Waisen und Witwen: Unterstützung für die Hilflosen in Syrien ist dem Lindauer Adnan Wahhoud wichtig

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Wer den Namen Adnan Wahhoud hört, der verbindet das zunächst mit sieben Ambulanzen, sogenannten Medical Points, die der Deutsch-Syrer im Nordwesten seines Geburtslandes aufgebaut hat. Seit acht Jahren reist der pensionierte Ingenieur regelmäßig in sein vom Bürgerkrieg gezeichnetes Geburtsland – um Friedensarbeit zu leisten, wie er es formuliert. Dazu gehört auch, dass Wahhoud sich um die Menschen kümmert, die nicht vor dem Krieg fliehen konnten: Kinder etwa, die ihre Väter verloren haben, oder Witwen, die kriegsbedingt keine Familie mehr haben.

Vor gut einem Jahr war Wahhoud bei einem seiner Besuche im Medical Point Yakobiya eine ältere Frau aufgefallen. Später erfuhr er, dass sie eine studierte Sprachwissenschaftlerin ist und – wie viele aus der ehemals christlichen Mehrheit der Bewohner des Ortes – ihre Familie im Bürgerkrieg verloren hat. Mit kleinen Hilfsarbeiten hat sich die ältere Frau über Wasser halten müssen. Wahhoud entschied daraufhin: Er stellt die Frau im Medical Point Yakobiya ein, genauso wie eine Apothekerin und eine weitere Witwe.

Der Lindauer muslimischen Glaubens hat mit dem im Kloster von Yakobiya lebenden Franziskaner-Bruder Hanna Jallouf intensiv über das Schicksal der verwitweten Frauen gesprochen. Ihre Familien waren im syrischen Bürgerkrieg immer wieder zwischen die Fronten geraten, hat sich Wahhoud erzählen lassen. Vielfach seien Ehemänner und Söhne im Krieg gestorben oder ihre Kinder ins Ausland geflohen. Die älteren Frauen sind zumeist allein zurückgeblieben.

Ihre Schicksale haben den Deutsch-Syrer sehr berührt. Mittlerweile unterstützt Wahhoud in Yakobiya rund 25 verwitwete Christinnen, die dort im Umfeld des Franziskaner-Klosters leben, das bisher oft ihre einzige Rettung gewesen ist. Seit einem Jahr lässt Wahhoud jeder dieser Frauen monatlich 40 Euro zukommen – denn eine Rente oder dergleichen gibt es nach seinen Worten im heutigen Syrien nicht. Er finanziert diese Unterstützung aus den Spenden, die er aus Lindau und der Region erhält, und hofft, dass er diese Witwenhilfe auch im kommenden Jahr fortsetzen kann.

Das gleiche gilt für die Waisenhilfe, die der Lindauer schon vor Jahren in Syrien gestartet hat. Die versteht Wahhoud als Flüchtlingshilfe vor Ort: Viele syrische Kinder hätten durch den Krieg in ihrem Heimatland den Vater verloren, manchmal – etwa bei Bombenangriffen auf ihre Dörfer und Stadtteile – auch beide Elternteile. So kümmert sich Wahhoud um die beiden Brüder Yacob und Abdul: Die konnten zwar aus ihrem zertrümmerten Haus gerettet werden, deren Eltern starben jedoch bei jenem Bombenangriff. Die beiden leben heute bei einem Onkel im Nordwesten Syriens, Wahhoud unterstützt die Buben aus seiner Waisenhilfe.

Die kommt jedoch langsam an ihre Grenzen. Denn mittlerweile stehen die Namen von gut 350 syrischen Halb- oder Vollwaisen auf Wahhouds Liste – was sich jeden Monat auf 3500 Euro Unterstützung summiert. Für jedes dieser Kinder sei der kleine monatliche Betrag von zehn Euro wichtig: Weil er einen Beitrag dazu leiste, dass sie wenigstens in ihrem Heimatland bei einem Verwandten bleiben können. In Wahhouds Augen ist das eine wichtige Hilfe gegen Fluchtursachen.

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