„Veggie Day? Gerne – aber freiwillig!“

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Veggie Day auch für Lindau?
(Foto: Archiv/Erwin Wodicka)

Lindenberg macht es vor: In nur wenigen Wochen wird der Donnerstag zum offiziellen Veggietag. An diesem Tag erweitern die Gastronomen die wöchentlichen Speisekarten um ein vegetarisches Gericht. Mehr als ein Dutzend Wirte haben sich schon bereit erklärt, bei der Aktion mitzumachen (wir berichteten). Die Lindauer Zeitung wollte wissen, ob das Konzept auch für Lindau denkbar wäre – und hat lokale Vertreter aus Stadt, Politik, Gastronomie und Landwirtschaft nach ihrer Meinung gefragt.

Stephan Grättinger, Lindauer Sprecher des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands und Inhaber der Gaststätte Zum Sünfzen

„Der Fleischverbrauch ist viel zu hoch, gerade in unserer regionalen Küche, das hat eine jahrhundertealte Tradition. Vor allem seit der Zeit des Wirtschaftswunders sind fleischlose Gerichte so gut wie verschwunden. Einen vegetarischen Tag sehe ich daher auf jeden Fall positiv. Für Gaststätten, die sowieso schon viele vegetarische Gerichte anbieten, ist das überhaupt kein Problem. Wir hatten zum Beispiel in letzter Zeit viele Spargelgerichte, danach kommen Salate und Pfifferlinge. Wir haben also mehr zu bieten als nur Kässpätzle. Meine Nudelgerichte, die außerhalb des Regionalangebots liegen, wie etwa Pfifferlinge, werden stark frequentiert. Für mich gilt die Grundregel, dass das vegetarische Gericht an keinem Tag auf der Wochenkarte fehlen darf. Man kann es sich heute gar nicht mehr leisten, einen Vegetarier nicht glücklich zu machen. Da hätte man schon eine ordentliche Lücke im Angebot. Ein offizieller vegetarischer Tag wäre daher nur der Signalgeber, der deutlich macht, dass wir uns stadtweit auf das Thema einstellen.“

Julia Genth, bei der Stadt Lindau zuständig für kommunalen Umweltschutz

„Es gehört inzwischen zum Standardwissen, dass eine fleischreduzierte Ernährung die Umwelt und das Klima schont. Deshalb wäre ein Veggie Day großartig. Durch solche Aktionen haben auch Menschen, die bisher nicht vegetarisch kochen und essen, eine einfache Möglichkeit, vegetarisches Essen auszuprobieren. Schwierig ist eine Verbotsdiskussion: Als die Grünen kurz vor der letzten Bundestagswahl einen Veggie Day vorgeschlagen haben, dachten die Menschen, man will ihnen etwas verbieten. So etwas hat eher den gegenteiligen Effekt, das löst Trotzreaktionen aus. Man sollte die Menschen zwar sensibilisieren, aber auf keinen Fall über eine Verbotsschiene, sondern besser über die Genussschiene. Gut wäre, wenn sich Kantinen und Gaststätten zusammentäten. Viele Gastronomen in Lindau kochen ja schon viel vegetarisch oder sogar vegan. Man könnte das aber prominenter machen. Die Gastronomen könnten ein gemeinsames Logo entwickeln, das sie als Aufkleber an ihre Türen kleben. Das gäbe sicher auch einen guten Marketingfaktor für die Stadt.“

Stefan Büchele (CSU), Mitglied im Energieteam Lindau und Landwirt

„Wenn die Gastronomie selbst auf die gute Idee kommt, einen Veggie Day einzuführen, finde ich das besser, als wenn das von oben angeordnet wird. Grundsätzlich ist es immer besser, ein bisschen vom Fleisch wegzugehen. Jeder Bürger hat aber das Recht, sich so zu ernähren, wie er will. Eine strikte Vorgabe finde ich falsch. Wenn jemand kein Gemüse mag, dann ist das auch okay. Man könnte manche Dinge mit weniger Fleisch zudem besser bewerben: In der Region Lindau und und auch sonst am Bodensee gibt es viel Gemüse und frisches Obst. Ich fände es nicht schlecht, wenn man sich ein bisschen mehr auf gesundes Essen konzentriert. Mit einem Veggie Day sollte aber auch die regionale Produktion gestärkt werden: Also nicht sagen, wir kochen fleischlose Gerichte und holen die Zutaten dafür aber aus Spanien. Wir sollten regional denken und Produkte von hier verwenden. Die Erzeuger in der Region müssen dafür einen reellen Preis bekommen, dann erhält der Endverbraucher auch Qualität.“

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