Verein kritisiert mangelndes historisches Interesse

Lesedauer: 6 Min
Die wiedergewählte Vorstandschaft des Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseums Lindau (von links): der Vorsitzende Stefan Stern, Vize
Die wiedergewählte Vorstandschaft des Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseums Lindau (von links): der Vorsitzende Stefan Stern, Vize Hans Stübner und Kassierer Dieter Speidel. (Foto: Christian Flemming)
Christian Flemming

Die Mitglieder des Vereins Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Lindau haben sich zur vierten Hauptversammlung getroffen. Zu Gast war Meinrad Gfall, der ehemalige Chef der Stadtgärtnerei, aktuell Geschäftsführer von „Natur in der Stadt“, der GmbH für die Lindauer Gartenschau 2021. Er stellte das Konzept für die Gartenschau vor und gab einen Ausblick für eine Bebauung der Hinteren Insel nach der Gartenschau.

Mit seinen 74 Mitgliedern ist der Verein noch einer der kleineren in Lindau, aber auch einer der jüngsten. Von anfangs 39 Mitgliedern und 484 Unterstützern ist er aber in den wenigen Jahren stetig gewachsen, aktuell kann der Verein auf 939 Unterstützer verweisen.

Der Vorsitzende Stefan Stern, der gemeinsam mit Hans Stübner als Stellvertreter und Dieter Speidel als Kassierer für zwei weitere Jahre wiedergewählt worden war, beschrieb dies als erfreuliche Mitgliederentwicklung, ebenso die Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr. Zusammen mit neun weiteren Vereinen, die sich der Geschichte Lindaus und des Landkreises verschrieben haben, hat der Verein Eisenbahn- und Schifffahrtsmuseum Ende Januar das „Netzwerk Denkmalpflege Stadt und Landkreis Lindau“ gegründet.

Stern erinnerte an den Schwäbischen Heimattag im vergangenen September, bei dem Festredner Christoph Hölz festgestellt habe, die Geschichte Lindaus sei so eng mit der Bahn verbunden, diese Geschichte müsste lesbar bleiben, was nach Ansicht Sterns aber niemanden in der Stadtverwaltung interessiere. An der Stadt hatte er aber mehr auszusetzen. So käme etwa keine Antwort auf Anfragen, ob die Stadt bei der Suche nach einem Depot helfen könne oder gar selbst Räumlichkeiten dafür zur Verfügung stellen könne. Der Verein ist laut Stern noch immer auf der Suche nach seinem Museum, genauer nach Räumen, die dauerhaft als Museum für die Eisenbahn- und Schifffahrtsgeschichte Lindaus und Umgebung genutzt werden könnten. Bisher diene lediglich ein Schaufenster in der Cramergasse als Ausstellungsort, doch auch das falle bald weg.

Da die Sammlung an Exponaten und Dokumenten zur Eisenbahn und Schifffahrt immer größer werde – 700 Dokumente und mittlerweile 300 Objekte – sei ein Depot unumgänglich und baldmöglichst zu realisieren. Aber auch da käme vonseiten der Stadt nichts.

Die Ausstellung „Die Eisenbahn fährt über den See – 150 Jahre Trajektschifffahrt am Bodensee“ in der Eilguthalle fand großes Interesse berichtete der Vorsitzende, vor allem durch Rainer Fügens Schiffsmodelle hätte das Ganze sehr anschaulich dargestellt werden können.

Kritik an künftigem Inselbahnhof

Kritisch äußerte sich Stern über die städtebauliche Entwicklung des Inselbahnhofs, da das Gebäude künftig nicht mehr im Kontext zur Bahn stehe und dadurch ein beliebiges Gebäude würde, das dann auch noch zugebaut werde, so der Vorsitzende. Lindau sei die einzige Kleinstadt mit einem derart großen Bahnhof, das ginge verloren, da die Bahngleise vorverlegt würden. So würde die Bahngeschichte völlig überbaut werden und verschwinden, so die große Befürchtung Stefan Sterns.

Bei Meinrad Gfalls Vortrag über die Planungen der Gartenschau wurde diese nicht zerstreut. Dem Wunsch, beispielsweise der Drehscheibe irgendwie mit Blumenrabatten ein Gesicht zu verleihen, erteilte der ehemalige Stadtgärtner eine Absage: „Wir haben da lange überlegt, aber nur ein paar Blümchen hin zu setzen, das ist zu platt.“ Er gestand ein, dass auch nach langen Überlegungen kein schlüssiges Konzept eingefallen wäre. Bei der Umgestaltung des Schützingerwegs, der breiter und zum Bahnhof her transparenter gemacht werden soll, wurden plötzlich Proteste laut. Auf Nachfrage, ob die Hecke da wegkäme, was wohl in Teilen tatsächlich der Plan sei, hieß es, hier sei bereits ein Einspruch im Kommen. Was den Gartenschaugeschäftsführer nicht wirklich begeisterte, hörte er in diesem Moment zum ersten Mal davon: „Wenn wir nach jahrelanger Planung unter Miteinbeziehung der Bevölkerung dann kurz vor Schluss einen solchen Schuss vor den Bug bekommen, können wir die ganze Sache eigentlich vergessen“. Er betonte noch einmal die Wichtigkeit, dass der vor allem in diesem Bereich enge Weg unter Wegnahme der Hecke breiter und lichter werden solle, damit auch der Blick auf Bahnhof und Eisenbahn geöffnet werden solle und umgekehrt von dort auf See und Berge. Im Übrigen sei jeder Förderverein aufgerufen, sich maximal mit einzubringen und dadurch die Möglichkeit schaffen, sich und seine Arbeit präsentieren zu können.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen