Vor allem Treibholz bedroht das seltene Bodensee-Vergissmeinnicht

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Redaktionsleiter

Das Bodensee-Vergissmeinnicht gibt es weltweit nur noch am Bodensee, nebst wenigen Exemplaren am Starnberger See. Deshalb soll ein Managementplan seinen Schutz garantieren. Die größte Gefahr geht aber nicht vom Menschen aus, sondern vom Treibholz.

Dass es in der Wasserburger Bucht kaum noch Bodensee-Vergissmeinnicht gibt, erklärt Biologe Wolfgang von Brackel mit den Treibholzmengen, die dort anladen. Leider sei es bisher nicht gelungen, das Treibholz auf dem See einzufangen und abzutransportieren. Deshalb werden Holz und die Arbeiten zum Abtransportieren weiterhin vor allem das Ufer am bayerischen Bodensee beeinträchtigen.

Unter den etwa 40 Interessierten kam bei einer Begehung am Wäsenufer deshalb Unmut auf. Nicht nur Nonnenhorns Bürgermeister Rainer Krauß forderte den Freistaat auf, im Maßnahmenplan die Notwendigkeit festzuhalten, etwas gegen die Holzmengen zu tun, die nach starken Unwettern aus dem Rhein direkt ans bayerische Seeufer treiben. Isolde Miller forderte, der Freistaat solle bei der Internationalen Bodenseekonferenz die Initiative ergreifen.

Denn das Treibholz hat sich bei den Untersuchungen des Biologe als das größte Problem erwiesen. Es schädigt die seltene Vegetation mehr als Menschen. Wobei vor allem die zunehmende Zahl der Lagerfeuer am Ufer auch zum Problem für Bodensee-Vergissmeinnicht, Strandling und Ufer-Hahnenfuß wird. Das Feuermachen ist am Ufer schon lange verboten, die Fachleute fordern nun aber stärkere Kontrollen.

Insgesamt sei der Zustand der Schutzflächen in der Wasserburger bucht, in der Reutiner Bucht und am Wäsen gut bis sehr gut, urteilt der Biologe von Brackel. Deshalb fordert der Managementplan auch keine schärferen Verbote. Aber man dürfe auch nicht nachlassen. So werde es noch Jahrzehnte dauern, bis die Armleuchterlagen sich vom lange viel zu hohen Phosphatgehalt des Bodensees erholt. Forderungen der Berufsfischer nach erhöhtem Phosphateintrag in den See erteilte von Brackel deshalb im Gespräch mit der LZ eine klare Absage.

Die Regierung will den Plan im Landratsamt und den Rathäusern der betroffenen Gemeinden demnächst für vier Wochen auslegen. Betroffene können dann Änderungswünsche äußern. Nach Prüfung werden die eingearbeitet oder nicht, bevor der Plan in kraft gesetzt wird.

Danach wollen sich die Behörden an die Umsetzung der Schutzmaßnahmen machen. Das gilt auch für den Plan des Vogelschutzgebiets, der vor einigen Jahren für erhebliche Unruhe am Bodensee gesorgt hatte. Der Plan ist zwar in Kraft, sagte Claudia Eglseer von der Regierung von Schwaben, die Umsetzung habe mangels Personalkapazität aber bisher noch nicht begonnen.

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