Vivaldis vier Jahreszeiten à la Gino Castelli begeistern

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Das Berliner Kammerorchester „Stringstide“, Beatrix Löw-Beer und Komponist Gino Castelli verabschieden sich aus Lindau.
Das Berliner Kammerorchester „Stringstide“, Beatrix Löw-Beer und Komponist Gino Castelli verabschieden sich aus Lindau. (Foto: sd)

Das fünftägige Festival Musica in der Inselhalle Lindau ist am Sonntagabend mit dem beeindruckenden Konzert „The Four Seasons Projekt“ zu Ende gegangen.

Antonio Vivaldi war so etwas wie ein Rockstar seiner Zeit. Er kam aus ärmlichen Verhältnissen und erhielt als einziges der acht Kinder seiner Familie eine musikalische Ausbildung. „Zum Glück“, wie Gino Castelli sagt. Denn sonst wäre der musikalischen Welt ein so wunderbares Werk wie „Le quattro stagioni“ – „Die vier Jahreszeiten“ – entgangen. Es sind vier Violinkonzerte in je drei Sätzen, die jeweils für eine Jahreszeit stehen und eine vollständige Geschichte erzählen.

Der italienische Komponist und Produzent Castelli wollte eine völlig neue Version von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ schreiben. Es sollte Vivaldi zur Ehre gereichen und dennoch genug Gino Castelli in sich tragen. Wie gut ihm das gelungen ist, konnten die Zuhörer in der Lindauer Inselhalle erleben. Gemeinsam mit dem Berliner Kammerorchester Stringstide, und Beatrix Löw-Beer als Solistin an der ersten Geige, führte Castelli eine gelungene Mischung barocker und postmoderner Harmonien zusammen.

Der Beginn des Konzertabends war echt Vivaldi. Von Geige, Cello und Klavier gespielt. Nach der Pause trat das vollständige Kammerorchester auf die Bühne und nun gab es die „Vier Jahreszeiten“ so interpretiert, wie Castelli sie versteht und sieht. Der „Frühling“ sei Vivaldi, den Rest habe er „umgemodelt“, wie er verriet. „Ich hoffe, ich treffe Ihren Geschmack“, sagte er zum Publikum und stellte sich dann aufgeregt wie ein kleiner Junge in den hinteren Bereich der Inselhalle. Das fachkundige Publikum, das ausnahmslos an den richtigen Stellen klatschte, war begeistert. Das hat gerockt, da war jede Menge Tempo zu spüren, treibender Sound, kraftvoll, lebensbejahend, heiter, dann wieder zum Weinen schön, temperamentvoll und naturgewaltig. Die schönen Bilder, die dazu über die Leinwand liefen, sorgten zusätzlich für Emotionen. Nach dem Murmeln der Quellen und dem Rauschen sanfter Winde brach plötzlich ein Frühlingssturm los, mit Donner im ganzen Orchester und hochvirtuosen Blitzen der Solovioline. Die matten, schleppenden Akkorde des Sommers waren in Anbetracht der herrschenden Sommerhitze gut nacherlebbar. Sie bauten eine Spannung auf, die sich urplötzlich in einem virtuosen Solo entlud. Der Herbst kam schlicht daher, übermütig und in Teilen zusammenhangloser. Bis der Winter mit einem dissonanten Staccato begann und eine kältestarrende Atmosphäre brachte.

Für den Veranstalter Albert Schmid von der Messe-Süd aus Vogt waren es fünf gute Tage: „Es war ein Experiment, niemand konnte voraussagen, wie gut die Konzerte angenommen werden würden. Ich wollte für jeden Geschmack etwas bieten.“ Unterm Strich ist er zufrieden. Und selbst begeistert von der gebotenen Musik.

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