Thomas Gehring will als Grüner vor allem die Bildungspolitik in Bayern verbessern

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 Thomas Gehring sitzt seit 2008 für die Grünen im bayerischen Landtag. Wichtig sind ihm dort vor allem die Bildungspolitik und
Kurz vor der bayerischen Landtagswahl nimmt die Lindauer Zeitung die Stimmkreis-Kandidaten in die Mangel. Was wissen die Menschen, die Lindau im Landtag vertreten wollen, überhaupt über den Landkreis? Das Quiz entlarvt sie alle.

Die Lindauer Zeitung wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt der FW-Kandidat Leopold Herz.

Für Politik interessiert er sich schon in seiner Jugend. Nach Studium und ersten beruflichen Erfahrungen im Medienbereich entdeckt Thomas Gehring seine Leidenschaft für Bildungspolitik. 2008 macht er „den Schritt in die erste Reihe“ – zieht für die Grünen in den bayerischen Landtag. Dort ist der 60-Jährige nicht nur stellvertretender Fraktionsvorsitzender, sondern auch bildungspolitischer Sprecher. Und Bildung in Bayern – da gibt es nach Gehrings Überzeugung noch viel zu tun. Kritik äußert er aber auch an der ausgebremsten Energiewende im Freistaat: „Bayern hätte da Vorreiter sein können.“

Politik im Kleinen kennt er von klein auf: „Mein Vater war Gemeinderat“, erzählt der in Gunzesried im Oberallgäu geborene Thomas Gehring. Und im Lebensmittelgeschäft der Familie wurden auch Zeitungen verkauft: „Da ist immer viel über Politik diskutiert worden.“ Der 1968 gegründete Club of Rome beeindruckt den Jugendlichen, weil sich dieser schon früh mit Nachhaltigkeit und ökologischem Schutz beschäftigte. Ender der 70er Jahre sinniert Gehring mit Freunden: „Eigentlich brauchen wir eine neue Partei.“ Als die Grünen Anfang der 80er Jahre aus der Taufe gehoben werden, ist für ihn klar: „Das ist es.“ So wird Gehring schon 1982 Mitglied der Grünen.

Nach dem Abitur zieht es Gehring nach München: Während des Studiums an der LMU beschäftigt er sich mit Geschichte, Soziologie und Politik, zielt dann aufs Lehramt und legt auch das erste Staatsexamen ab. Ein Praktikum beim Bayerischen Rundfunk bringt den jungen Mann allerdings auf andere Wege: zum Jounalismus. In der Schwaben-Redaktion des BR ist Gehring seinerzeit vor allem für den Kreis Lindau zuständig: Er erinnert sich an Berichte aus dem damaligen „Golddorf“ Hergensweiler, über die Weinernte in Nonnenhorn, den Winter am Bodensee. Der BR setzt den fast fertigen Lehrer aber auch auf Schulthemen an: „So bin ich zur Bildungspolitik gekommen“, schmunzelt Gehring.

Sie wird zu seiner Leidenschaft. 1993 geht der Oberallgäuer nach Baden-Württemberg: Im Landtag in Stuttgart wird Gehring parlamentarischer Berater für Schule und Bildung. Dort arbeitet der Oberallgäuer etliche Jahre. Bis die Frage kam: „Will ich Politiker nur beraten oder selbst Politik machen?“

„Will die Schullandschaft verändern“

2008 fällt die Entscheidung: Gehring will in die erste Reihe. Die Grünen nominieren ihn als Direktkandidaten für den Wahlkreis Oberallgäu. Über deren Wahlkreisliste Schwaben zieht er im bayerischen Landtag. Was es heißt, als Grünen-Abgeordneter in der Opposition zu sein, das kennt Gehring bereits von seinen Stuttgarter Kollegen. Dabei hat der Oberallgäuer in München ein festes Ziel vor Augen: „Ich wollte an der Bildungspolitik im Freistaat mitarbeiten, die Schullandschaft verändern.“

