Warmbrunn: „Lindau ist für mich eine mittel- bis längerfristige Perspektive“

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Alexander Warmbrunn
Alexander Warmbrunn

Der Stadtrat hat beschlossen, dass Alexander Warmbrunn neuer Kulturamtsleiter wird. Der 34-jährige Göppinger ist derzeit Kulturamtsleiter in Eislingen, kennt Lindau aber schon seit seiner Jugend. LZ-Redakteur Michael Brandt hat sich mit Warmbrunn über seine Pläne in Lindau unterhalten.

LZ: Warum wollten Sie nach Lindau?

Alexander Warmbrunn: Ich finde die Aufgabe sehr reizvoll, weil die Stelle als Kulturamtsleiter zwei Aspekte hat: Erstens geht es darum, Kulturarbeit zu lenken, zu organisieren und strategisch auszurichten. Zweitens bin ich auch Leiter des Stadttheaters und des Stadtmuseums. Das ist künstlerische Arbeit, wo man sich ein eigenes Profil erarbeiten kann. Genau diese Mischung gefällt mir, sie hat mich geradezu elektrisiert.

LZ: Wie gut kennen Sie Lindau?

Warmbrunn: Meine Familie hat ein Ferienhaus im Allgäu. Deshalb war ich schon als Kind sehr oft in der Bodenseeregion und in Lindau. Ich kenne die Stadt als häufiger Besucher und ich freue mich darauf, Lindau als Neu-Lindauer noch besser kennenzulernen.

LZ: Was haben Sie in Lindau vor? Wie wollen Sie das manchmal etwas behäbige städtische Kulturangebot weiterentwickeln?

Warmbrunn: Ich bin immer sehr gut damit gefahren, dass man nicht kommt und meint, man müsse jetzt alles ganz anders und viel besser machen. Natürlich habe ich gewisse Vorstellungen, habe ich eine Handschrift und habe auch künstlerische Ideen. Aber mir ist es ganz wichtig, das den Menschen nicht überzustülpen, sondern die Lin-dauer mitzunehmen. Eine lebendige Kulturszene funktioniert immer dann, wenn sie breit getragen wird, Aber zunächst mal werde ich mir natürlich ganz genau angucken, wie die Situation ist. Wenn ich dann den einen oder anderen Punkt entdecke, wo ich Verbesserungsmöglichkeiten sehe, werde ich das Gespräch suchen.

LZ: Aus der Stadtratssitzung, in der sie ausgewählt wurden, war zu erfahren, dass Sie sich vorstellen könnten, aus dem Stadtmuseum mehr zu machen, als es derzeit der Fall ist?

Warmbrunn: Das ist insofern richtig, als dass ich tatsächlich finde, dass der Cavazzen ein traumhaft schönes Gebäude ist. Ich habe mir jetzt die Dauerausstellung angeschaut und mich mit den Wechselausstellungen der vergangenen Jahre beschäftigt und werde Vorstellungen erarbeiten, wie man bei der Präsentation neue Akzente setzen kann. Aber wie gesagt: Es ist zu früh, um zu sagen: Ich möchte was ganz anderes machen. Ich glaube, die jetzige Kulturamtsleiterin Frau Dr. Heilmann hat in den letzten Jahren gute Arbeit geleistet, und ich möchte mir nicht anmaßen, diese zu kritisieren. Der Cavazzen ist ein tolles Museum mit einem großen Potenzial, und sicher fällt mir da noch das ein oder andere ein, um es anders zu machen.

LZ: Sie haben in Göppingen die Stauferfestspiele gegründet. Da werden Opern, Operetten und Musicals auf die Bühne gebracht. Und zwar gemeinsam von Laien und von Profis. Ist so etwas auch für Lindau vorstellbar?

Warmbrunn: Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass man auch in Lindau das ein oder andere Projekt in diese Richtung starten könnte. Meine Erfahrung mit den Stauferfestspielen ist durchweg positiv. Es gibt einen neuen Zugang zum Theater, es gibt ein gegenseitiges Befruchten von Profis und Amateuren, und das kommt auch bei den Besuchern an. Vor allem Kinder und Jugendliche bekommen so einen ganz anderen Bezug zum Theater, zur Kultur allgemein.

LZ: Im vergangenen Jahr haben Sie recht bekannte Künstler nach Eislingen, wo Sie derzeit das Kulturamt leiten, gebracht. Geht das auch in Lindau?

Warmbrunn: Durch meine Arbeit in den vergangenen Jahren habe ich gute Kontakte. Nach Württemberg und auch zum Opernhaus Zürich. In Eislingen ist es mir deshalb gelungen, den einen oder anderen international geachteten Star in eine kleine Stadt zu bekommen. Und wenn so eine Veranstaltung klappt und auch für die Künstler ein besonderes Erlebnis ist, spricht sich das rum. Bislang ist es mir oft gelungen, eine solche Atmosphäre zu schaffen, so dass die Künstler und die Zuschauer sich wohlfühlen. Dieses Konzept werde ich auch in Lindau weiterverfolgen, und ich denke, dass es mir gelingen wird, auch den einen oder den anderen Star in die tolle Stadt Lindau zu locken.

LZ: Was bedeutet das für Lindau? Wird es im Stadttheater künftig auch eigene Produktionen geben, oder Produktionen, die auf eigenen Ideen beruhen? Oder bleibt es bei den Gastspielen?

Warmbrunn: Ich fände es persönlich ganz wunderbar, wenn es gelänge, unterschiedliche Akteure hier zusammenzuführen, um etwas Eigenes entstehen zu lassen. Denkbar sind auch Koproduktionen. Aber natürlich wird es auch künftig den normalen Gastspielbetrieb geben.

LZ: Sie leiten die Stauferfestspiele seit vielen Jahren jeweils neben ihren anderen Jobs. Werden Sie das auch künftig so handhaben?

Warmbrunn: Ich werde meinen Hauptwohnsitz und meinen beruflichen Lebensmittelpunkt in Lindau haben. Natürlich werde ich meine Verbindungen mit Göppingen und den Stauferfestspielen nicht kappen. Aber wie das genau aussehen wird, wird die Zukunft zeigen.

LZ: Wie sehen Sie Ihre Zukunft in Lindau? Ist die Stelle hier für Sie eine Stufe auf der Karriereleiter, so dass Sie schon in ein paar Jahren weiterziehen?

Warmbrunn: Ich komme nicht nach Lindau, um ein kurzes Intermezzo zu geben. Ehrliche Antwort: Ich sehe für mich im Augenblick keine Befristung. Lindau ist für mich eine mittel- bis längerfristige Perspektive.

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