Stadt Lindau plant neue Schule und Kitas

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 Die Aeschacher Grundschule braucht nicht nur eine Sanierung, sondern auch eine Erweiterung.
Die Aeschacher Grundschule braucht nicht nur eien Sanierung, sondern auch eine Erweiterung. (Foto: Archiv: cf)
Redaktionsleiter

Die Stadt muss in den kommenden Jahren viele zusätzliche Gruppen in Krippen und Kindergärten schaffen. Schulen brauchen weitere Räume, in Reutin ist sogar eine ganz neue Grundschule nötig. Das ist die Folge der zahlreichen geplanten neuen Baugebiete.

Warum ist die Untersuchung nötig?

Angesichts der bereits beschlossenen und zusätzlich geplanten Baugebiete vor allem in Reutin, Zech und auf der Insel hat die Stadt ein Fachbüro mit einer Vorhersage beauftragt. Das ist rechtlich nötig, damit die Stadt in den Verhandlungen mit Bauträgern künftig sauber den aus den Baugebieten erwachsenen Bedarf an Kinderbetreuung errechnen kann. Denn im Zuge der Sobon müssen Bauträger zumindest einen großen Teil dieser Kosten tragen.

Auf welcher Grundlage beruht das Gutachten?

Das Nürnberger Büro Planwerk ist auf solche Untersuchungen spezialisiert und hat auf der Grundlage der Zahlen von 2017 und den Planungen des Bauamts den Bedarf errechnet. Dabei legt Planwerk-Mitinhaber Gunter Schramm Wert darauf, dass seine Vorhersagen oft zutreffen, dass Lindau angesichts des langen Zeitraums aber immer wieder prüfen muss, ob die Bebauung doch schneller oder langsamer läuft als jetzt erwartet. Denn Schramm geht nicht davon aus, dass bis in 15 Jahren tatsächlich alle Baugebiete vollendet sind, wie sie heute geplant sind. Erfahrungsgemäß gebe es Verzögerungen oder geänderte Pläne. Deshalbgeht er davon aus, dass nur zwei Drittel der geplanten Wohnungen bis 2033 auch tatsächlich bezugsfertig sind.

Wie groß wird Lindau in den kommenden 15 Jahren wachsen?

Weil in Lindau weiterhin mehr Menschen sterben als neu geboren werden, wird die Einwohnerzahl vor allem durch Zuzug in neue Baugebiete wachsen. Dabei erwartet Schramm, dass sich viele junge Familien ansiedeln werden. Es werde aber auch weiterhin einen nennenswerten Anteil an Senioren geben, die ihren Wohnsitz an den bayerischen Bodensee verlagern. Schramm geht davon aus, dass Lindau in 15 Jahren knapp 28.000 Bewohner haben wird – so viele wie es Anfang der 60er-Jahre schon einmal waren. Vor allem nach 2020 sollen jedes Jahr etwa 230 neue Wohnungen bezugsfertig werden, sodass die Einwohnerzahl bis 2026 schnell steigen wird. Danach erwartet Schramm ein Abflachen, wobei die Zahlen immer noch höher sein sollen als in den vergangenen Jahren.

Bevölkerungsentwicklung in Lindau

In welchen Stadtteilen wird es Veränderungen geben?

Aeschach, Hoyren und Schachen sind von dem Zuzug kaum betroffen, denn dort sind kaum größere Baugebiete geplant. Das gilt auch für Oberreitnau. Ganz anders ist es in Reutin, Zech und auf der Insel, wo mit Rothenmoos, Vier-Linden-Quartier, Münchhofsiedlung, den Grundstücken von Bauhof und Stadtgärtnerei, Hoeckle-Grundstück sowie den Bahnflächen in Reutin und auf er Insel und dem Seeparkplatz viele Wohnungen geplant sind.

Welche Folgen hat das Bevölkerungswachstum?

Für die Verantwortlichen der Stadt bedeutet das vor allem, dass sie rechtzeitig ausreichend Betreuungsplätze für Kinder schaffen muss. Denn junge Familien werden nur nach Lindau kommen, um hier bei einem der erfolgreichen Unternehmen zu arbeiten, wenn es gute Betreuungsplätze für die Kinder gibt. Deshalb hat Planwerk dies sehr genau untersucht.

Was muss die Stadt bei den Grundschulen tun?

Schramm hat sich die einzelnen Schulsprengel genau angeschaut. Vor allem in Reutin und Zech sind zusätzliche Klassenräume nötig. Bis 2025 wird es dort etwa 200 Kinder im Grundschulalter mehr geben als heute. Bereits in drei Jahren seien vier zusätzliche Klassenräume nötig, sagt Schramm voraus. Die will die Stadt im Zuge des sowieso geplanten Umbaus der Zecher Schule schaffen. Weil die Reutiner Grundschule keine Erweiterungsmöglichkeit hat, hält die Verwaltung den Bau einer neuen Grundschule in Reutin für nötig. Wo diese stehen soll, darüber müssen Verwaltung und Stadtrat noch sprechen. Einen Großteil der Kosten will die Stadt von den Bauträgern erstattet haben, die mit den neuen Wohnungen Geld verdienen.

Das Schulgebäude auf der Insel reicht, um vier weitere Klassen unterzubringen. Allerdings muss die Stadt dann neue Räume für den Hort schaffen. In Aeschach sind zwei oder drei zusätzliche Klassenräume nötig, die in einem Anbau denkbar sind. In Hoyren reicht das bestehende Gebäude aus. Nach Meinung der Verwaltung gilt das auch für Oberreitnau, wo es ein bis zwei Klassen mehr geben wird als heute.

Reicht der Platz für Mittagsbetreuung, Horte oder Ganztagsschule?

