Vor seinem Abschied gesteht der Schulleiter des Lindauer Bodensee-Gymnasiums: „Es wird schwer, diese Schule zu verlassen“

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 Edward König an einem seiner Lieblingsplätze im Lindauer Bodensee-Gymnasium: Mitte Februar geht der Schulleiter in Pension.
Edward König an einem seiner Lieblingsplätze im Lindauer Bodensee-Gymnasium: Mitte Februar geht der Schulleiter in Pension. (Foto: Evi Eck-Gedler)

Drahtig, energisch, helles Hemd und Jeans: So ist Edward König im Spätsommer 2014 im Lindauer Bodensee-Gymnasium angekommen, hat dort die Nachfolge des pensionierten Schulleiters Franz Breitwieser übernommen. „Miteinander statt Konkurrenz“ ist damals sein Credo gewesen. Jetzt, viereinhalb Jahre später, heißt es für den 65-Jährigen Abschied nehmen: König geht selbst in Pension. Seine Zeit in Lindau bezeichnet er rückblickend als „wundervolle Aufgabe“. Das auch vor dem Hintergrund, dass er das Bogy für die Zukunft gut aufgestellt sieht: „Das Bogy lebt, das Bogy bleibt.“

Das ist der Titel jener Hymne, die es seit geraumer Zeit im Bodensee-Gymnasium gibt. Edward König – immer noch drahtig, energisch, mit hellem Hemd und Jeans – stimmt sie kurz an. Das Bogy ist die achte Station seines Berufslebens als Pädagoge. „Und ich unterrichte gerne“, sagt der Mann, dessen Fächer Mathematik und Physik zum naturwissenschaftlichen Zweig des Gymnasiums passen. König fühlt sich schnell als Teil dieser Schule: Seine Hoffnungen aus dem Herbst 2014, hier Sympathie zu erwerben und auch etwas bewegen zu können, die hätten sich erfüllt.

Gerade „bewegen“ sei wichtig gewesen, blickt König zurück. Denn seine Zeit in Lindau begann mit einem dicken Wermutstropfen für das Bogy: Gerade 47 Buben und Mädchen waren damals für die fünfte Jahrgangsstufe angemeldet worden. „Da habe ich die Schule in einem Schockzustand erlebt“, erinnert sich König. Natürlich sei er sich bewusst, dass es bei Schülerzahlen Schwankungen gebe. Dass beim Abgang großer Abitursjahrgänge auch mal deutlich weniger Fünftklässler nachkommen.

Wichtig sei es gewesen zu zeigen, was für „ein riesiges Angebot“ das Bogy als vergleichsweise kleines Gymnasium mit rund 600 Schülern vorweise. Diese Zahl habe sich inzwischen stabilisiert. Darauf ist König hörbar stolz. Genauso wie auf „das Wahnsinnsangebot an internationalen Kontakten“ und das Alter des Bogy. Denn die Schule hat ihre Wurzeln im Jahr 1528, ist nach Königs Worten damit „eines der ältesten Gymnasien in Deutschland“.

Dem Schulleiter ist dabei durchaus bewusst, dass „Schulen mit viel Tradition oft nur schwer auf neue Wege zu bringen sind“. Beim Bodensee-Gymnasium sei das aber durchaus gelungen, freut sich König: „Das ist heute ein vitaler Organismus, der lebt.“ Dazu trage das Lehrerkollegium mit seinem „ererbten Wissen“ genauso bei wie Eltern und Schüler. Letztere werde er übrigens vermissen, gesteht König nachdenklich ein: „Natürlich ist die Jugend mal faul oder trotzig. Aber eben auch neugierig und kritisch. Und diese Vielfalt jeden Tag zu erleben – dieser Kontakt wird mir schon fehlen.“

Wer den drahtigen Mittsechziger kennt, weiß indes: In ein tiefes Loch wird ihn seine Pensionierung nicht reißen. Er denke darüber nach, seine Erfahrungen aus dem Schulalltag zu publizieren, erzählt König. Oder eine App zu programmieren. Der Pädagoge, der in den Deutschen Schulen sowohl in Montevideo als auch auf Teneriffa unterrichtet hat, kann sich aber auch vorstellen, noch einmal fürs Auslandsschulwesen aktiv zu werden. Auf jeden Fall möchte er sich in Fortbildungen für junge Kollegen engagieren.

Konkurrenz muss fair und sportlich sein

Also genug Ideen, um frohen Mutes das Berufsleben als Schulleiter hinter sich zu lassen. Und um die Zukunft des Bodensee-Gymnasiums ist König sowieso nicht bange. Auf die Frage, ob nicht die beiden kleinen Lindauer Gymnasien unter einem Dach zusammengefasst werden sollten, schüttelt der Noch-Bogy-Chef vehement den Kopf: Jede der beiden Schulen habe ihr eigenes Profil, biete ihren Schülern eine Vielzahl von Angeboten. Kooperation zwischen den beiden Gymnasien gebe es doch jetzt schon. Und Personalkosten würde ein Zusammenlegen kaum sparen, gibt König zu bedenken. Er kenne einige Orte, in denen es zwei Gymnasien gebe. Etwas Konkurrenz in solchen Fällen hält der Pädagoge für „nichts Ungewöhnliches – solange das fair und sportlich abläuft“. Das sei in Lindau immer der Fall gewesen.

„Es läuft jetzt alles gut“

Eines ist Edward König am Ende seiner Lindauer Zeit wichtig: „Es wird schwer, diese Schule zu verlassen. Aber ich fühle mich wohl, jetzt verabschiedet zu werden – weil im Bogy jetzt alles gut läuft.“

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