln sind willkommen, Mimikfalten unabdingbar.

Tränensäcke und hängende Schlupflieder

Tränensäcke nach langer Trauer ließ sich eine Patientin vor einer Schiffsreise entfernen. Ein anderer Patient sah immer mehr das alte Gesicht seines Vaters im eigenen. Diese hängenden Schlupflieder wollten einfach nicht in sein Selbstbild passen.

Hingegen jüngere Patienten würden sich oft an Social-Media-Trends orientieren. Das Ziel: Oft ein perfektes Selfie. Diese Entwicklung sei durchaus kritisch zu betrachten.

Auch Männern lassen sich inzwischen häufiger verschönern, wobei Frauen mit rund 85 Prozent immer noch den Großteil der Patienten ausmachen. 

Viel Frust bringt oft der Haarverlust mit sich. Geheimratsecken und Glatzen sorgen immer öfter für Arbeit in der Bodenseeklinik. Die Patienten empfinden sie oft als Sinnbild des „alten Mannes“, sagt Altmann.

Haartransplantationen haben sich in der Bodenseeklinik zum gefragtesten Eingriff bei Männern entwickelt. Sie hätten sich innerhalb eines Jahres auf rund 15 Prozent der Eingriffe verdoppelt.

Männer versprechen sich durch einen Eingriff meist bessere Chancen in Führungspositionen aufzusteigen, erzählt Altmann. Hingegen Frauen suchen oft das private Glück, zum Beispiel einen neuen Freund.

Er schätzt seine männlichen Patienten durchschnittlich auf rund 50 Jahre bei ihrem ersten „Alters-Eingriff“; rund zehn Jahre älter als seine Patientinnen.

Gruppe der älteren Patienten wächst am stärksten

Anders die „Gesamt-OP-Statistik“ von Statista: Frauen und  Männer sind im Durchschnitt 41 Jahren alt. Zwischen 18 und 30 Jahren ließen sich die meisten Patienten operieren. Die Gruppen der 41 bis 50-Jährigen sowie der über 61-Jährigen haben am stärksten zugenommen.

In allen Altersgruppen gefragt ist die Augenlidstraffung, durch Frauen ist sie an der Spitze der OP-Hitliste bei Statista. Auch Männer folgen dem Trend. Doch die Herren haben sich im vergangenen Jahr am häufigsten die Nase richten lassen.

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