Vom Chemielabor auf die Bühne

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Vom Chemielabor auf die Bühne
Vom Chemielabor auf die Bühne (Foto: Florian Ilgen)
Schwäbische Zeitung

Eine Reise nach Australien hat für den damaligen Chemiestudenten Florian Ilgen alles verändert: Statt wie geplant als Doktor der Chemie Karriere zu machen, steht er mittlerweile als Gedankenleser und Motivator auf der Bühne und tourt damit durch Deutschland und die Schweiz. Am Dienstag, 18. September, wird Ilgen mit seiner Mental- Show „Glücksmoment“ in Heerbrugg in der Schweiz zu sehen sein. Im Gespräch mit Luisa Gruber erzählt der gebürtige Lindauer nicht nur, wie er zu diesem Beruf gefunden hat, sondern auch, was er den Menschen mit seinem Auftritten mitgeben will und wie sein Umfeld auf seine neuen beruflichen Ziele reagiert hat.

Herr Ilgen, was haben Ihre Eltern zu dem Berufswechsel gesagt?

„Ohhhh Gott!“ Das trifft wohl am ehesten die Reaktion meiner Eltern auf die für sie nicht nachvollziehbare Entscheidung nicht der Chemie-Karriere nachzugehen. Mein Publikum war eindeutig begeisterter als die beiden. Man muss wissen, meine Eltern kommen aus einer Generation, der es wichtig war, was die Nachbarn denken. Wenn man denen nun erzählt, dass der Sohn studiert hat, ein Stipendium für den Doktor bekam und in Chemie promoviert hat, sich jetzt aber als Mentalist selbstständig macht, dann waren damals die Fragenzeichen in den Augen der Nachbarn größer als die der Zuschauer meiner Mentalshows heute. Jetzt sieht alles anders aus. Früher reagierte meine Mutter immer auf die neuesten Geschäftsideen meinerseits mit einem fürsorglichen und hoffnungsvollen: „Der Burli wird schon wissen, was er macht!“

Was ist denn in Australien passiert, dass Sie ihr Leben danach in eine ganz neue Richtung gelenkt haben?

Vor rund 13 Jahren trat ich während meines Hauptstudiums ein Chemie-Praktikum in Australien an. Nach dem Aufenthalt an der Uni in Canberra begab ich mich auf eine Rucksacktour. Dabei lernte ich den Kanadier Ian Yelle kennen – interessanterweise seines Zeichens Chemie-Ingenieur. Wir tourten gemeinsam von Hostel zu Hostel und durchquerten das Outback. Ian verstand es, Menschen in den Hostels oder am Strand mit Illusionen wie Hypnose, Suggestion, Zauberkunststücken und dem Lesen von Körpersprache zu begeistern. Das verblüffte und begeisterte mich gleichermaßen. Verraten, wie er das bewerkstelligte, wollte er mir jedoch nicht. Genau das weckte meine wissenschaftliche Neugier. Ich wollte unbedingt wissen, wie das alles geht. Zurück in München beschäftigte ich mich exzessiv mit dieser faszinierenden Materie und wie aus dem Nichts wurde ein neues Hobby geboren. Ein Hobby, welches Jahre später meine Berufung und Leidenschaft werden sollte.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem Sie den Entschluss gefasst haben, nicht in der Chemie sondern im Entertainmentbereich Karriere zu machen?

Nein, den gab es so nicht direkt. Es dauerte tatsächlich weitere fünf Jahre kontinuierlichen Trainings, spielerischen Ausprobierens und Übens, bis es plötzlich „Klick“ machte und ich eine große Erkenntnis für mich hatte. Als ich meine Doktorarbeit in Regensburg in Organischer Chemie begann, war für mich absolut klar und in Stein gemeißelt, dass ich Laborleiter bei BASF, Bayer, Novartis oder einer anderen chemischen oder pharmazeutischen Firma werde. Mitten in der Promotion – nachdem ich in Regenburg mehrere öffentliche Auftritte hatte – wurde mir klar, dass ich mit dieser besonderen Unterhaltungsform etwas gefunden habe, was mich und andere Menschen absolut fasziniert und inspiriert. Aus diesem Grund beschloss ich, den Doktortitel mit maximaler Geschwindigkeit zu holen, um mich sehr fokussiert meiner Leidenschaft zu widmen.

Welche Tätigkeiten begeistern Sie an diesem Beruf am meisten?

Das allererste Feuer entfachten noch moderne Zauberkunststücke und vor allem die Möglichkeit, Menschen mit Außergewöhnlichem zu begeistern. Seit vielen Jahren zaubere ich nicht mehr und habe mich dem spannenden Metier des Gedankenlesens verschrieben. Ich will wissen, wie Menschen ticken, was sie denken und was unsere Körpersprache über uns verrät. Bei den Vorträgen geht es mir hauptsächlich um das Verlassen der Komfortzone. Ich inspiriere gerne Menschen, auf die eigene Leidenschaft zu setzen, Vorhaben anzugehen und nicht als scheinbar unerreichbare Ideen ‚versauern‘ zu lassen. Wenn wir unsere Herzenswünsche mit Mut und Leidenschaft angehen, erreichen wir das Unmögliche und steigern unsere Lebensqualität um ein Vielfaches. Andere Menschen zu motivieren und zu ermächtigen, diesen essentiellen Weg außerhalb der Komfortzone zu gehen, erfüllt und bestärkt mich, dass ich selbst auf dem richtigen Weg bin, das Nichtkonventionelle erfolgreich durchzuziehen und dabei großen Spaß zu haben.

Was wollen Sie dem Publikum durch Ihre Vorträgen mitgeben?

Dass es sich lohnt, mutig zu sein und Veränderung einzugehen. Es ist schon spannend: Alle Menschen wollen Veränderung, aber keiner will sich dann wirklich verändern. Erst sollen sich die anderen verändern, ein Wagnis eingehen, dann machen wir es nach, falls es bei den anderen klappt. So werden keine Gewinner geboren und keine Preise gewonnen. In meinem Vortrag „Digital Mindset“ erkläre ich den Teilnehmern, was es mit der Verlustaversion auf sich hat und wie wir es doch schaffen, die Hürde der Veränderung, die Gefilde des Unbekannten und Neuen zu meistern. In den Vorträgen klären wir die Frage, was 85 Prozent aller Arbeitnehmer falsch machen und wie wir von Kindern lernen können, um effektiv zu arbeiten und gleichzeitig dabei erfüllt zu leben.

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