So warm war der See im Winter noch nie

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Föhnstimmung über dem See: Das warme Wetter senkt den Sauerstoffgehalt im tieferen Wasser.
(Foto: Marzena Wieczorek)
Lindauer Zeitung

Der warme Winter zeigt sich auch an der Wassertemperatur des Bodensees. An der Oberfläche in der Bregenzer Bucht liegt sie derzeit rund zwei Grad über dem langjährigen Mittelwert. Sogar die bisher gemessenen Höchstwerte werden überschritten: Demnach ist das Wasser an der Messstation Bregenz rund sechs Grad warm, das sind 1,3 Grad mehr als die bisherigen Höchstwerte von Anfang Februar.

„Damit zeigt sich einmal mehr, dass die Auswirkungen des Klimawandels auch im Bodensee nachweisbar sind. Die sehr gute Wasserqualität garantiert aber, dass der ökologische Zustand des Bodensees auch bei höheren Wintertemperaturen stabil bleibt", betont der Vorsitzende der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee (IGKB), Elmar Zech. Seit 1979 wird in Bregenz die Temperatur des Bodensees 50 Zentimeter unter dem Wasserspiegel von der Wasserwirtschaft in Vorarlberg kontinuierlich aufgezeichnet. Die Werte der letzten Monate dokumentieren eindrücklich die überdurchschnittlich warmen Temperaturen dieses Winters. Die Temperatur des Bodensees liegt derzeit rund zwei Grad über dem seit 1979 gemessenen Mittelwert. Seit Anfang November lagen 20 Tage über dem bisherigen Maximum.

Nur wenig sauerstoffreiches gelangt in tiefere Seezonen

Von der IGKB wurde in einer Studie zum Klimawandel am Bodensee die zu erwartende Entwicklung der Wassertemperatur im Bodensee bis zum Jahr 2085 simuliert. Die aktuellen Messdaten bestätigen die Studienergebnisse. Insgesamt rechnen die Forscher damit, dass die Wassertemperaturen auch künftig im Winter auf Dauer wärmer werden.

Das hat zur Folge, dass die Durchmischung des Bodenseewassers eingeschränkt wird und sauerstoffreiches Wasser nicht mehr von der Oberfläche in die tiefen Seezonen gelangt. Sauerstoffmangel kann die Organismen am Seegrund, so zum Beispiel den Fischlaich, schädigen.

Gewässerschutz ist auch gut für das Ökosystem

Die aktuell sehr gute Wasserqualität mit niedrigem Phosphorgehalt bewirkt, dass der Sauerstoffverbrauch im Tiefenbereich des Sees gering ist und Probleme derzeit trotz eingeschränkter oder ausbleibender Durchmischung nicht zu erwarten sind.

„Der vorsorgliche Gewässerschutz aller Staaten rund um den See ist daher besonders wichtig. Damit können negative Auswirkungen der fehlenden Durchmischung auf das Ökosystem im Bodensee minimiert werden. Deshalb müssen die bisherigen Anstrengungen im Gewässerschutz fortgesetzt werden" erläutert Elmar Zech.

Die Qualität des Bodenseewassers wird laufend untersucht. Durch die Gewässerschutzmaßnahmen aller Staaten rund um den See ist die Wasserqualität heute wieder ähnlich gut wie Anfang der 50er Jahre. Die angrenzenden Länder und Kantone haben in den letzten 50 Jahren rund 4,5 Milliarden Euro in den Ausbau der Kanalisation und Kläranlagen investiert. Auch in Zukunft sind eine optimale Abwasserreinigung und die laufende Untersuchung des Bodensees unverzichtbar. Der See liefert Trinkwasser für rund fünf Millionen Menschen, ist ein einzigartiges, stabiles Ökosystem und im Sommer ein Freizeitparadies für Millionen von Besuchern.

Weitere Informationen finden sich unter

www.igkb.org

sowie unter

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