Trinkwasser im Landkreis Lindau bekommt mehr Schutz

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 Der Schutz des Grundwassers rund um Trinkwasserbrunnen wie diesen in Handwerks wollen und müssen Behörden in Bayern deutlich ve
Der Schutz des Grundwassers rund um Trinkwasserbrunnen wie diesen in Handwerks wollen und müssen Behörden in Bayern deutlich verbessern. (Foto: Archiv: Ingrid Grohe)
Olaf Winkler

Behörden im Freistaat müssen Trinkwasserquellen besser schützen. Das hat Folgen für Grundeigentümer und für verschiedene Projekte. Beim Hochwasserschutz wirkt sich zudem die Klimakrise aus.

45 Prozent der Fläche in Baden-Württemberg sind Grundwasserschutzgebiete, in Hessen sogar 55 Prozent. Bayern hinkt mit nur fünf Prozent weit hinterher. Die Folge: Nur der unmittelbare Einzugsbereich von Trinkwasserquellen ist geschützt. Das könnte sich ändern, wenn der Planungsverband Allgäu hier den Regionalplan aktualisiert, was er derzeit vorbereitet. Dabei muss der Verband im Bereich der Wasserwirtschaft auch den Klimawandel berücksichtigen.

Seit 2014 laufen die Vorarbeiten für die Überarbeitung des Regionalplans. Das neue, 2018 verabschiedete Landesentwicklungsprogramm (LEP) als Vorgabe für den Regionalplan hat die Arbeiten verzögert. Mit einem Teilaspekt haben sich jetzt die Bürgermeister des Kreisverbandes Lindau des Bayerischen Gemeindetages bei ihrer Versammlung in Gestratz beschäftigt.

Die Wasserwirtschaft wirkt sich in gleich zwei Bereichen auf die überörtliche Planung aus: beim Schutz des Trinkwassers – und beim Schutz vor Hochwasser. Letzterer ist durch das neue LEP nun erstmals im Wasserrecht angesiedelt und wird dadurch Teil der Regionalplanung, sagte Markus Maciolek. Der Regionsbeauftragter der Regierung machte deutlich: Es handele sich um einen sehr langen Planungsprozess. Viele fachliche Prüfschritte folgten, und es seien dadurch jederzeit noch Änderungen denkbar.

Der für den Kreis Lindau zuständige Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt Kempten, Martin Adler, stellte den Bürgermeistern freilich noch keine konkrete Planung für die Region vor. Dies werde voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2020 der Fall sein. Klar ist: Durch den Klimawandel und die damit verbundenen Hochwassergefährdungen wird es künftig einen 15-prozentigen „Klimazuschlag“ auf die Berechnungen eines 100-jährigen Hochwassers geben.

Weniger Grundwasser

Bei der Grundwasserneubildung gab es im Landkreis Lindau zwischen 2003 und 2018 gegenüber den Vorjahren 1971 bis 2000 ein Minus von zehn bis 20 Prozent bei den lokalen Tiefbrunnen, sagte Adler. Das sind zwar weitaus bessere Zahlen als in anderen Regionen Bayerns. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, zumal auch neue fachliche Erkenntnisse rund um die Einzugsgebiete von Wasserversorgungen vorliegen. Das könnte zu größeren Schutzgebieten beispielsweise in Hergatz, Röthenbach, Scheidegg und Weiler führen. Davon betroffen sind Grundeigentümer. Die neuen Regeln haben aber auch Folgen für Projekte wie den geplanten Kiesabbau nahe den Brunnen bei Handwerks.

Der Erhalt der vergleichsweise kleinen Brunnen im Landkreis Lindau sei wichtig, sagte Scheideggs Bürgermeister Ulrich Pfanner, der zugleich Vorsitzender des Kreisverbandes des Bayerischen Gemeindetages ist. Der Sigmarszeller Bürgermeister Jörg Agthe hätte gern Einzelkarten für jede Gemeinde gehabt, denn: „Die Bürger wollen wissen, ob ihre Flächen betroffen sind.“

Hierzu stellte Markus Maciolek klar: „Es wird nur Karten im Maßstab 1 : 100 000, also nicht grundstücksgenau, geben.“

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