Vier Stunden Wartezeit in der Notaufnahme trotz leeren Wartezimmers - Krankenhaus wehrt sich

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 So leer war der Wartebereich der Notaufnahme im Lindauer Krankenhaus nur vor der Eröffnung. Jetzt beklagen Patienten überlange
So leer war der Wartebereich der Notaufnahme im Lindauer Krankenhaus nur vor der Eröffnung. Jetzt beklagen Patienten überlange Wartezeit dort. (Foto: Archiv: rue)
Hildegard Nagler

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat an der Asklepios Klinik Lindau im September eine Bereitschaftspraxis eröffnet. Sie soll die Anlaufstelle für Patienten sein, die nicht lebensbedrohlich krank oder verletzt sind. Wer nicht in der Notaufnahme behandeln werden muss, aber außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten seines Hausarztes eine ambulante medizinische Versorgung braucht, ist dort richtig. Sie ist an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils von 9 bis 21 Uhr und Mittwoch und Freitag jeweils zwischen 16 und 21 Uhr am Standort Friedrichshafener Straße 80 a im Erdgeschoss auf dem Klinikgelände geöffnet. Telefonisch ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst kostenlos und vorwahlfrei unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar.

Dass Patienten in der Notaufnahme des Lindauer Krankenhauses warten müssen, führt immer wieder zu Beschwerden. So hat sich auch jetzt ein Patient an die Lindauer Zeitung gewandt, der mit einer blutenden Platzwunde mehr als vier Stunden im Wartezimmer saß. Die Bereitschaftspraxis war zu der Zeit nicht geöffnet.

Um 18.40 Uhr betritt ein Mann gemeinsam mit seinem 31-jährigen Sohn die Asklepios Klinik in Lindau - der 31-Jährige hat eine Eisenstange an den Kopf bekommen und eine blutende Platzwunde davongetragen. Nur ein weiterer Mann sitzt bereits seit einer halben Stunde im Wartezimmer – er hat sich mit einem Cuttermesser einen rund sechs Zentimeter langen und einen Zentimeter tiefen Schnitt im Fuß zugezogen.

Wir haben uns schon überlegt, in ein anderes Krankenhaus zu fahren.

Notfallpatient

Vier Stunden und zehn Minuten später, also um 22.50 Uhr, verlassen Sohn und Vater das Krankenhaus – die Platzwunde selbst war nach Angaben des Vaters in sieben Minuten versorgt. Der andere Patient gibt an, dass er die Klinik um 23 Uhr verlässt. Seinen Angaben zufolge sollte er vor der rund zehn Minuten dauernden Behandlung einen mit Desinfektionsmittel getränkten Tupfer auf seine Wunde halten.

Wäre das Wartezimmer voll gewesen, hätten alle drei Verständnis für die stundenlange Wartezeit gehabt, wie sie betonen. Aber so? „Etwa eine dreiviertel Stunde, nachdem ich ins Krankenhaus gekommen war, hieß es, ein Notfall sei gekommen. Wir müssten eine Stunde warten“, sagt der Patient mit der Schnittverletzung. Dass daraus gleich mehrere Stunden werden sollten, ist für alle Drei nicht nachvollziehbar. „Irgendetwas läuft da nicht richtig“, sagt der Vater.

Notaufnahme ist für Notfälle gedacht

Das sieht Asklepios-Pressesprecher Christopher Horn anders. „Es ist darauf hinzuweisen, dass die Notaufnahme der Klinik primär für die Versorgung von schwer erkrankten Patienten mit der notfallmäßigen Notwendigkeit einer stationären Aufnahme vorgesehen und eingerichtet ist. Hierfür wird eine entsprechende ärztliche und pflegerische Besetzung vorgehalten“, schickt er voraus, um dann weiter zu erklären:

Nach der Ankunft in der Notaufnahme seien die Patienten „im Rahmen einer Ersteinschätzung nach Vorbild des sogenannten Manchester-Triage Systems in fünf Kategorien von ,leicht‘ bis ,schwerstverletzt‘ eingeteilt und auch nach dieser Reihenfolge behandelt“ worden, sagt Horn.

