Verwitweter Raufbold setzt der Schwanenfamilie vom Köchlinweiher zu

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Zwei ausgewachsene Schwäne schwimmen neben drei kleinen Schwänen.
Drei Tage lang braucht Vater Schwan, um sich von der Attacke eines Witwers zu erholen. Der Schwanenkönig vom Bleicheweiher macht üblicherweise kurzen Prozess mit Fremden. (Foto: Werner Schönberger)
Lindauer Zeitung

Ob Jung oder Alt, die Menschen freuen sich jedes Jahr aufs Neue, wenn das Schwanenpaar im Köchlinweiher anfängt, ein Nest zu bauen. Dabei nehmen einige auch Verantwortung auf sich, stellen sich gleichzeitig aber verständlicherweise die Frage, ob wohl alles gut geht, wie lange es denn dieses Jahr dauern wird, und wann die Schwanenfamilie in Richtung Bodensee aufbricht. Jahr für Jahr ist Werner Schönberger mit dabei. Er hat die Geschichte der Schwanenfamilie in diesem Jahr für die LZ aufgeschrieben.

Ehrlich gesagt, man kann es kaum erwarten, bis das Schwanenpaar seinen Nachwuchs präsentiert. Wie viel Kinder werden es wohl dieses Jahr sein? Es waren drei. Aber heuer musste man doch sehr lange darauf warten, bis sich das Schwanenpaar mit seinen Jungen aufmachte, um vom Köchlinweiher in den Bodensee zu kommen. Hier im Weiher fehlte es der Schwanenfamilie an rein gar nichts. Wurden sie doch von allen Seiten sehr liebevoll bemuttert und mit Brot verköstigt. Gerade in diesem Jahr trug das dazu bei, dass es ihnen mit ihrer Abreise zum See gar nicht so richtig ernst war.

Werner Schönberger begleitet die Schwanenfamilie und muss den Schwanenvater auch vor einem Unhold retten.
Werner Schönberger begleitet die Schwanenfamilie und muss den Schwanenvater auch vor einem Unhold retten. (Foto: Fotos: Werner Schönberger)

Als sich die Familie letztlich doch noch aufraffen konnte, den beschwerlichen Fußmarsch vom Köchlinweiher zum Bodensee anzutreten, legten sie wie immer erst eine Zwischenstation im Bleicheweiher ein, um neue Kräfte zu schöpfen. Aber sie konnten nicht wissen, dass auch Schwan Bodo da war, wie ihn die Bewohner liebevoll nennen. Seine Frau und ein Kind kamen vor ein paar Jahren am Bahnübergang Bregenzer Straße durch einen Zug ums Leben. Seitdem baut er jedes Jahr sein Nest im Bleicheweiher und wartet immer noch geduldig auf seine Frau. Sonst war er um diese Zeit immer schon fort.

Dass ihm die Neuankömmlinge gar nicht passten, ist irgendwie auch verständlich. Vehement versuchte er, seinen Rivalen aus seinem Revier zu vertreiben. Er attackierte den Schwanenvater so gewaltig, dass er ihn halbtot seinem Schicksal überließ. Da musste natürlich ernsthaft gehandelt werden. So etwas geht gar nicht. Das gleiche Drama habe ich auch schon am Wörthersee miterlebt. Da haben wir durch forsches Handeln den Schwan aus dem See geholt.

Auch hier brachte ich den Familienvater vor dem Wüterich in Sicherheit, und Bodo wurde von Stefan Haas aus dem Weiher geholt und in eine nahegelegene Hütte gebracht, sodass er kein Unheil mehr anrichten konnte.

Nachdem sich der zerzauste Schwanenvater von seiner Niederlage erholt hatte, bracht ich ihn wieder zu seiner Familie in den Weiher zurück. Jetzt konnte ich nur noch warten, bis sich die Familie von selbst auf den Weg zum See machte. Das hat aber gedauert. Erst am späten Nachmittag des dritten Tages war es dann endlich soweit. Die Schwanenfamilie wurde von Ingrid Ruf und mir auf den Weg zum See gebracht.

Nachdem wir den Bahnübergang in der Bregenzer Straße nicht mehr nehmen konnten, habe ich schon vorher Ausschau gehalten, wo wir die Schwäne am ungefährlichsten zum See bringen können. Der Tannhofweg war dazu am besten geeignet. Von dort aus konnten wir die Schwanenfamilie in die Ach geleiten. Sicher waren alle erleichtert, auch die Schwanenfamilie, und wir waren mächtig stolz und noch überglücklich obendrein, dass sich nach den vielen unvorhergesehenen Strapazen doch alles zum Guten gewendet hat. Auch für Bodo, den ich dann nach drei Tagen wieder aus der Hütte befreite, war das Ganze sicher nur ein Traum. Mit mächtigen Flügelschlägen zog er über den See: der Schwanenkönig vom Bleicheweiher.

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