Stadtrat Lindau beschließt Übergangslösung für den Berliner Platz

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Eine Zufahrt, die auf Höhe des Buttlerhügels von der Bregenzer Straße abzweigt und ein sogenannter Turbokreisel auf dem Berline
Eine Zufahrt, die auf Höhe des Buttlerhügels von der Bregenzer Straße abzweigt und ein sogenannter Turbokreisel auf dem Berliner platz sind Kernstücke der Übergangslösung für Lindaus verkehrsreichsten Platz zur Eröffnung des Bahnhofs im Dezember (Foto: Skizze: Besch und Partner/Stadt Lindau)
Schwäbische Zeitung

Im kommenden Jahr soll der Umbau des Berliner Platzes beginnen. Der Stadtrat hat in der jüngsten Sitzung die Planung beauftragt, im Herbst wollen die Räte den Bau beauftragen – wenn die Kosten im Rahmen bleiben. Nächstes Jahr soll auch bereits die Planung des endgültigen Umbaus beginnen.

Dass Lindau eine Übergangslösung für den verkehrsreichsten Platz braucht, darin waren sich die Stadträte einig. Wenn auch ein paar der Verwaltung die Schuld geben, weil die nicht energisch genug für den Tunnel gearbeitet habe, verweist die Mehrheit auf die schwierigen Rahmenbedingungen. Denn der neue Bahnhof braucht zur Eröffnung im Dezember 2020 eine Zufahrt mit Parkplätzen und Radständern. Aber die Bahn braucht bis dahin noch ihr altes Bahnhofsgebäude, die Bauarbeiten zur Erweiterung des Lindaupark können noch nicht abgeschlossen sein, und die Bauarbeiten für das Vier-Linden-Quartier auf dem früheren Cofely-Grundstück werden bis dahin noch nicht mal beginnen können.

Die Lösung soll Anforderungen erfüllen, aber nichts verbauen

Deshalb einigten sich die Räte auf eine Lösung, die alle Anforderungen erfüllt, aber nichts verbaut. Denn mit einem städtebaulichen Wettbewerb wollen Stadt und Bahn AG im kommenden Jahr die Planungen für das künftige Bahnhofsumfeld beginnen. Und dabei soll es auch um die beste Verkehrslösung für den Berliner Platz gehen. Nach Meinung von GTL-Werkleiter Kai Kattau können die Arbeiten für die Dauerlösung aber nicht vor 2025 beginnen.

Die Übergangslösung darf also auch nicht zu sehr nach Provisorium aussehen, denn einige Jahre lang müssen Lindauer und Gäste damit leben. und vielleicht sogar länger, als es manchem lieb ist. Denn mehrere äußerten die Hoffnung, dass die Übergangslösung sich in der Praxis als so gut erweist, dass man gar keine teure andere Lösung mehr braucht, sondern dies dauerhaft belassen kann.

Bis zum Herbst soll die Verwaltung mit den Verkehrsplanern aus Vorarlberg die Details von Zufahrt, Turbokreisel und Busparkplatz planen und vor allem die Kosten errechnen. Lindau will das nötige Geld für die Zufahrt und den Umbau des Kreisverkehrs im kommenden Jahr in den Haushalt einstellen. Auch die Grundstücke seien verfügbar, berichtete Oberbürgermeister Gerhard Ecker, denn die Bahn habe allen Pächtern zum Jahreswechsel gekündigt. Die jüngsten Gespräche mit Bahn-Managern bezüglich der Grundstücke seien erfreulich gewesen.

Karl Schober und Thomas Hummler (CSU) lobten vor allem ihren CSU-Kollegen Wilhelm Böhm, der den Kontakt zu den Vorarlberger Verkehrsplanern Besch und Partner hergestellt habe. Das habe erst die Lösung gebracht. Hummler bat die Ratskollegen auch, die Erfahrungen nach Öffnung des Bahnhofs abzuwarten: „Der Verkehr wird sich regulieren, die Leute werden anders fahren.“

Unklar ist, ob es dort künftig mehr oder weniger Autos gibt

Ob es künftig mehr oder weniger Autos am Berliner Platz werden, das ist alerdings unter Stadträten sehr umstritten. Während Max Strauß (BL) davon ausgeht, dass auch Kunden des Lindauparks, die bisher mit dem Autos aus österreich kommen, künftig mit dem Zug nach Reutin fahren werden, geht Uwe Birk (SPD) davon aus, dass all die Veränderungen rund um den Berliner Platz auch dazu führen werden, dass dort deutlich mehr Autos unterwegs sein werden.

