Trommelkunst und heiße Rhythmen

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 Verschiedenste und irrsinnig schnell gespielte Töne heizen den Zuschauern in der Inselhalle ein.
Verschiedenste und irrsinnig schnell gespielte Töne heizen den Zuschauern in der Inselhalle ein. (Foto: Tanja Schittenhelm)
Tanja Schittenhelm

Die Formation der Drum-Stars um die Schlagzeuger Benni Pfeifer, Jakob Ehrlich, Bernhard Pricha, Stefan Höfele Dias und Ruben Lipka begeisterten in Lindau am Mittwochabend ihr Publikum in der gut gefüllten Inselhalle.

In einer stockdunklen Halle beginnt der Auftritt der Drum-Stars. Zwei grelle Lichtspots fallen auf die Wand hinter den Zuschauern. Mit lauten Trommelschlägen ziehen zwei geisterhaft anmutende Gestalten auf die Bühne wo sich drei weitere, nur durch Lichtschläuche beleuchtete Trommler mit Kapuzen, dazugesellen.

Was kann man von einer Percussion-Show erwarten – zwei Stunden lang wildes Getrommel? Ohrenbetäubenden Lärm bis zur Schmerzgrenze? Es lagen zwar Ohrstöpsel auf den Stühlen, aber weit gefehlt!

Mit einer kraftvollen Mischung aus Trommelkunst, Unterhaltung und Lichteffekten – dazu Hits von Liquido bis Queen – bringen die Drum-Stars ihre Fans zum Jubeln. Nicht nur laute, schnelle Stücke zieren das Konzert, sondern auch ruhige, melodiöse Takte auf exotischeren Instrumenten wie dem Hang oder Marimba. Immer wieder wird das Publikum mit eingebunden, in eine abwechslungsreiche Show die von Stück zu Stück immer mehr an Fahrt aufnimmt.

Fünf Profi-Schlagzeuger

Heiße Rhythmen trafen dabei auf geballte Spielfreude als die fünf Profi-Schlagzeuger die Drum-Sticks schwangen. In ihrer mitreißenden Show zeigten die passionierten Schlagzeuger wie viel Musik selbst in alltäglichen Gegenständen steckt. So wurden Leitern kurzerhand zum Gemeinschaftsschlagzeug umfunktioniert mit darüber gelegtem Gerüstboden und Kunststofffässer als Percussioninstrumente eingesetzt - selbst die Drum-Sticks waren nicht alltäglich, mal überdimensionierte Kunststoffrohre, mal LED-Sticks, mal Trommeln gefüllt mit Wasser, dass nur so spritzte oder es wurde mit Flip-Flops ein „Xylophon“ aus grauen Abwasserrohren bespielt.

Ein Höhepunkt bot sich den Zuschauern, als sich Ruben Lipka und Stefan Höfele Dias ein regelrechtes Ping Pong-Match lieferten, was sich mit einfachsten Mitteln zu einer harmonischen Melodie formte. Und wenn mal gar nichts vorhanden war, ging man eben zur „Body Percussion“ über (rhythmische Geräusche nur mit dem eigenen Körper), wie bei der witzigen Slapstick-Nummer an der Bushaltestelle. Wobei klar wurde, dass die fünf Schlagzeuger auch mit einer guten Portion Witz und Humor ausgestattet sind, was sich in etlichen pantomimischen Einlagen und dem bereits genannten kleinen, wortlosen, aber tönenden Theaterstück zeigte. Singen können die Drummer übrigens auch.

Der große Spaß auf der Bühne wirkte manchmal wie ein lockeres Zusammensitzen, dann wieder ist es wie ein Wettkampf, bei dem die Musiker versuchten, sich zu übertrumpfen, schneller und immer schneller, so schnell, dass man den Händen mit dem Auge kaum noch folgen kann. In diesen Momenten entsteht auf der Bühne, aber auch im Publikum eine immense Energie.

Interaktion mit Zuschauern

Kreativität, Einfallsreichtum und stets eine Portion Humor und kraftvolle Nummern sind die besonderen Markenzeichen der Show. Auch die Interaktion zwischen Zuschauern und Band wird permanent betrieben. Zum Klatschen und Trampeln lassen sich die begeisterten Besucher nicht lange bitten und im folgenden Saalwettbewerb geht es beim „Pattern“ um den Sieg.

Spektakulär war ebenfalls die perfekt abgestimmte Lichtshow, zum Beispiel als Benni Pfeifer auf der in ein leuchtendes Rot getauchten Bühne zwei aufeinander gesetzten Woks sphärische Klänge entlockte, während die restlichen Musiker im Hintergrund sanft ihre Instrumente "streichelten". Die „Drum-Stars“ zogen in ihrer Show nicht nur sämtliche Register der Rhythmik, die aufwendig choreographierte Show bietet auch viel fürs Auge: harmonische Bewegungen von fluoreszierenden Sticks im dunklen Saal, einprägsame Bilder der Band und Lichteffekte aller Art die sehr stimmig – nicht übertrieben, auf die Klänge ausgerichtet, die Töne noch mehr zur Geltung bringen. Am Ende der rund zweistündigen Show hält es die Zuhörer nicht mehr auf ihren Sitzen und die Percussion-Künstler bedanken sich mit mehreren Zugaben, darunter eine Zugabe der ganz besonderen Art geben: Etliche Zuschauer dürfen ihre Fähigkeiten an den Drums unter Beweis stellen. Trotz der kräftezehrenden Performance nahmen sich die Fünf im Anschluss ausgiebig Zeit für ihre Fans, schrieben Autogramme und ließen sich mit ihnen ablichten.

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