Ihm ist klar, dass „es ein mühsames Geschäft ist, so etwas als Opposition zu erreichen“. Aber der studierte Pädagoge ist überzeugt: „Wir brauchen in Bayern andere Schulformen. Wir brauchen beispielsweise eine längere Gemeinschaftsschule.“ Das ist für ihn zum einen eine Chance, angesichts sinkender Kinderzahlen kleine Schulen auf dem Land zu halten, die sonst „in Gefahr sind“, wie Gehring im Gespräch mit der LZ formuliert. Wichtig sei diese Schulform aber auch, weil das den Druck auf die Viertklässler nehme: „Das Übertrittsalter in die weiterführenden Schulen ist einfach zu früh“, sagt Gehring. Seine Hoffnung, in dieser Hinsicht etwas bewegen zu können, ist getrübt: „Obwohl zahlreiche bayerische Bürgermeister das beantragt haben, gibt es bislang nur drei Gesamtschulen im Freistaat.“

Immerhin ist Bayern mit diesem Schuljahr endgültig vom G 8 abgerückt, zurück zum neunjährigen Gymnasium. Das haben die Grünen im Landtag seit Jahren gefordert. Das G 8 ist in deren Augen „eine Ganztagsschule durch die Hintertür gewesen – ohne pädagogisches Konzept.“ Die Rückkehr zum G 9 sieht Gehring deshalb grundsätzlich positiv: „Da ist jetzt etwas Druck raus, das ist besser für die Kinder.“

Dennoch ist der Politiker in dieser Hinsicht nicht wirklich zufrieden: „Inhaltlich und pädagogisch hat sich bisher nicht wirklich etwas geändert. Das muss noch verbessert werden.“ Nach seiner Ansicht muss das Gymnasium eine Schule werden, „in der die Förderung der Kinder im Mittelpunkt steht“. Und damit meine er nicht nur diejenigen, die nur mit Mühe im Unterrichtsstoff mitkommen. Auch talentierte Gymnasiasten müssten besser gefördert werden“, fordert Gehring.

„Regierung müsste Forschungsanreize schaffen“

Was dem Grünen-Abgeordneten natürlich auch am Herzen liegt, ist die Energiewende. „Die ist in Bayern faktisch zum Erliegen gekommen“, kritisiert Gehring. Dabei sei das doch zu Zeiten von Umweltminister Söder auch im Freistaat ein großes Thema gewesen. „Bayern hätte da Vorreiter sein können“, stellt der Grüne enttäuscht fest, zumal das im Land ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sei. So sieht der Kandidat, der selbst ein Elektroauto fährt, beispielsweise in der Batterieforschung „großes Potential“. Und findet es schade, dass hierzulande bisher nur wenige E-Autos gebaut werden: „Da müsste die bayerische Regierung Forschungsanreize schaffen – oder alle Minister und Verwaltungen im Freistaat ausschließlich mit E-Autos fahren.“

Und wie findet Thomas Gehring es, dass Vorhersagen seine Partei als neue zweitstärkste Kraft im Landtag ansehen? „Naja, wir freuen uns über die Umfragen – entscheiden werden aber die Bürger am 14.Oktober.“ Kann sich Gehring vorstellen, danach in München in einer schwarz-grünen Regierung zu sitzen, wie seine Parteifreunde heute in Stuttgart? Das hängt seiner Ansicht maßgeblich von einem möglichen Koalitionsvertrag ab. Er selbst betrachtet eine Zusammenarbeit mit der heutigen CSU zwar als „schwer vorstellbar“. So vertrete man etwa in der Flüchtlingspolitik sehr unterschiedliche Positionen. „Aber wir bereiten uns durchaus darauf vor“, schildert der Oberallgäuer. So stellen die Grünen nach den Worten von Thomas Gehring schon heute in München „nur Anträge, die auch gegenfinanziert sind“.

Die Lindauer Zeitung wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt der FW-Kandidat Leopold Herz.

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