Umbau des Cavazzen beginnt schon 2016

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Sie stoßen auf die baldige Sanierung des Cavazzengebäudes mit dem Stadtmuseum an (von links): Winfried Hamann vom Förderverein z
(Foto: dik)
Dirk Augustin

Über den in dieser Höhe und so schnell nicht erwarteten Geldsegen freuen sich Oberbürgermeister, Stadträte und Verantwortliche der Stadtverwaltung. Mit dem SPD-Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Brunner stießen sie am Freitagnachmittag auf die Millionenzusage für den Umbau des Cavazzen an. Dabei wurde auch bekannt, dass das Geld sehr schnell fließt: Die Stadt muss im kommenden Jahr schon mit den Arbeiten beginnen.

„Ihr dürft klatschen“, sagte OB Gerhard Ecker, als er mit Brunner den Sitzungssaal der Stadtverwaltung betrat. Und die anwesenden Räte folgten gerne. Denn zum zweiten Mal nach der Inselhalle darf sich Lindau über sehr viel Geld freuen. Brunner berichtete, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages die förderfähigen Kosten des Cavazzenumbaus auf 17,2 Millionen Euro festgesetzt habe. Zugleich hätten die Abgeordneten beschlossen, dass der Bund die Hälfte trägt. Die 8,6 Millionen Euro sind die höchst mögliche Fördersumme des Bundes.

Der Bund anerkenne damit die überragende Bedeutung des Gebäude für die Stadt und die Region. Das liege an der architektonischen und kunsthistorischen Bedeutung des Gebäudes selbst, aber auch an der Bedeutung des Stadtmuseums durch seine zuletzt überragend besuchten Ausstellungen.

Im Jahr 2020 soll der neue Cavazzen fertig sein

Der Bund habe seine Förderung auf vier Jahre verteilt, Bedingung sei, dass Lindau im kommenden Jahr die Arbeit aufnimmt. Im Gespräch mit der LZ erläuterte Brunner später, dass dies nicht bedeutet, dass schon in einem Jahr die Bagger anrücken. Denn auch die endgültige Planung koste ja viel Geld, das sei vom Bund ebenfalls abgedeckt. Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn ergänzte, dass im kommenden Jahr tatsächlich Detailplanungen, Ausschreibungen und ähnliches laufen sollen, damit die eigentlichen Arbeiten dann 2017 beginnen können. Und spätestens im Frühjahr 2020 soll der neue Cavazzen fertig sein.

Warmbrunn erläuterte im Gespräch mit der LZ, dass das Gebäude und vor allem das Dach umfassend saniert werden müssen. Nötig seien zudem eine Heizung des bisher überhaupt nicht beheizbaren Gebäudes sowie ein Aufzug, um es für alle Besucher zugänglich zu machen. Eine museumsgerechte Klimatisierung und Belüftung sei ebenfalls geplant.

Den Umbau will Museumsleiterin Barbara Reil aber auch nutzen, um die seit 1930 in großen Teilen unverändert aufgebaute Ausstellung zeitgemäßer Ausstellungstechnik anzupassen. Geplant ist ein Stadtmuseum, das die Geschichte der Stadt Lindau zeigt, wobei künftig auch die Geschichte der vergangenen 150 Jahre eine Rolle spielen soll. Dabei wird ein Teil dauerhaft zu sehen sein, und es wird einen Bereich für Wechselausstellungen zur Stadtgeschichte geben. Außerdem soll es einen Bereich geben, in dem weiterhin und auf Dauer große Ausstellungen wie zuletzt Nolde, Chagall und Picasso möglich sind.

Erste Pläne für die Umbauten und die Neuausrichtung des Cavazzens werden beauftragte Fachleute in der nächsten Stadtratssitzung vorstellen. Wenn die Räte dem zustimmen, sind sie Grundlage für Detailplanungen, Wettbewerb und spätere Ausschreibungen. Das muss im kommenden Jahr ziemlich schnell ablaufen, damit die Stadt den Zeitplan einhält.

Jetzt stehen Gespräche mit weitere Zuschussgebern an

Zeitgleich müssen Warmbrunn und Reil mit weiteren Zuschussgebern verhandeln. Denn der Beschluss der Bundestagsabgeordneten verpflichtet weitere Zuschussgeber. Laut Brunner ist beim Freistaat, Regierung von Schwaben und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz nicht mehr die Frage, ob Lindau Geld bekommt, sondern die Verantwortlichen müssten nur noch über die Höhe der Zuschüsse verhandeln. Brunner machte Hoffnung, dass die Förderer einen Großteil der Kosten übernehmen. Dann müsste die Stadt letztlich nur für das Depot aufkommen, das der Bund aus der Förderung genommen hat.

Welche Kosten letztlich auf Lindau zukommen, könne derzeit niemand sagen, sagte OB Ecker und verwies auf die Erfahrungen bei der Inselhalle, wo es zwischen ersten Schätzungen und späteren Berechnungen erhebliche Unterschiede gegeben habe. Deshalb will Ecker das Thema auch bei den Haushaltsberatungen der kommenden Woche rauslassen. Über die Finanzierung will er reden, wenn die Zahlen genauer feststehen. Dann sei ein Nachtragshaushalt nötig.

Ecker, Warmbrunn und Winfried Hamann, der als SPD-Mitglied und Vorsitzender des Fördervereins Cavazzen Kontakt zu Brunner aufgenommen hat, dankten Brunner für seinen Einsatz. Nach der CSU, die außerordentlich viel Geld für die Inselhalle ermöglicht habe, habe nun die SPD Zuschüsse für den Cavazzen geholt. Dass dabei die persönliche Ebene nicht ganz unwichtig war, sagte Brunner, der in Lindau aufgewachsen und zur Schule gegangen ist und der das Stadtmuseum deshalb gut kennt: „Mein Abifoto ist auf der Treppe gemacht worden."

Nächste Termine sind der Kulturausschuss am Dienstag, 24. November. Einen Tag später, am Mittwoch, 25. November, wird sich der Stadtrat in öffentlicher Sitzung mit den Machbarkeitsstudien zur Gebäudesanierung und der Museumskonzeption befassen.

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