„An dem genannten Tag/Zeitraum war das Team unserer Notaufnahme durch die Versorgung mehrerer akuter Notfälle gebunden. Das hat für die Patienten mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen zu längeren Wartezeiten geführt.“

An dem genannten Tag/Zeitraum war das Team unserer Notaufnahme durch die Versorgung mehrerer akuter Notfälle gebunden. Das hat für die Patienten mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Erkrankungen zu längeren Wartezeiten geführt.

Christopher Horn, Sprecher Asklepios

Die betroffenen Patienten im Wartebereich seien durch das Stationspersonal nach der Ersteinschätzung darüber informiert, dass aufgrund der Notfälle mit einer Wartezeit zu rechnen ist. Horn: „Es wurden Kühlpads ausgegeben sowie Liegemöglichkeiten angeboten. Während der Wartezeit ist unser Stationspersonal mehrfach in den Wartebereich gegangen, um die Betroffenen weiter zu informieren und sich nach deren aktuellem Befinden zu erkunden. Auch der behandelnde Arzt hat sich im Nachgang der Behandlung für die längere Wartezeit entschuldigt.“

Der Patient mit der Schnittverletzung habe laut Akte weniger Zeit im Krankenhaus verbringen müssen als angegeben, sagt Horn. Das dementieren die beiden anderen Wartenden, der Vater und sein verletzter Sohn.

Krankenhaus zeigt Verständnis

Dass es zu längeren Wartezeiten gekommen sei, sei bedauerlich, sagt Horn: „Wäre es mir persönlich passiert, wäre ich wahrscheinlich auch angesäuert.“ Aufgrund der Tatsache, dass sich die Reihenfolge der Behandlung in einer Notaufnahme eben ausschließlich nach dem Schweregrad der Erkrankung der eintreffenden Patienten richtet, lasse sich aber eine längere Wartezeit nicht immer vermeiden: „Diese Herausforderung haben nicht nur wir, sondern alle Notaufnahmen in Deutschland zu bewältigen.“

Er weist darauf hin, dass die Klink kontinuierlich dabei sei, „die Abläufe in unserer Notaufnahme weiterentwickeln und die Kommunikation zu verbessern. Dabei nehmen wir Kritik und Anregungen von unseren Patienten sehr ernst“. Den betroffenen Patienten empfiehlt er deshalb, eine Beschwerde an das Beschwerdemanagement der Asklepios Klinik Lindau zu richten, um diese „angemessen bearbeiten und den Betroffenen auch eine persönliche Rückmeldung geben zu können“.

Patient will sich ans Beschwerdemanagement wenden

Für den 31-Jährigen ist es, wie er betont, „selbstverständlich“, dass Notfälle Vorrang haben. Er sagt aber auch, dass er, sein Vater und der andere Patient nur einmal vom Klinikpersonal informiert worden seien. Nach eineinhalb bis zwei Stunden Wartezeit habe er selbst nachgefragt, wie lange es noch dauere, bis er behandelt werde. „Wir haben uns schon überlegt, in ein anderes Krankenhaus zu fahren.“ Nach dem Befinden habe sich nach der Ersteinschätzung niemand mehr erkundigt. Der junge Mann hat angekündigt, dass er sich ans Beschwerdemanagement wenden will – „in der Hoffnung, dass sich doch etwas verbessert“.

Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) hat an der Asklepios Klinik Lindau im September eine Bereitschaftspraxis eröffnet. Sie soll die Anlaufstelle für Patienten sein, die nicht lebensbedrohlich krank oder verletzt sind. Wer nicht in der Notaufnahme behandeln werden muss, aber außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten seines Hausarztes eine ambulante medizinische Versorgung braucht, ist dort richtig. Sie ist an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils von 9 bis 21 Uhr und Mittwoch und Freitag jeweils zwischen 16 und 21 Uhr am Standort Friedrichshafener Straße 80 a im Erdgeschoss auf dem Klinikgelände geöffnet. Telefonisch ist der Ärztliche Bereitschaftsdienst kostenlos und vorwahlfrei unter der bundesweit einheitlichen Telefonnummer 116117 erreichbar.

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