So manche Seniorin und Alleinerziehende würde ohne die Bürgeraktion „Wir helfen“ verzweifeln

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Zwei Frauen lachen in die Kamera
Ein dickes Dankeschön sagen Anneliese Spangehl (links) und Barbara Krämer-Kubas all jenen Menschen, Vereinen und Firmen aus Lindau und Umgebung, die mit ihren Spenden Wir helfen unterstützen. (Foto: Evi Eck-Gedler)

Senioren, chronisch Kranke, Arbeitslose, Alleinerziehende: Es sind überwiegend solche Menschen, mit deren Schicksalen sich die Aktiven der LZ-Bürgeraktion Wir helfen beschäftigten. Da fehlt das Geld zumeist an allen Ecken und Enden. Sind Familien mit Kindern betroffen, dann berührt das die Wir-helfen-Frauen Anneliese Spangehl und Barbara Krämer-Kubas als pensionierte Lehrerinnen gleich doppelt: „Kinder dürfen nicht das Nachsehen haben, nur weil die Eltern zu wenig verdienen.“ Damit in solchen Fällen geholfen werden kann, sind die Spenden der LZ-Leser wichtig. Denen sagen Spangehl und Krämer-Kubas ein dickes Dankeschön.

In gut 230 Fällen hat die Aktion in diesem Jahr bereits geholfen. Die Zahl der Anträge liegt deutlich höher. Geld aus dem Topf von Wir helfen erhält nur, wessen Bedürftigkeit zuvor geprüft worden ist, entweder von Behörden oder aber von der Caritas. „Jede Menge Anfragen“ erhalten Spangehl und Krämer-Kubas regelmäßig von Menschen, die nicht einmal das Geld haben, um sich bei ihrer Krankenkasse von der Zuzahlungspflicht für Medikamente befreien zu lassen.

Ohnehin gibt das Gesundheitssystem den beiden Wir-helfen-Frauen immer wieder Rätsel auf – wenn es um Eigenanteile für Brillen geht oder um Zahnersatz. „Aber auch ein Rentner oder ein Minijobber brauchen doch vernünftige Zähne“, schüttelt Krämer-Kubas den Kopf über geringe Kassenanteile und hohe Zuzahlungsbeträge.

Im regelmäßigen Kontakt sind die Frauen auch mit der Schwangerenberatung und dem Team der „Ersten Schritte“, das vor allem Eltern von Babys und Kleinkindern betreut. Da ist oft Kleidung gefragt, die zumeist beim Roten Kreuz oder der Nachbarschaftshilfe besorgt werde, aber auch eine Erstausstattung fürs Kind oder die Wohnung. Geht es um fehlende Möbel, fährt Krämer-Kubas mit den Antragstellern zumeist ins Unternehmen Chance, um Tisch und Stuhl, Bett oder anderes Inventar günstig zu erstehen. Brauchen Bedürftige neue Winterkleidung, dann nimmt sie diese mit in den BRK-Kleiderladen, wo sich durchaus auch Übergrößen finden, wie Krämer-Kubas weiß. „Da arbeiten wir mit den Institutionen in Lindau wirklich sehr gut zusammen“, gibt es ein dickes Lob der beiden Wir-helfen-Frauen.

Das gelte aber auch für Behörden wie Jugendamt und Jobcenter. So bitte beispielsweise letzteres immer wieder Wir helfen um Überbrückungshilfe für Menschen, wenn diese absolut kein Geld mehr haben, deren Anträge aber erst noch bearbeitet werden müssen, sprich Geld vom Amt erst später fließen kann.

Zweimal hat das Wir-helfen-Team in diesem Jahr aber auch Geld für eine schlichte Bestattung gegeben, in einem Fall sei es um Beerdigung und Trauerfeier für ein kleines Kind gegangen.

Geht es um die Belange von Kindern, dann haben Spangehl und Krämer-Kubas ohnehin ein besonders offenes Ohr. Etwa wenn der Nachwuchs von Alleinerziehenden Gefahr läuft, an einer Klassenfahrt nicht teilnehmen zu können, weil das Gehalt der Mama gering und doch knapp über den Bemessungsgrenzen für eine Kostenübernahme aus dem Teilhabegesetz liegt: „Kinder dürfen nicht benachteiligt werden, weil ihre Eltern nur wenig verdienen“, sind sich die beiden ehemaligen Lehrinnen einig. Und das müsse auch in puncto Schulbedarf gelten: Immer wieder erhalten sie Hilferufe, weil die Vielzahl von selbst zu bezahlenden Arbeitsheften und -materialien einschließlich Kopiergeld ein großes Loch ins Budget so mancher Familie reißt.

In einem Bereich hat das Wir-helfen-Team übrigens in diesem Jahr einen Rückgang an Anfragen erlebt – bei den Rechnungen für Strom und Gas. „Die Stadtwerke schauen jetzt deutlich früher hin“, hat Spangehl erfreut festgestellt und fügt an: „Auch bei den Abschlägen rechnen sie heute genauer.“ Das führe dazu, dass sich keine hohen unbezahlten Beträge mehr auftürmen. In der Vergangenheit hatte Wir helfen wiederholt finanziell einspringen müssen, damit im Notfall nicht sogar Strom oder Gas abgestellt werden.

Mit einem Schmunzeln und gerne erfüllt haben Anneliese Spangehl und Barbara Krämer-Kubas übrigens die Bitte einer Seniorin: Die Frau macht gerne Musik, unter anderem bei Veranstaltungen der Caritas – doch ihre alte Heimorgel war nicht mehr zu reparieren. Also gab es einen Zuschuss für den Kauf eines gebrauchten Instruments – ganz im Sinne der Wir-helfen-Gründer Uschi Krieger und Michael Urbanzyk, die mit der vor gut 25 Jahren ins Leben gerufenen Bürgeraktion nicht nur Notfälle lindern, sondern hier und da auch Bedürftigen ein kleines Extra geben wollten.

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