Vorfreude auf internationalen Besuch

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 Die Gastfamilien freuen sich auf ihre jungen Wissenschaftler, die im Juli zur 69. Nobelpreisträgertagung kommen werden (von lin
Die Gastfamilien freuen sich auf ihre jungen Wissenschaftler, die im Juli zur 69. Nobelpreisträgertagung kommen werden (von links vorne nach rechts vorne): Georg Speth, Claudia Harder, gegenüber: Marino und Anna Marani, Anna Sautier und Cornelia Speth. (Foto: Isabel Kubeth de Placido)
Isabel Kubeth de Placido

Gastfamilie zu sein für einen jener jungen Nachwuchswissenschaftler aus aller Welt, die jedes Jahr nach Lindau zur Nobelpreisträgertagung kommen, ist etwas ganz besonderes. Nicht nur für die Gastgeber selbst, sondern auch für die Lindauer Nobelpreisträgertagungen. Das zumindest hat das Team die rund 90 Lindauer, die seiner Einladung in den „neuen“ Gasthof Koeberle nach Bodolz gefolgt sind, deutlich spüren lassen.

„Ohne die Gastfamilien wüssten wir gar nicht, wo wir die jungen Wissenschaftler unterbringen könnten“, sagte Nikolaus Turner vom Kuratorium der Lindauer Nobelpreisträgertagungen und freute sich, dass viele langjährige, aber auch viele neue Gastfamilien einen, oder sogar zwei jener knapp 600 Nachwuchswissenschaftler bei sich zu Hause aufnehmen werden, die im Juli für eine Woche aus 89 Ländern der Welt nach Lindau kommen, um Teil der 69. Tagung zu sein.

Zum Dank für ihre Gastfreundschaft und zum gegenseitigen Austausch lädt das Team der Geschäftsstelle der Lindauer Nobelpreisträgertagungen alljährlich zum „Gastfamilientreffen“ ein. In diesem Jahr nach Bodolz, „weil wir immer versuchen etwas Neues zu zeigen“, sagte Turner. Womit er natürlich nicht Lindaus Nachbargemeinde meinte, sondern den frisch renovierten und gerade erst eröffneten Gutsgasthof Koeberle. Wobei sich Christian Ruh, der, bevor er Bürgermeister von Bodolz wurde, Hauptamtsleiter der Stadt Lindau war und in dieser Funktion, wie Turner beschrieb, „enger Partner und Hilfe in Notlagen“, natürlich freute, „dass die Lindauer Nobelpreisträgertagung den ersten Schritt nach Bodolz getan hat“.

Und weil die Gastfamilien jedes Jahr nicht nur in eine neue Location zum Essen eingeladen werden, sondern auch etwas Neues über die Nobelpreisträgertagung hören, stellte Wolfgang Huang das Projekt „Degermoos“ vor, bei dem die Nobelpreisträgertagungen hier, im Landkreis Lindau, ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Schließlich sei sich das Kuratorium bewusst, dass bei jeder ihrer Tagungen rund 1200 Tonnen CO produziert werde. Vieles davon durch Flugreisen. Wenngleich die Tagung dies wegen ihres inspirierenden Geistes auf die Wissenschaft wert sei, sehe sie sich aber auch verpflichtet, die negativen Auswirkungen auszugleichen. Auch deshalb, weil 2015 76 Nobelpreisträger die Mainau Deklaration zum Klimawandel unterschrieben haben. Deshalb unterstützt die Tagung finanziell und aus Spenden und Erlösen wie dem Grill&Chill, die Moorrenaturierung. Die Rolle des Moors als hocheffizienter natürlicher Kohlenstoffspeicher erklärte Huang den Gastfamilien.

Für Cornelia und Georg Speth auf jeden Fall ein interessanter Einstieg. Für das Ehepaar aus Weißensberg ist es das erste Mal, dass es beim Gastfamilientreffen dabei ist, denn es wird auch das erste Mal sein, dass es einen Nachwuchswissenschaftler bei sich in Niederhaus zu Gast hat. „Viele Freunde und Bekannte haben uns von den Begegnungen erzählt und haben davon geschwärmt, wie toll das ist und dass Freundschaften entstanden sind. Von daher sind wir schon gespannt und freuen uns auf den jungen Mann aus Mexiko“, sagte Cornelia Speth. Ihr Mann erklärte, dass dies schon lange ein Wunsch gewesen sei, doch bisher der Platz fehlte. Jetzt aber seien die beiden Kinder aus dem Haus. „Die Töchter fahren in der Welt umher und zu uns muss die Welt kommen“, schilderte er die Situation.

Genau wie die Speths werden auch Claudia und Wolfgang Harder aus Lindau zum ersten Mal einen Gast beherbergen. Und genau wie die Speths haben auch sie beim Grill & Chill schon Nobelpreisträgerluft geschnuppert und sind von jenem Virus infiziert worden, den Bürgermeister Ruh zuvor erwähnt hatte. Sie wird ein junger Mann aus Argentinien besuchen. Ein bisschen kennengelernt haben sie ihn schon. Denn „vor Kurzem hat er uns gemailt und wir sind seither mit ihm in Kontakt“.

Dass solche Kontakte und Begegnungen tatsächlich ziemlich bereichernd sind, können Anna und Jörg Sautier, aber auch Anna und Marino Marani als langjährige Gastfamilien nur bestätigen. Sie sitzen mit den Neulingen am Tisch und erzählen – zwischen dem einen oder anderen Gang zum Buffet, wo Enrico Klamm als neuer Pächter des Koeberles allerlei leckere Sachen aufgetischt hat – von ihren Erfahrungen mit den jungen Wissenschaftlern. Und geben den einen oder anderen Tipp. Etwa den, dass Gastfamilien gut daran täten, den Gast zu zweit vom Bahnhof abzuholen. „Wenn sie kommen ist dort immer so viel los, dass kein Parkplatz frei ist. Ist man zu zweit, kann der eine reingehen und der andere im Auto sitzen bleiben.“

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