Verantwortungselite gesucht

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 Am Bogy begrüßen Landrat Elmar Stegmann (links) und Oberstudiendirektor Peter Kempf die neue Schulleiterin Jutta Merwald.
Am Bogy begrüßen Landrat Elmar Stegmann (links) und Oberstudiendirektor Peter Kempf die neue Schulleiterin Jutta Merwald. (Foto: Bogy)
Lindauer Zeitung

In Anwesenheit von Landrat Elmar Stegmann, dem Kollegium des Bodensee-Gymnasiums (Bogy), den Vertretern des Elternbeirats und den Schülersprechern wurde die neue Schulleiterin, Oberstudiendirektorin Jutta Merwald, im Rahmen einer Konferenz offiziell in ihr neues Amt eingeführt.

Nach einem Grußwort des Landrats, der die Leistungen des Sachaufwandsträgers für die Schulen in der „Bildungsregion Bayern“ betonte und der Schulleiterin viel Erfolg und Freude in diesem herausfordernden Amt wünschte, erfolgte die Amtseinführung durch Oberstudiendirektor Peter Kempf.

Der Ministerialbeauftragte für die Gymnasien in Schwaben würdigte die bisherige umfangreiche Berufsbiografie der neuen Schulleiterin und deren überaus facettenreiches Leistungsprofil an verschiedenen Einsatzorten Bayerns, die sie in besonderer Weise für das Schulleiteramt befähige. Insbesondere hob er ihr beispielhaftes Engagement in der analogen und digitalen Leseförderung und der ethischen und gesellschaftspolitischen Werteerziehung hervor.

Ausgehend vom Bogy-Slogan „Wir bilden die Zukunft. Seit 1528“ stellte die neue Schulleiterin in ihrer Ansprache die Situation des Gymnasiums in den Mittelpunkt ihrer Überlegungen: Gewaltige gesellschaftliche Herausforderungen bedeuteten für diese Schulform auch gewaltige Anstrengungen. Merwald sagte: „Wir leben in einer Zeit, in der die Erwartungen an die Leistungsfähigkeit des Einzelnen in noch nie dagewesener Weise ständig rasant steigen. Die Rasanz des Wandels provoziert nicht nur eine zunehmende Orientierungslosigkeit und den Verlust eines gesellschaftlichen Wertekonsens, sondern erreicht auch die Belastungsgrenze für den Einzelnen.“

In einer Zeit, in der die äußeren Formen von Anstand und Wertschätzung zu bloßen Formeln und Floskeln verkümmerten, seien Pädagogen gefordert, diese durch ihr Vorbild wieder salonfähig zu machen, sagte Merwald. Die Heterogenität der Gesellschaft und damit auch der Schülerschaft mit vielen verschiedenen Wertvorstellungen und Lebensentwürfen verlange der Schule neue Wege der Annäherung ab. Sie müsse sich breiter aufstellen, weiter öffnen, um Barrieren zu überwinden.

Wie das konkret geschehen könnte, legte Merwald in einem Aufgabenkatalog für die Schule und sie als Schulleiterin dar: „Indem wir das Wort vom zivilgesellschaftlichen Engagement nicht nur im Mund führen, und uns zur Vielfalt statt ‚Einfalt’ bekennen. Indem wir Respekt vor der Individualität jedes Einzelnen vorleben, der seinen persönlichen Fingerabdruck in der Schulgemeinschaft hinterlassen darf. Indem wir horizontales Teamdenken statt vertikaler Hierarchien fördern, statt dem Ich das kollegiale Wir propagieren, uns als Teamplayer verstehen, in einer Zeit, in der die Monarchen und Einzelkämpfer endgültig ausgedient haben sollten. Und indem wir eine Kultur der Toleranz, des wertschätzenden Austauschs, der Gewalt- und Angstfreiheit pflegen, eine Kultur, die über die Schulgrenzen in unsere Zivilgesellschaft hinausgreift. Indem wir, last but not least, Wertebildung und -erziehung, den scheinbar altmodischen Begriff Herzensbildung mit Leben füllen und einer fundierten Allgemeinbildung oberste Prioriät einräumen.“

Dabei habe das Gymnasium gleichzeitig den Anspruch, nicht in erster Linie den Spezialisten erzeugen zu wollen, sondern den Generalisten, der auf einem möglichst breiten und nicht bloß oberflächlich verankerten Fundament gesichert ruhe. „Nur unter dieser Voraussetzung dürfen wir noch das Prädikat ,Elite’ in Anspruch nehmen. Zumal wir in einer Zeit des hemmungs-, maß-, rücksichts- und haltlosen Egoismus Eliten brauchen, die sich als Verantwortungseliten begreifen. Das heißt Menschen, deren erklärtes Lebensziel sich nicht in der Anhäufung von materiellem Wohlstand und von gesellschaftlichen Privilegien erschöpft“, sagte Merwald.

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