Theatergruppe „Podium 84“ bringt die Sozialsatire „Top Dogs“ auf die Bühne

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 Von der Arbeitslosigkeit in die Ehekrise: Herr Neuenschwander (Christoph Holzfurtner) und Frau Jenkins (Christiane Geiser) brau
Von der Arbeitslosigkeit in die Ehekrise: Herr Neuenschwander (Christoph Holzfurtner) und Frau Jenkins (Christiane Geiser) brauchen psychologische Beratung (Josef Hutter). (Foto: Katharina Höcker)
Katharina Höcker

Eigentlich haben sie ganz oben mitgespielt: Porsche in der Garage, Beratervertrag in der Tasche und jede Menge Geld auf dem Konto. Umso tiefer sind die „Top Dogs“ aus dem gleichnamigen Stück von Urs Widmer gefallen. Die Theatergruppe „Podium 84“ bringt ab Samstag, 4. Mai, die Geschichte von frisch gefeuerten Spitzenmanagern auf die Bühne des Lindauer Zeughauses.

In einem Büro, in dem die Gefeuerten zusammensitzen, bröckelt die professionelle Fassade und die ehemalige Wirtschaftselite hadert mit der plötzlichen Arbeitslosigkeit. Es dauert nur ein paar Sekunden. Nach ein paar kurzen Stimm- und Aufwärmübungen verwandelt sich die fröhliche Theatergruppe mit Blazern, Krawatten und Perücken in biedere Anzugträger, die sich mit ihrer Entlassung abfinden müssen. In Rollenspielen versuchen sie den Schock zu verarbeiten. So kommt Herr Krause (Walter Schmid) in die schwierige Lage, seine eigene Kündigung nachspielen zu müssen, allerdings aus der Sicht seines Chefs.

Kein Problem, schließlich standen sie alle schon auf der anderen Seite des Schreibtischs und haben fleißig Stellen gestrichen und Kündigungen ausgesprochen. Doch jetzt hat der unbarmherzige Kapitalismus auch sie getroffen. „Herr Krause, wer wird denn gleich...?“, versucht noch jemand zu beschwichtigen, doch zu spät.

Zwischen Beleidigungen und Tränen spricht eine der Figuren aus, was alle denken: „So eine Entlassung ist demütigend.“ Und auch einer ohnehin schon angeknacksten Manager-Ehe tut eine Kündigung nicht gut. Frau Jenkins (Christiane Geiser) und Herr Neuenschwander (Christoph Holzfurtner) versuchen ihre Konflikte beim Therapeuten (Josef Hutter) zu klären. Doch auch hier reicht schon ein ungeliebter Kosename und es fliegen die Fetzen.

Hinter den Kulissen

„Das Stück soll an den Spielort angepasst werden“, sagt Theaterpädagoge und Regisseur Michael Hangel. So hat es zumindest der Autor Urs Widmer vorgesehen. Ein Drittel des Textes hat Hangel deshalb gestrichen, die Stimmung transportiert er stattdessen über das Bühnenbild. Für die Kulissen hat sich die Truppe etwas besonderes einfallen lassen. Was, das wollte Hangel noch nicht verraten, diese Überraschung spart er für die Premiere auf. Geprobt wurde daher mit vorläufigen Kulissen.

„Als Regisseur kann ich mit dem Stück arbeiten“, sagt Michael Hangel. Er wolle die Struktur aufbrechen, dabei aber keine unnötigen Textwülste produzieren. Die Lösung: Musik. Vier Lieder werden zwischendurch von der Besetzung live gesungen. Auch wenn ihnen die Kündigung das Leben schwer macht, die „Top Dogs“ stimmen im doppelten Wortsinn ein Loblied auf den Kapitalismus an.

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