Sprache erschließt Kindern das Leben

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Erzieherin Elke Schnauffer (links) hat genauso von der Arbeit der Sprachberaterin Barbara Schmidt profitiert wie die Buben und M
Erzieherin Elke Schnauffer (links) hat genauso von der Arbeit der Sprachberaterin Barbara Schmidt profitiert wie die Buben und M (Foto: Evi Eck-Gedler)
Schwäbische Zeitung

Acht Wochenstunden hat sie für ihre Aufgabe. Und der Bedarf in den Kindertagesstätten im Landkreis ist groß: Barbara Schmidt ist Sprachberaterin im Kreis Lindau. Dass ihre Arbeit Kindern sehr helfen kann, zeigt das Beispiel des Kinderhauses Tanner: 18 Monate lang hat Schmidt dort den Erzieherinnen zur Seite gestanden.

Von unserer Redakteurin  Evi Eck-Gedler

14 kleine Knirpse bevölkern die Krippe im Tanner-Kinderhaus. Der ein oder andere kommt auch aus einem Elternhaus, in dem Deutsch nicht Muttersprache ist. Und dann passiert es, dass ein Kind in der Runde sitzt und fast gar nichts versteht – eine Herausforderung, für Erzieherin wie Kind gleichermaßen.

An Sprachberaterin gewandt

Vor dieser Situation stand das Kinderhaus im Frühjahr 2009. „Schon der Stuhlkreis war anstrengend, aber auch das gemeinsame Essen“, erinnert sich Erzieherin Elke Schnauffer. Auch das Spielen mit den anderen Kindern in der Krippe war schwierig, weil die fehlende Sprache Barrieren baute. Das ist der Punkt gewesen, an dem das Krippenteam sich an die Sprachberaterin gewandt hat: Barbara Schmidt hält kreisweit die Fäden für die Sprachförderung in den Kindertagesstätten in den Händen. „Ein zweijähriges Kind sollte zwischen 50 und 200 Worte sprechen und sich in zwei-Wort-Sätzen ausdrücken können“, stellt sie fest. „Fehlende Sprache ist oft ein Indikator dafür, dass sich ein Kind nicht wohlfühlt, es eine Blockade gibt.“

Schmidt klinkte sich ins Kinderhaus ein. „Ich habe Kinder wie auch Erzieherinnen beobachtet, wie sie arbeiten und auf das Kind reagieren.“ Elke Schnauffer erinnert sich daran: „Ich habe in der täglichen Arbeit gelernt, wann ich ein Kind zum Reden animieren kann, und wann ich das verhindere.“ Wenn ein Schützling beispielsweise im Morgenkreis losplappern will und die Erzieherin ihn erst einmal ermahnt, er solle sich „richtig hinsetzen“ – „dann ist die Tür zu“, wie es Schmidt formuliert.

Schnauffer begann, ihrem Schützling beim Tischabräumen kleine Aufgaben zuzuweisen. Und dabei, wie auch in anderen Situationen, etwa beim Trampolinspringen“, „mit dem Kind in kurzen, klaren Sätzen zu sprechen“. Der Erfolg zeigte sich in kleinen Schritten, aber stetig: „Handlungsbegleitendes Sprechen animiniert Kinder“, das weiß auch Kinderhaus-Leiterin Roswitha Schefler. Ähnlich, wie auch bei ihrer Arbeit im Kindergarten „Arche Noah“, setzen Barbara Schmidt und die Erzieherinnen bei ihrer Spracharbeit lieber bei den vorhandenen Ressourcen des Nachwuchses an und nicht bei deren Defiziten. „Und das gilt für alle Kinder, die entwicklungsauffällig sind“, wie Schmidt betont.

Eineinhalbjähirge Arbeit

115 Stunden hat die Sprachberaterin im Kinderhaus verbracht. „Das ist schon fast eine Supervision gewesen“, fasst sie die Arbeit der vergangenen eineinhalb Jahre zusammen. Der Erfolg gibt aber allen Beteiligten Recht. Mittlerweile geht der kleine Knirps in den Kindergarten im Kinderhaus, und plaudert fröhlich mit Erzieherinnen und seinesgleichen.

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