Diese Frage bietet die größte Unsicherheit, denn derzeit weiß niemand, ob und wann sich die Rechtslage ändert und für welche Zeiten Eltern künftig Betreuung ihre Kinder im Grundschulalter buchen. Die Fachleute gehen auf jeden Fall davon aus, dass die Zahl der zu betreuenden Kinder erheblich steigen wird. Planwerk rechnet statt der bisher betreuten etwa 400 Kinder mit fast 900 im Jahr 2030. Deshalb muss die Stadt bei den anstehenden Baumaßnahmen natürlich Räume schaffen, die für diesen Bedarf geeignet sind. Andernfalls wären kurz darauf schon wieder Bauarbeiten nötig. Zum jetzigen Zeitpunkt kann aber niemand sagen, welcher Platz notwendig wird.

Wie ist der Handlungsbedarf ab der fünften Klasse?

Die Stadt Lindau ist zuständig für die Mittelschule. Die Zahl der Schüler wird zwar leicht steigen, das wird aber bis 2025 nichts an der Zahl der bisher 19 Klassen verändern. Allerdings werden die Klassen größer als bisher durchschnittlich nicht mal 18 Schüler. Nach 2025 sind vielleicht ein oder zwei Klassen mehr nötig. Das wird die Stadt bei der geplanten Zusammenlegung der Mittelschulen in Reutin beachten. Die Regierung von Schwaben erstellt dafür gerade ein Raumprogramm. Matthias Kaiser (BL) wies daraufhin, dass die Verwaltung die Vorhersage an das Landratsamt weiterleiten sollte, denn der Landkreis ist für Realschulen und Gymnasium zuständig. Und da die meisten Kinder nach der Grundschule eine weiterführende Schule besuchen, brauchen wahrscheinlich vor allem die Gymnasien zusätzliche Klassenräume.

Welche Pläne gibt es für Kinderkrippen?

Bisher betreuen die Erzieherinnen in Lindau an elf Standorten 196 Kinder. Das sind ein Drittel der Kinder unter drei Jahren. Die Fachleute gehen aber davon aus, dass der Anteil steigen wird, bis fast alle Zwei- und Dreijährige und sogar einige vor dem ersten Geburtstag einen Krippenplatz brauchen. Für Lindau bedeutet das, dass fast 500 Krippenplätze nötig sind. Möglichst schon im kommenden Jahr sollen zusätzliche Krippengruppen im neuen Kindergarten St. Verena und im neuen Kindergarten Bethlehem entstehen. Die Stadt verhandelt wegen der Bauzuschüsse gerade mit den Kirchen. Da der Kindergarten Arche Noah aus dem Reutiner Schulgebäude ausziehen muss, um Platz für die Mittelschule zu machen, prüft die Verwaltung derzeit Standorte für einen Neubau, der zusätzliche Krippengruppen aufnehmen soll. Den Bedarf der späteren Jahre will die Verwaltung in neuen Kitas decken, die Bauträger im Rahmen der Sobon im Vier-Linden-Quartier, im Rothenmoos und in anderen Baugebieten schaffen müssen.

Wo sind neue Kindergärten geplant?

Bisher gibt es in Lindau 17 Kindergärten, die 718 Mädchen und Jungen betreuen. Bis 2025 wird der Bedarf um etwa 250 Plätze steigen, das sind mehr als zehn Gruppen. Schnell sollen die kirchlichen Kitas St. Verena und Bethlehem sowie die neue Arche Noah jeweils auch eine zusätzliche Kindergartengruppe einrichten. Außerdem ist die Kirchenstiftung in Oberreitnau bereits in der Planung eines Anbaus für eine Kindergartengruppe, die 2020 eröffnen soll. Den späteren Bedarf sollen Kitas in den neuen Baugebieten decken, die Bauträger im Rahmen der Sobon errichten müssen.

Was sagt die Politik zu den Vorhersagen?

Während die meisten Stadträte froh sind über eine fundierte Planungsgrundlage, hoffen einige, dass sich die Besiedlung der neuen Baugebiete verzögert und Lindau deshalb langsamer wächst. Andere fühlen sich bestätigt, weil die Untersuchung zum Ergebnis kommt, dass die Baulandpolitik richtig ist, damit die Wohnungsnot angesichts des Zuzugs nicht noch größer wird. Einig sind sich alle, dass Stadtrat und Verwaltung schnell die Planungen vorantreiben müssen, um Engpässe zu vermeiden. Das gilt zunächst für den Ausbau der Zecher Grundschule, danach sollen schneller als bisher geplant die anderen Schulen folgen. Das Geld müsse die Stadt aufbringen. Mehrere Räte bezeichnen Schul- und Kitabau als das wichtigste Großprojekt. Fast einig sind sich die Räte, alle Grundschulen zu erhalten und auszubauen. Nur Thomas Hummler (CSU) findet es besser, Reutin zur großen Grundschule auszubauen und Aeschach, Hoyren und die Insel zu einer zweiten großen Grundschule zusammenzulegen.

Wie geht es weiter?

Auf Drängen verschiedener Stadträte sagte OB Gerhard Ecker einen Workshop oder eine Sondersitzung des Stadtrats vor der Sommerpause zu. Bis dahin soll die Verwaltung viele offene Fragen klären: Wie laufen die Planungen für die verschiedenen Bauvorhaben? Werden die benötigten Räume in Kitas und Schulen rechtzeitig fertig? Welche Kosten entstehen dabei? Was kann die Stadt mittels Sobon auf Bauträger übertragen? Welche Beträge muss sie selbst in die Finanzplanung aufnehmen? Die Räte sind sich einig, dass es schnell gehen muss.

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