Stadt Lindau entwarnt: Keine Umweltgefahr durch Straßenbelag

Lesedauer: 4 Min

Jedes Jahr werden dem Bodensee rund 180 Millionen Kubikmeter Wasser zur Trinkwasserversorgung von über vier Millionen Menschen rund um den See entnommen, mehr als 400 Vogelarten haben hier ihr Zuhause und rund 45 Fischarten tummeln sich in Deutschlands größtem Binnengewässer. Kein Wunder also, dass es den Bund Naturschutz aufschreckte, als am Rand der Baustelle nahe der Inselhalle Fässer mit Epoxitharz und Härter für eben jenes Material am Straßenrand auftauchten. Die Beschriftung „Giftig für Wasserorganismen mit langfristiger Wirkung“ und der dazugehörigen Bebilderung als gesundheitsgefährdend und ätzend ließ endgültig die Alarmglocken klingeln. Mit dem Epoxitharzgemisch wird die Asphaltschicht des Straßenbelags versiegelt.

Naturschützer besorgt

„Da diese Materialien in unmittelbarer Nähe zum Trinkwasserspeicher Bodensee ausgebracht werden sollen, hat uns der Hinweis aufgerüttelt und in Aufregung versetzt“, schreibt Erich Jörg, Kreisvoritzender des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Lindau in seiner Mail an Stadt und Presse. Und weiter: „Auch wenn das Material nach Aushärtung angeblich fest gebunden ist, könnte die Gefahr bestehen, dass nach langer Zeit der intensiven Belastung durch den Verkehr und die Sonneneinstrahlung, Regen und Frost Auflösungserscheinungen auftreten“, beschreibt Jörg seine Sorgen um die Verwendung des Materials.

Eine Sorge, die laut Pressestelle der Stadt Lindau unbegründet ist. „Wir haben uns bewusst für dieses Material entschieden, da es ansonsten beim Autobahnbau und für Landebahnen auf Flughäfen verwandt wird, weil es eben keinen Abrieb hat“, erklärt Jürgen Widmer, Pressesprecher der Stadt Lindau. Die Unbedenklichkeit der Verwendung bestätigt ein Schreiben der Herstellerfirma Possehl Spezialbau, die in ihrem Brief schreibt: „Nach der Mischung und Aushärtung der Einzelkomponenten ist das Produkt physiologisch unbedenklich. Ausgehärtete Produktreste können zusammen mit Hausmüll oder unter Abfallschlüsselnummer 20 03 01 „Gemischte Siedlungsabfälle“ enddeponiert oder in einer geeigneten Müllverbrennungsanlage entsorgt werden.“ Die Mischung der teilweise als Gefahrgut eingeordneten Einzelkomponenten erfolge „auf einem speziellen Fahrzeug oder mittels Unterlage abgedichteten Mischplatzes unter Beachtung der allgemeinen Schutzvorschriften“. Einer Verwendung in der Wasserschutzzone spreche daher „nichts entgegen“.

Das Unternehmen verweist darauf, dass eben jener Belag bereits im Rahmen der Landesgartenschau Bad Nauheim 2009 im Heilquellenschutzgebiet des Kurparks, 2011 in Wasserschutz-Bereichen der BUGA in Koblenz, sowie 2014 im Rahmen der Landesgartenschau in den Wasserschutz-Bereichen in Deggendorf und Gießen aufgebracht wurde.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen