Stillstand kennt Dominik Spitzer nicht

Lesedauer: 8 Min

 FDP-Landtagskandidat für den Stimmkreis Lindau-Sonthofen: Dominik Spitzer.
Kurz vor der bayerischen Landtagswahl nimmt die Lindauer Zeitung die Stimmkreis-Kandidaten in die Mangel. Was wissen die Menschen, die Lindau im Landtag vertreten wollen, überhaupt über den Landkreis? Das Quiz entlarvt sie alle.
Crossmedia Volontärin

Die Lindauer Zeitung wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt SPD-Kandidat Michael Maffenbeier.

Der größte Wahlerfolg für den FDP-Landtagskandidaten Dominik Spitzer wäre es, wenn die AfD bei der Landtagswahl am 14. Oktober unter zehn Prozent bliebe. Der 51-jährige Arzt ist politisch aktiv geworden, um rechten Kräften Paroli zu bieten. Sein Engagement will er nun im bayerischen Landtag für den Stimmkreis Lindau-Sonthofen fortsetzen.

Vor zehn Jahren ließ sich Spitzer als Kandidat für den Kemptener Stadtrat aufstellen, weil ihn die Stimmungsmache der damaligen Rechtskonservativen, der Republikaner, störte. „Ich wollte etwas tun“, sagt Spitzer. Rechte Politik dürfe man nicht tabuisieren, sondern müsse sie durch Diskussion entlarven.

Über einen Freund sei er in Kontakt mit dem FDP-Stadtrat Ullrich Kremser gekommen, habe sich dann auf die Liste für den Stadtrat setzen lassen und wurde gewählt. Die Gestaltungsmöglichkeiten, die er durch sein politisches Mandat erhalten habe, hätten ihn letztlich vollends überzeugt. In die FDP sei er eingetreten, weil die Partei freiheitliches Denken forciere und den Einzelnen in den Mittelpunkt stelle.

Spitzer ist in Kempten aufgewachsen. Nach der Schule war er bei der Bundeswehr, verpflichtete sich dort für zwei Jahre. Schon vorher aber hatte er den Wunsch, Arzt zu werden, deshalb sammelte er bei der Wehr die nötigen Wartesemester. Anschließend studierte er Medizin in München. Gleich danach zog es ihn zurück in die Heimat, „zu den Seen und Bergen“. Seinen Facharzt machte er am Klinikum Kempten.

Drei Jahre nach seinem Studium übernahm Spitzer dort eine Praxis für Allgemeinmedizin. Über seinen Beruf sagt er: „Es gibt nichts Schöneres.“ Als Hausarzt habe er ständig die Möglichkeit sich weiterzuentwickeln. Stillstand kennt Spitzer nicht. Er hat unter anderem eine Weiterbildung zum Betriebsarzt gemacht, ist Mitglied des Aufsichtsrates des Klinikverbunds Kempten-Oberallgäu und als Mitglied der Feuerwehr für die medizinische Betreuung der Feuerwehrleute im Katastrophenfall zuständig. „Ich möchte immer über den Tellerrand schauen“, sagt Spitzer. So sehe er das auch mit seinem politischen Amt. Er wolle weiterkommen und Neues kennenlernen. „Ich würde mich deshalb freuen, im Landtag mitzugestalten.“

Ärztemangel auf dem Land bekämpfen

Als Mediziner sind Gesundheitsthemen sein Steckenpferd. Es müsse wieder mehr Anreize für Ärzte geben, sich auf dem Land niederzulassen, zum Beispiel eine bessere Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr, „sonst haben wir künftig nur noch große Ärztehäuser, wo man jedes Mal von einem anderen Arzt betreut wird“, sagt Spitzer. Zusätzlich müsse es vor allem für Medizinerinnen die Möglichkeit geben, auch in Teilzeit tätig zu sein, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen. Spitzer selbst habe in seiner Praxis zwei angestellte Ärztinnen.

Beim Thema Pflege störe es ihn, dass nur über die negativen Seiten berichtet werde. „Dabei ist das ein toller Beruf.“ Und der müsse für junge Menschen finanziell attraktiver werden. „Warum nicht für Auszubildende 1500 bis 2000 Euro zahlen?“, fragt Spitzer, „damit findet man auf jeden Fall jemanden.“ Zur Attraktivität der Arbeit gehöre es auch, den Pflegekräften keine Kompetenzen zu entziehen. „Das Wundmanagement gehört zurück in die Pflege“, findet Spitzer, „der Beruf verkommt sonst, was seine Vielfalt anbelangt.“ Spitzer ist Vater dreier Kinder, die teilweise noch zur Schule gehen. Deshalb liegt ihm auch die Bildungspolitik am Herzen. Er bekomme mit, dass viele Stunden ausfallen und Lehrer immer öfter über die Sommerferien entlassen werden. „Das ist kein Prädikat für ein gutes Schulsystem“, sagt Spitzer. Es bräuchte dringend mehr Festanstellungen. Spitzer fordert außerdem, dass der öffentliche Nahverkehr für alle Schüler kostenlos sein sollte. „Elterntaxis sind umweltschädlich, und die Kinder lernen nicht den Bus zu nutzen. Das wird sich später bemerkbar machen.“

„Der Kandidat ohne Risiken und Nebenwirkungen“, wie Spitzer sich auf den Wahlplakaten bezeichnet, ist auf dem zweiten Platz der Wahlkreisliste Schwaben. Ministerpräsident Markus Söder habe durch seinen Rechtsruck diejenigen verschreckt, die gemäßigt in der Mitte seien, ist sich Spitzer sicher. Dadurch erhoffe er sich Zulauf für die FDP – die bei Umfragewerten momentan auf fünf Prozent kommt.

„Der größte Wahlerfolg wäre es, wenn die AfD unter 10 Prozent bekommt, dann, dass die FDP es wieder in den Landtag schafft und das Sahnehäubchen wäre, wenn ich in den Landtag komme“, stellt Spitzer die Prioritäten klar. Für den Fall, das er in den Landtag kommt, hat er aber doch schon vorgesorgt. Spitzer hat einen Vertreter eingestellt, der ihn ab Oktober in seiner Praxis vertritt.

Die Lindauer Zeitung wird bis zum Wahltag die Direktkandidaten der Parteien vorstellen, die eine realistische Chance haben, in den bayerischen Landtag einzuziehen. Morgen folgt SPD-Kandidat Michael Maffenbeier.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen