So hat Schönheitschirurg Werner Mang den FC Bayern München nach Lindau geholt

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Der FC Bayern kommt nach Lindau - Interview mit Werner Mang
Der Präsident der Spielvereinigung Lindau erzählt, wie der Coup hinter den Kulissen ablief und was er sich von Robben und Ribéry erhofft.
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Bundesliga-Rekordmeister gegen zweimaligen Gewinner des WFV-Pokals (1966, 1968), womöglich Bald-Wieder-Doublegewinner gegen den aktuellen Tabellendritten der neuntklassigen Kreisliga A II Bodensee: Wenn der FC Bayern München am 29. Mai um 18 Uhr zum Freundschaftsspiel bei der SpVgg Lindau antritt, prallen Gegensätze aufeinander. Werner Mang, Schönheitschirurg von Weltrang und Präsident der SpVgg Lindau, hat Filippo Cataldo und Jan Scharpenberg erklärt, wieso die Münchner kurz vor ihrem Urlaub am Bodensee Station machen.

+++ Bereits 2017 hatte Mang angekündigt, die Bayern nach Lindau holen zu wollen - hier können Sie alles dazu nachlesen +++

Professor Mang, die Bayern kommen für ein Freundschaftsspiel gegen Ihre SpVgg nach Lindau– wie haben Sie das geschafft?

Ja, das war natürlich schon ein Kraftakt. Mein Heimatverein SpVgg Lindau, für den ich in der Jugend selbst gespielt habe, wird im Herbst 100 Jahre alt. Als ich vor zwei Jahren Präsident wurde, habe ich gesagt, dass ich mich bemühen würde, die Bayern zur 100-Jahr-Feier zu bekommen. Ein Mang, ein Wort.

Woher kommt denn Ihre persönliche Verbindung zu den Bayern?

Ich bin seit mehr als 40 Jahren Mitglied, mit Willi Hoffmann (Bayern-Präsident von 1979 - 1985, die Red.) war ich sehr eng befreundet, mit ihm zusammen war ich auch bei vielen Auswärtsspielen der Bayern dabei. Und da habe ich natürlich auch den Uli Hoeneß kennengelernt. Es gibt ja drei berühmte Ulmer – Einstein, Hoeneß, Mang (Mang lacht). Meine Tochter war enger mit Karl-Heinz Rummenigges Sohn Roman befreundet, da sind sich auch die Familien sehr nah geworden – und mit Franz Beckenbauer habe ich eine Uralt-Freundschaft vom Golfen.

Der FC Bayern kommt nach Lindau - Interview mit Werner Mang
Der Präsident der Spielvereinigung Lindau erzählt, wie der Coup hinter den Kulissen ablief und was er sich von Robben und Ribéry erhofft.

Also ruft man dann Rummenigge an und sagt: ,Kalle, mein Verein wird 100, kommt ihr?`

Ich sage Karl-Heinz. Und ich habe ihn schon vor zwei Jahren gefragt, ob Bayern im Herbst 2019 kommen könnte. ich denke, das war der Schlüssel. Nun hat er mich Anfang Mai angerufen und meinte: ,Junge, wir kommen!’ Aber der 29. Mai wäre der einzige mögliche Termin.

Was natürlich ziemlich kurzfristig ist ...

Ich habe auch erst gesagt: ,Mensch das ist ja eine Herkulesaufgabe. Für mich, für die Stadt Lindau und für alle Beteiligten.’ Dann hat er gesagt: ,Du schaffst das.’ Und dann habe ich gesagt: ,Ja gut.’ Karl-Heinz hat mir dann erklärt, dass sie mit allen Stars kommen würden und somit auch Franck Ribéry und Arjen Robben dabei wären. Die beiden feiern also ihren Abschied in Lindau. Besser geht es nicht.

So eine Gelegenheit ergibt sich vielleicht alle 50 Jahre. Die Bayern wollen übrigens keine Gage, es ist ein echter Freundschaftsdienst. Sollte am Ende etwas übrig bleiben, würde ich es der Münchner Jugendabteilung spenden.

Wie hat die Stadt Lindau reagiert als Sie sagten, in vier Wochen kommen die Bayern?

Das ganze Ereignis bedeutet natürlich auch Stress. Aber Stress belohnt sich immer. Wir müssen ja Zusatztribünen am Stadion errichten – und dann ist Lindau momentan ja eine einzige Baustelle. Der Oberbürgermeister hat mir aber versprochen, alles zu tun, dass das Spiel stattfindet. Bei der Stadionbegehung am Freitag hat die Delegation des FC Bayern dem Rasen im Stadion übrigens Bundesligaqualität bescheinigt. Da muss man die Stadt auch loben.

Aber?

Wir bauen seit Freitag bereits die Zusatztribünen, so dass am Ende 4500 Stehplätze, 2800 Sitzplätze und 400 VIP-Plätze zur Verfügung stehen. Allein das kostet schon fast 100 000 Euro. Das wirtschaftliche Risiko trägt auch nicht der Verein, sondern eine Eventagentur, die wir mit der Organisation betraut haben. Das macht alles mein Freund Manfred Hertlein, der den Andreas Gabalier entdeckt hat und normalerweise das Olympiastadion füllt mit seinen Events.

Wir als Verein könnten das alles gar nicht leisten – allein die Sicherheitsvorgaben füllen ein ganzes Buch! DAber wir erwarten auch, dass die Stadt uns entgegenkommt, dass sie sich um das Verkehrskonzept kümmert, die Parkplätze und Umleitungen beschildert etc. Diese Kosten liegen auch im fünfstelligen Bereich. Mit dem Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker werde ich sicher eine gute Lösung finden.

Wie steht es um Ihre persönlichen Ambitionen? Als Sie vor zwei Jahren als Präsident antraten, träumten Sie vom sportlichen Durchmarsch, sogar von der Oberliga und Regionalliga haben Sie schon gesprochen. Nun kämpft die SpVgg Lindau gerade um den Relegationsplatz ...

Grundsätzlich habe ich durch den Fußball so viel Empathie bekommen wie nie zuvor. Ich bin ja eine polarisierende Person, mehr als die Hälfte der Bundesbürger kennt den Namen oder den Kopf Werner Mang. Aber ich bin ein Erfolgsmensch. Und ich muss konstatieren, dass es bei der SpVgg sportlich nicht so gelaufen ist, wie ich es mir vorgestellt habe.

Wenn die Mannschaft in dieser Saison nicht den Aufstieg in die Bezirksliga schafft, muss ich mir ein Weitermachen überlegen. Meine Familie war von Anfang an nicht amused, dass ich mir auch noch die SpVgg ans Bein gebunden habe.

Was sagen die Leute beim Verein über Ihre Überlegungen?

Bevor ich kam, war die SpVgg am Boden. Es gab weder sportliche Ambitionen, noch Strukturen, es konnte ja teilweise nicht mal der Schiedsrichter bezahlt werden. Jetzt haben wir gute Strukturen mit dem Sportvorstand Karsten Krannich und dem Marketingvorstand Ferdinand Wiedemann, eine funktionierende Jugendarbeit und die Stadt hat das Stadion renoviert. Und ich habe ja auch viele Sponsoren zur SpVgg gebracht. Die Rahmenbedingungen sind also gegeben. Aber ich kann mich nicht damit aufhalten, hier vier, fünf Jahre auf die Jugend zu setzen. Meine Ziele sind andere. Dann wäre das Spiel gegen Bayern mein Abschiedsgeschenk an die SpVgg Lindau. Aber, wie sagt mein Freund Franz immer: „Schaun mer mal“.

Noch ist der Aufstieg ja auch noch möglich. Hoffen Sie, dass die Partie gegen Bayern den Lindauern noch ein wenig Extra-Motivation für die letzten Saisonspiele in der Kreisliga gibt?

Ich hoffe, dass nicht das Gegenteil eintritt und bei den Spielern nach diesem Highlight nicht die Spannung abfällt.

Was erwarten Sie von der SpVgg vom Spiel gegen Bayern?

Ich hoffe, dass es nicht schon in der ersten Halbzeit zweistellig wird. Wir sollten also mit unserer stärksten Elf beginnen, aber dann sollten schon auch alle zum Einsatz kommen. Die Gelegenheit, gegen diese Stars zu spielen, werden die Jungs ja nie wieder bekommen. Und es wäre natürlich der Hammer, wenn Ribéry und Robben ein paar Tore schießen.

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