Visionen für eine friedliche Welt

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Schwäbische Zeitung

Eigentlich stand die Matinee der Friedensräume unter der Überschrift „Nicht müde werden... vom Gehen, dem Weg und den Zeichen des Friedens“. Doch just in dem Moment, als Festredner Walter Buder in seinem gleichnamigen Vortrag von den Zeichen sprach, erschien am dunkelblauen Frühlingshimmel ein weißer Zeppelin. „Visionen leben“ war für die zahlreichen Besucher in schwarzen Lettern darauf zu lesen. Und keine andere Aufforderung hätte zu dieser Matinee besser gepasst.

Entsprach es doch im Grunde genau dem, was Oberbürgermeister Gerhard Ecker und Bezirkstagvizepräsident Alfons Weber zuvor über die Friedensräume gesagt hatten, wozu der Gastredner aufrief. Und obendrein dem, was die Friedensbewegung von Anfang bis heute ausmacht.

„Engagement ist getragen davon, dass etwas Sinn macht – egal, wie lange es dauert, betonte Josefa Britzelmeier-Nann, Diözesenvorstand des „Pax Christi Augsburg“, als sie die zahlreichen Gäste begrüßte, die in die Villa Lindenhof gekommen waren. Mit diesen Worten richtete sie sich nicht allein an die vielen ehrenamtlich Engagierten, die das Museum wie auch sein Programm Jahr um Jahr möglich machen. Gleichermaßen nahm sie damit auch die Geschichte der deutschen Friedensbewegung in den Blick. Sie ist Thema jener neuen und interaktiven Installation „Geschichte der Friedensbewegung“, die seit langem zwar geplant, aber erst mit der Saisoneröffnung im „Werkraum“ der Friedensräume zu sehen ist. „Was lange währt, wird endlich gut“, pries sie das „Highlight“ der Saison und könnte damit auch der Hoffnung der Friedensbewegung Ausdruck verliehen haben.

Lernen aus der Geschichte steht im Mittelpunkt

Dass aber auf jeden Fall das Friedensmuseum selbst „weit über Schwaben hinaus einzigartig ist“, würdigte Bezirkstagvizepräsident Alfons Weber. Die Friedensräume seien es, die „Visionen für eine friedlichere Welt“ lebten und „unbequeme Fragen“ stellten, was sich wiederum im diesjährigen Programm niederschlage, das Weber stichpunktartig nannte. Bei ihrer Arbeit stünde auch immer wieder das Lernen aus der Geschichte im Mittelpunkt, was sich heuer im Lindau bezogenen Vortrag von Karl Schweizer niederschlagen werde. Auch, dass sich die Friedensräume immer wieder aufs Neue um die Friedenserziehung von Kindern, Schulklassen und Jugendlichen bemühe, lobte Weber. „Achtsames und friedvolles Miteinander muss von klein auf vermittelt werden“. Ganz abgesehen davon, dass die Friedensräume mit ihrem Museum den „Friedensvisionen einen Raum“ geben. „Kaum zu glauben, dass dies alles durch das Ehrenamt getragen wird“, meinte er und versicherte: „Der Bezirk Schwaben wird auch weiterhin die Personalsicherstellung gewähren.“

Auch Lindaus Oberbürgermeister Gerhard Ecker erwies sich als bekennender Freund der Friedensräume. Schon allein deshalb, weil er bereits zum sechsten Mal in Folge bei der Saisoneröffnung dabei war. Deshalb eröffnete er seine Grußworte mit dem Zitat, „Stell dir vor es ist Krieg und keiner geht hin“, das Carl Sandburg bereits 1936 schuf und das die Friedensbewegung der 1980er Jahre erst in aller Munde brachte.

Damit spannte Ecker den Bogen zur neuen Friedensinstallation im Werkraum, betonte jedoch, dass diese Worte, angesichts der zahllosen Kriege in der Welt und jüngsten Terrorattentate, keineswegs an Aktualität verloren hätten. „Die vergangenen Jahre gehören zu den blutigsten in der Geschichte und wir sitzen zu Hause und denken wir sind nur Zuschauer“. Umso wichtiger seien jene Menschen, die sich für den Frieden engagierten, würdigte er das Engagement der Friedensräume und schloss: „Denn es herrscht viel zu viel Krieg in dieser Welt und viel zu viele gehen hin.“

„Umso wichtiger ist es für uns immer wieder zu bestärken, dass Friedensarbeit einen langen Atem braucht“, antwortete Britzelmeier-Nann. Der Vortrag vom Bregenzer Theologen, Autor, Dichter und Friedensradfahrer Walter Buder wiederum macht eben dazu Mut und bestärkte darin, den Krieg in jeder Form und alle Kriegsrüstung aktiv zu verhindern sowie den Krieg als Mittel der Politik völlig auszuschließen. Und zwar in Hilde Domin´s Sinne, ganz und gar ohne Aggression, dafür aber „dem Wunder, leise wie einem Vogel, die Hand hinhalten“.

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