Stadt Lindau betreibt auf 20 Hektar Natur- und Artenschutz

Lesedauer: 7 Min
XX
XX (Foto: Boris Roessler/dpa)
Redaktionsleiter

Blühwiesen, Streuobstflächen, aber auch entlang der Straßen – die Stadt Lindau tut einiges für den Natur- und Artenschutz. Aber Obstbaumwart Martin Lein berichtet den Stadträten, dass das nicht allen Bürgern gefällt.

Die Stadt sei dort schon lange aktiv, berichtet Lein. Dazu hätte es das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ nicht gebraucht. Er weiß aber auch, dass das Bemühen immer wieder auf Missfallen bei Lindauern trifft. So habe es schon mehrfach Beschwerden gegeben, weil die Stadtgärtnerei Grünstreifen entlang der Robert-Bosch-Straße im Herbst nicht mähe. Im Sommer kämen die dort wachsenden heimischen Blühpflanzen zwar gut an, weil sie unter anderem Schmetterlinge anlocken. Diese Arten seien aber auch im Winter für Vögel als Futter wichtig und dürfen deshalb nicht gemäht werden. „Das finden viele Bürger nicht so schön“, weil es tatsächlich einen ungepflegten Eindruck macht. Aber das sei eben wichtig für die Natur, die sich nicht nach dem Ordnungssinn und dem Schönheitsempfinden der Menschen richtet.

Wichtig sei es, dass die Stadtgärtnerei nicht überall gleich handelt, sondern verschiedene Lebensräume entwickelt. Von herausragender Qualität sind die sogenannten Ökoausgleichsflächen, welche die Stadt zum Ausgleich für bauliche Eingriffe anlegen muss. Da gibt es Streuobstwiesen, Feuchtwiesen, Tümpel oder Waldstücke. Da diese zumeist im Hinterland liegen, seien sie wenig im Bewusstsein. Andererseits seien diese Naturflächen auch nur dort sinnvoll, wo nicht riesige Besuchermengen drängen, die diese Ökosysteme in Gefahr bringen. Auf der Hinteren Insel hält der frühere Stadtgärtner Meinrad Gfall eine solche Fläche deshalb für nicht sinnvoll.

Lein lobte aber auch die Arbeit der Stadtgärtnerei beim sogenannten Straßenbegleitgrün. Denn auch auf dem Berliner Platz, dem meistbefahrenen Platz der Stadt, fühlen sich Insekten überraschend wohl, wenn die Mittelinsel so naturnah bewachsen ist wie in den vergangenen Jahren. Lein berichtet, dass die Stadtgärtnerei nach Versuchen mit einjährigen Blühmischungen dazu übergegangen ist, mehrjährige Mischungen heimischer Pflanzen zu nehmen, auch wenn diese nicht über Wochen hinweg blühen und damit nicht ganz so schön aussehen. Für die Natur sei das aber besser. Lein weiß: „Es muss nicht immer schön aussehen…“

Teil des Lotzbeckparks soll naturnahe Wiese werden

Am Kolpingkreisel dagegen setze man auf Staudenpflanzen, die inmitten von Steinen wachsen, die aber kein undurchlässiger Kies sind, sondern Lebensraum für Insekten und andere Kleintiere bieten. Besonders viel Lob gab es für die Wildkrokusse, die in der Unterführung Langenweg geblüht haben, weil diese im Gegensatz zu den meisten Krokussen in Privatgärten tatsächlich Nektar und Pollen für Bienen bieten.

Einen Teil des Lotzbeckparks will die Stadtgärtnerei in Absprache mit dem Bund Naturschutz ebenfalls in eine naturnahe Wiese umwandeln, die nur ein- oder zweimal im Jahr gemäht wird. Der BN will das für Projekte mit Schulklassen verwenden. An den Schulen selbst sei die Stadtgärtnerei ebenfalls in diesem Sinne aktiv, wenn der Platz da ist und wenn Schulleitungen und Eltern das wünschen. Stadtgärtner Jan Wragge erinnerte an die Umgestaltung des Schulhofs der Reutiner Schule, bei der auch eine Blühwiese entstanden sei.

Die Stadträte im GTL-Werkausschuss lobten die Arbeit der Stadtgärtnerei. Max Strauß (BL) regte an, Stadt und GTL sollten gemeinsam das frühere Maisfeld im Oberen Rothmoos als Blühwiese einrichten, denn es werde wahrscheinlich noch eine ganze Zeit dauern bis dort die Bauarbeiten beginnen dürfen.

Stefan Büchele (CSU) berichtete, dass Lindauer Landwirte Blühpaten für mehr als 2000 Quadratmeter gefunden haben. Dabei handelt es sich um Bürger, die dafür bezahlen, dass Obstbauern bestimmte Flächen in Blühland umwandeln. Da sei nach dem Aufruf eines Landwirts während des Volksbegehrens sehr viel Geld zusammengekommen. Im Mai wollen die Bauern mit der Arbeit beginnen. Sowas könne die Stadtgärtnerei auch machen. Büchele schlug auch vor, dass die GWG einen Teil ihrer Flächen in Zusammenarbeit mit Landwirten entsprechend naturnah herrichtet. GTL-Werkleiter Kai Kattau war begeistert und will solche Projekt prüfen, denn das wäre „Naturschutz zum Anfassen“.

Nicht so begeistert war Fachmann Lein dagegen von Sebastian Krühns Idee, der die Schindlerwiese in eine Blühwiese umwandeln will. „Das ist zurzeit ja nur ein Hundeklo“, schimpfte Krühn. Doch der Standort eigne sich nicht gut für eine Blühwiese, erwiderte Lein. Auch für Streuobstwiesen gebe es bessere Standorte. Der Obstbaumwart könnte sich dort aber gut eine Baumsammlung, ein sogenanntes Arboterum, vorstellen.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen