Unterreitnauer Pfarrkirche St. Urban und Silvester strahlt im neuen Glanz

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Susi Donner

Die Kirchengemeinde Unterreitnau hat am Pfingstsonntag das Pfingstfest gefeiert, wie wohl jede andere Kirchengemeinde im Umkreis auch. Aber in der Pfarrkirche St. Urban und Silvester gab es einen weiteren Grund zum Feiern: Die Sanierung des Kirchendachs samt Dachstuhl sowie die Außensanierung sind nach zwei Jahren Bauzeit, die insgesamt 650 000 Euro verschlungen haben, erfolgreich abgeschlossen.

Die über 500 Jahre alte Pfarrkirche ist damit gerettet, zumindest was das Gebäude betreffe. Denn Kirche, das sei viel mehr als Mauern und Dach. Kirche, das seien die Menschen und ihre warmen Hände, so Pfarrer Dariusz Niklewicz. „Ich erzähle Ihnen eine Geschichte, die Ihnen helfen soll, meinen Gedanken zum Pfingstfest und zum Fest der Sanierung unserer Kirche näherzukommen“, sagte er während des Gottesdienstes in der gut besuchten Pfarrkirche: „Zwei Freunde stehen in einem Juweliergeschäft und können sich nicht sattsehen an dem leuchtenden Strahlen der Edelsteine. Verdutzt bemerken sie inmitten des Funkelns einen unscheinbaren, matten Stein. ,Das ist ein Opal’, erklärt ihnen der Juwelier. ,Er braucht nur die Berührung einer warmen Hand, dann zeigt er seinen wahren Glanz’“.

Die Berührung einer warmen Hand also... Als er, Pfarrer Dariusz Niklewicz, die Kirche vor zwei Jahren zum ersten Mal gesehen habe, habe er ebenso verdutzt auf die Steine von St. Urban und Silvester geschaut, wie die Freunde im Juwelierladen auf den Opal. Er gestand, dass er sich ab und zu schämte, Freunden von auswärts, die ihn besucht haben, diese Steine zu zeigen. „Es war ein langer Weg, bis man sich an diese Mammutaufgabe herangewagt hat, die für eine so kleine Gemeinde – in Unterreitnau leben rund 400 Menschen – schier unlösbar schien.“ Wie oft sei der Kirchenpfleger Arthur Bemetz angesprochen worden, wann denn etwas geschehe. Man könne doch nicht zuschauen, bis eines Tages die Kirche als einsturzgefährdet geschlossen werden müsse.“

Die Kirche ist dauerhaft gerettet

Wie schlimm es um die Pfarrkirche stand, belegen eindrücklich die Bilder in der Broschüre, die anlässlich der abgeschlossenen Sanierung erstellt worden ist. Sie zeigen, wie marode der Dachstuhl war, wie verwahrlost die Fassade, und sie erklärt auch, welche Schritte unternommen worden sind, um die Kirche dauerhaft vor dem Verfall zu schützen.

Dann sei es endlich so weit gewesen. Vor zwei Jahren hat die Kirchengemeinde, damals noch zusammen mit Pfarrer Wolfgang Bihler, unterstützt von der Bischöflichen Finanzkammer, den Schritt gewagt. Einmal angefangen, seien plötzlich viele Fragen aufgetaucht, weil sie gespürt hätten, dass eine Kirche zu sanieren mehr sei, als nur weiße Farbe aufzutragen. „Allen war klar, dass sie einen wichtigen Teil der Gemeinde gestalten. Dass der Erhalt des Gebäudes gleichbedeutend ist, mit dem Erhalt des Ortes, an dem in Unterreitnau die Botschaft verkündet wird, die Mut und Hoffnung gibt.“ Pfarrer Dariusz Niklewicz sprach diese Worte sichtlich bewegt und stellte sich dafür nahe an die Gläubigen, die ihm aufmerksam lauschten.

Dieses Bewusstsein habe dazu geführt, dass Spenden flossen – sodass die rund 165 000 Euro, die die Kirchengemeinde von den Kosten selbst tragen musste, zusammenkamen. „Alle, die Kraft, Zeit und Geld für die Sanierung in den zwei Jahren eingebracht haben, haben geholfen, dass die Kirche wieder erstrahlt wie der Opal. Und wissen Sie warum? Weil die vielen ehrenamtlichen Helfer, die Spender und Sponsoren, die Handwerker sie mit ihren warmen Händen berührt, und sich mit beispielhaftem Engagement für unsere Kirche eingesetzt haben.“

Die Botschaft für die Christen des 21. Jahrhunderts laute: „Siehe, ich mache alles neu.“ So wie ein Kind, das jeden Tag lernen muss um sich in der Welt zurechtzufinden, so müssen Christen als lebendige Steine sich nicht nur äußerlich, sondern vor allem innerlich verändern. Es sei zu keiner Zeit alles so geblieben, wie es war. Dieser Tatsache dürfe sich niemand verschließen. Die Außensanierung von St. Urban und Silvester sei mit dem Pfingstgottesdienst – dem Fest des Heiligen Geistes – Geschichte. Eine Geschichte, die alle miteinander zur Ehre Gottes geschrieben haben, die zeige, welch guter Geist in der Kirchengemeinde herrsche. Er dankte in Person Kirchenpfleger Arthur Bemetz und den Mitgliedern der Kirchenverwaltung St. Urban und Silvester, die unermüdlich Hunderte Stunden auf der Baustelle verbracht haben. Nach diesen Worten gab es lang anhaltenden Applaus der Gottesdienstbesucher.

Den Gottesdienst haben der Jugendchor Right Now und Organist Alois Eibl musikalisch gestaltet. Danach wurde im Schulhof, nun begleitet von der Musikkapelle Unterreitnau, ein Pfarrfest gefeiert, an das sich alle noch lange und gern erinnern werden. Bemetz sprach offensichtlich gerührt Dankesworte an alle Beteiligten.

Bürgermeister Karl Schober sagte, „wir erleben hier gerade etwas Einmaliges“. Er erinnere sich noch gut an die betroffenen Gesichter bei der ersten Sitzung zur Sanierung. Aber auch an entschlossene Gesichter. Niemals sei gejammert worden. Es sei voller Zuversicht klar gewesen, wir packen das an. Wir schaffen das. „Sie dürfen alle zusammen sehr stolz sein.“

Staatsminister Josef Miller a.D. besuchte das Fest als Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesstiftung. Er lobte die beiden Pfarrer Wolfgang Bihler und Dariusz Niklewicz, sowie den Kirchenpfleger. Nie sei ihnen etwas zu viel gewesen. Sie seien mutig vorangegangen und haben dafür gesorgt, dass die Kirchensanierung einen guten Abschluss fand. Er dankte dem Kirchenvorstand, der stets mit vielen guten Ideen mitgewirkt habe. „Unsere Vorfahren haben unter weitaus schwierigeren wirtschaftlichen Bedingungen dieses Kirchengebäude erbaut. Wenn wir heute schon keine Kirchen mehr bauen, so kann von uns zu Recht erwartet werden, dass wir die bestehenden Kirchengebäude den nachfolgenden Generationen in einem guten Zustand übergeben. Das haben Sie in Unterreitnau als leuchtendes Beispiel umgesetzt.“

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