Stadt Lindau soll Kleinen See mähen

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Eine muntere Diskussion erleben die Besucher in Aeschach beim Termin mit der LIndauer Zeitung "LZ hoert zu".
Eine muntere Diskussion erleben die Besucher in Aeschach beim Termin mit der LIndauer Zeitung "LZ hoert zu". (Foto: Christian Flemming)
Crossmedia Volontär

Lindau - Neben dem Thema Wohnbebauung (lesen Sie dazu den Artikel "Wir müssen in Lindau endlich in die Höhe bauen") sprachen die LZ-Leser beim Leserstammtisch in Aeschach auch über einige andere Themen im Stadtteil. Redaktionsleiter Dirk Augustin leitete die engagiert geführten Diskussionen.

Was wird auf dem Karl-Bever-Platz gebaut?

Im Stadtrat gibt es bisher eine Mehrheit für ein Parkhaus mit 600 bis 700 Stellplätzen auf dem Beverplatz. Darüber informierte Stadtrat Roland Freiberg (BU) auf dem Leserstammtisch. Die genaue Größe für das Parkhaus ist aber noch nicht festgelegt. Die bisherigen Pläne sehen nur eine maximale Höhe von 20 Metern vor. „Die Höhe werden wir auch erreichen, wenn wir 700 Stellplätze machen“, erklärt Freiberg. Auch das geplante Hotel werde seine Maximalmaße von 67 Metern Länge und 17 Metern Breite wahrscheinlich erreichen. Einen Zweckbau wie das Best-Western-Hotel an der Autobahn wolle aber niemand.

Der Alternativorschlag kommt von Ulrich Jöckel (FDP). Er fordert ein Parkdeck über dem gesamten Platz, allerdings in maximal drei Stockwerken. Dafür bekommt er Unterstützung von der Architektin Maria Graf. Sie meint: „Der Beverplatz ist eine prominente Stelle, da kann man keine Türme hinbauen.“ Die Fassade eines Parkhauses bleibe immer funktional und werde nicht schön, deshalb müsse es darum gehen, diese so niedrig wie möglich zu halten.

Einen weiteren Vorschlag dazu brachte Stefan Lampert zur Sprache: Er plädierte für ein Parkhaus am Reutiner Bahnhof. „Nur so können wir den Verkehr tatsächlich aus der Stadt heraus halten“, sagte er. Mit Parkplätzen am Beverplatz verschiebe man nur das Verkehrsproblem von der Insel vor die Insel.

Marc Hübler erklärte dazu, dass die Bahn das Gelände in Reutin aber erst nach 2021 freigebe. Bis 2025 könne dort deswegen kein Parkhaus entstehen. Deshalb müssten bis dahin an einen anderen Ort. Er merkte außerdem an, dass durch ein Parkhaus am Beverplatz autofreie Zonen auf der Insel entstehen können. Hübler meinte: „Ohne Parkplätze ist die Insel tot.“

Was bedeutet das Parkhaus für die Anwohner?

Den Anwohnern bereitet die Situation auf dem Beverplatz bereits jetzt Sorgen. Amanda Davies erklärte: „Im Sommer ist die Einmündung in den Hasenweidweg ständig verstopft.“ Die Autoschlange vor dem Parkplatz staue sich zu weit zurück. Wenn man vorsichtig versuche an der Schlange vorbeizufahren und jemand entgegenkomme, gebe es regelmäßig Zoff unter Autofahrern. Mit Parkhaus könnte sich diese Situation noch verschärfen.

Kann der Kleine See ausgebaggert werden?

Ursula Duval bemängelte den Zustand des Kleinen Sees. „Jetzt ist er voller Zweige und im Sommer wuchern die Algen, das stinkt dann furchtbar.“ Sie forderte den See auszubaggern, wie das schon in den 1960er Jahren geschehen sei. Stadtrat Roland Freiberg (BU) hält das für undenkbar. „Das wäre viel zu teuer“, sagte er. LZ-Redaktionsleiter Dirk Augustin erklärte, dass sämtlicher Aushub aus dem See als Sondermüll gilt und deshalb aufwendig entsorgt werden muss.

Auch ein Mähen des stinkenden Seegrases mit der Seekuh gestaltet sich schwierig. Der Naturschutz erlaubt das bisher nur nach dem 15. August. Lindaus Pressesprecher Jürgen Widmer erklärte: „Das ist die Kinderstube der Fische.“ Die würden im hohen Gras laichen und der Nachwuchs verstecke sich dort, bis her groß genug ist um offenen Wasser zu überleben. Deshalb sei eine Mahd gegen das Naturschutzgesetz. Erich Jörg vom Bund Naturschutz Lindau erklärt: „Der Kleine See ist Landschaftsschutzgebiet. Dort etwas machen zu dürfen erfordert ein wasserrechtliches Verfahren.“ Diese seinen so ziemlich das komplizierteste, was man in Gemeinden tun könne.

Auf Beschluss des Bauausschusses soll die Stadt jetzt mit dem zuständigen Wasserwirtschaftsamt verhandeln, ob sie einzelne Teilbereiche, wie etwa den Durchfluss am Bahndamm, ausbaggern darf. Das gilt auch für das Mähen einer Fahrrinne.

Was passiert mit dem Wochenmarkt in der Lärchengasse?

LZ-Leser Siegfried Jäger brachte das Gespräch auf die Lärchengasse. Dort sei die Tiefgarage unter dem dringend sanierungsbedürftig, weil schon über 40 Jahre alt. Jäger sagte: „Das Problem ist, das die Platte oben auf der Tiefgarage mit einer Widmung der Stadt versehen ist.“ Auf der Platte findet nämlich der Wochenmarkt in Aeschach statt. Eine Renovierung hätte also weitreichende Konsequenzen.

Verschwindet Edeka aus Aeschach?

Eine Leserin fragte nach, was nun mit dem Edeka-Markt am Aeschacher Markt passiere. Schließlich sei der durch den Neubau von Kaufland am Heuriedweg einer großen Konkurrenz ausgesetzt. Stadtrat Roland Freiberg beruhigte: „Der Edeka gehört fest zu Aeschach, da ist eher das Problem, dass der gerne erweitern würde, aber nicht kann.“ Außerdem würde der Markt gut angenommen.

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