Spediteure warnen vor schärferen Grenzkontrollen

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Polizisten kontrollieren Fahrzeuge, die aus Österreich nach Deutschland kommen. Transportunternehmen befürchten massive Einbußen
Polizisten kontrollieren Fahrzeuge, die aus Österreich nach Deutschland kommen. Transportunternehmen befürchten massive Einbußen durch strengere Grenzkontrollen und lange Staus. (Foto: dpa)
Wirtschaftsredakteur
Deutsche Presse-Agentur

Die Speditions- und Logistikunternehmen sind die ersten, die die Auswirkungen strengerer Grenzkontrollen zu spüren bekommen werden. Längere Wartezeiten bedeuten höhere Kosten. Doch aus Mangel an Ausweichrouten für den Lastenverkehr sind lange Staus an Österreichs Grenzen für alle zu erwarten.

Bis zu 40 Kilometer werden Autos und Lastwagen Stoßstange an Stoßstange stehen, wenn es infolge des Asylkompromisses von CDU und CSU zu strengeren Grenzkontrollen zwischen Österreich und Italien kommt, befürchtet der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Branchenverbands BGL, Adolf Zobel. Denn Österreich hat mit großer Skepsis auf den Kompromiss der Unionsparteien reagiert und zieht nun seinerseits Kontrollen an den Grenzen nach Italien und Slowenien in Erwägung.

Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer äußerte „große Sorge“ über schärfere Grenzkontrollen zwischen Bayern und Österreich. „Klar ist aber, dass in dem Moment, wo eine Grenze dichter gemacht wird, gleichzeitig Österreich im Süden an der Grenze ähnliche Maßnahmen setzen muss, weil sonst Österreich zu einem Auffangland wird“, sagte Hofer.

Davon könnte auch der Brennerpass betroffen sein, der Österreich mit Italien verbindet und eine wichtige Transportverbindung gen Norden darstellt. Laut Hofers Ministerium passieren ihn pro Jahr etwa 2,4 Millionen Lkw. Hofer sagte, dass die Laster dann über die Schweiz ausweichen müssten, was mehr als 120 Euro zusätzlich pro Fahrzeug kosten würde.

„Eine Katastrophe wäre das, sollten wir in die Zeiten der geschlossenen Grenzen zurückkehren“, sagt Walter Müller, Chef von der Spedition Max Müller mit Sitz in Opfenbach (Landkreis Lindau). Rund zehn Prozent seiner Transporte, so schätzt Müller, gingen über die österreichisch-deutsche Grenze.

Wartezeiten aufgrund von Grenzkontrollen würden nicht nur Zeit und Geld kosten, sondern auch die eng getakteten Weitertransporte und Anschlußlieferverträge gefährden. Über die Schweiz auszuweichen lohne sich dagegen nicht, da die Maut dort doppelt so teuer sei wie in Österreich, sagt Müller. Das bedeutet wiederum, dass die Staus an den Grenzen aus Mangel an Alternativrouten unausweichlich sind.

Grenzkontrollen
Kontrolle an der deutsch-österreichischen Grenze (Foto: Sven Hoppe/Archiv / DPA)

Außerdem könnten die Fahrer wegen der Wartezeiten weniger Strecke während ihrer Fahrzeit zurücklegen, was wiederum Terminprobleme bei den Kunden mit sich bringe, erklärt Arno Brucker, Geschäftsführers der Spedition Brucker aus Aalen (Ostalbkreis). Auf den Kosten für die Verzögerung bleibe er sitzen.

„Letzten Endes sind wir in diesem Punkt ein Spielball der politischen Kämpfe“, so Brucker, „die Konsequenzen müssen letzten Endes alle tragen, da die Wirtschaft insgesamt betroffen sein wird und in ihrem Wachstum gehemmt wird.“ Er wünsche sich ein offenes Europa und sei sehr betrübt, „dass durch den Versuch, ein einzelnes Problem zu lösen, die gesamten Errungenschaften der letzten Jahre über Bord geworfen werden“.

Befürchtungen der Einzelhändler

Darüber hinaus würden Einzelhändler in grenznahen Gebieten Kunden verlieren. „Es ist zu erwarten, dass viele Kunden, die sonst zum Einkaufen über die Grenze nach Deutschland kommen, die langen Rückstaus meiden werden“, lässt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Stefan Genth, mitteilen.

Nach Schätzungen der Bundesregierung, heißt es weiter, würden die Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze negative Auswirkungen auf die Wirtschaft haben und das Bruttoinlandsprodukt könnte in der Folge um ein bis drei Milliarden Euro schrumpfen.

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