Viel Lob bekam die Ankündigung des OB, dass die Verwaltung prüfe, ob beim Bahnhof ein Parkhaus mit bis zu 500 Stellplätzen denkbar ist, das im Winter 2020/21 fertig sein soll. Auch in anderen Bereichen wollen die Planer die bisher vorgelegten Ideen überarbeiten. Dafür gaben die Räte einige Anregungen mit.

Bushalt soll möglichst aufdie andere Seite des Platzes

Kattau hatte bereits die Kritik aus dem Bürgerinofabend vorgestellt, dass die Übergangslösung für Fußgänger und Radfahrer kaum Verbesserungen bringe, die Lage in Teilen sogar verschlechtere. Mehrere Stadträte ärgern sich darüber, dass Regio- und Fernbusse zum Halteplatz gegenüber dem Limare erst über den Berliner Platz fahren müssen. Ihnen wäre ein Bushalt auf der anderen Seite des Kreisverkehrs lieber. Das wird aber aus Platzgründen kaum möglich sein, erwiderte Kattau. Angelika Rundel (SPD) regte an, dass man am besten ein Parkhaus über dem Bushalt planen sollte, um alles auf dieser seite des Platzes unterzubringen. Strauß ergänzte, dass eine Überdachung wichtig sei und vor allem ein WC. Denn gerade bei Kontrollen der Fernbusse durch die Polizei, die oft stundenlang dauern, sei eine Toilette unerlässlich.

Martin Schnell, Jürgen Müller (LI) und Günther Brombeiß (FB) wollen auf jeden Fall weiterhin eine direkte Zufahrt aus der Rickenbacher Straße in den Berliner Platz ermöglichen. Roland Freiberg (BU) warnte davor, schon jetzt festzuschreiben, dass die Zufahrt zum Lindaupark künftig nur von hinten, also auf Höhe der Post, erfolgen soll. Die Belastung der Kemptener Straße an dieser Stelle überwiege die Vorteile am Berliner Platz. Müller will zudem eine direkte Zufahrt für Ärztehaus und Apotheke erhalten.

Freiberg, Birk und Brombeiß waren sich darin einig, dass der Stadtrat möglichst bald über die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs für eine Dauerlösung reden sollte. Denn da seien einige Vorgaben für die Planer nötig. Ulrich Jöckel (FDP) will aber erst eine Verkehrslösung beschließen und dann die Städteplaner beauftragen. Rundel ist froh, dass die Übergangslösung die Platanenallee auf jeden Fall erhält, die für einen Tunnel nach Meinung aller Fachleute zum großen Teil abgeholzt werden müsste.

Dass die Stadtbushaltestellen so bleiben sollen, wie sie sind, gefällt vielen Räten nicht. Strauß forderte eine Verlegung der Haltestelle aus der Rickenbacher Straße am besten in den Kreisverkehr Berliner Platz hinein. Kattau erwiderte, dass die Planer bereits überlegen, wie man die Lage für Stadtbusfahrgäste rund um den Berliner Platz verbessern könnte.

Böhm: Ein völlig staufreiesLindau wird es niemals geben

Uli Kaiser (BL) bat die Ratskollegen um Mäßigung und Vertrauen. Denn trotz aller dort geplanter Maßnahmen werde der Berliner Platz niemals Lindaus Zentrum. Denn dazu gehöre auch die Kultur, die fehle dort aber völlig. „Unser Zentrum bleibt die Insel.“ Als Anlieger hält er auch die geplante Regel für nicht schlimm, dass Autofahrer aus der Rickenbacher Straße nur noch nach rechts in die Kemptener Straße abbiegen sollen. Das verhindere aber die Durchfahrt der Unmengen Österreicher, die das als Schleichweg entdeckt hätten. Grundsätzlich sprach er sich für die Vorschläge der Fachleute aus und warb bei den Zweiflern: „Habt Vertrauen zu den Verkehrsplanern.“

Böhm ergänzte zum Abschluss, dass niemand Wunderdinge erwarten dürfe, denn zu bestimmten Spitzenzeiten werde es auch in Lindau wie in jeder anderen Stadt stockenden Verkehr geben. Das werde man mit keiner Lösung verhindern können: „Dass wir 24 Stunden staufrei durch ganz Lindau fahren, das ist nicht möglich.“

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